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Franco Foda lässt den Kosovo von der Fußball-WM träumen

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29.03.2026

Der Lockruf der Fußball-WM wird immer lauter und am Dienstag wird er auch die finalen vier Starter aus Europa erreichen. Die Endstation Sehnsucht könnte dann auch ein ehemaliger ÖFB-Teamchef erreichen. Franco Foda könnte mit dem Kosovo das lange als denkunmöglich geltende Wunder Wirklichkeit werden lassen. Nach dem 4:3 von Bratislava erwartet man im Finalspiel von Pristina die Türkei. Sturms ehemaliger Meistermacher von 2011 und Österreichs Ex-Teamchef, der die Mannschaft bei der EM 2021 bis ins Achtelfinale geführt hat, steht vor dem größten Spiel der Karriere.

Der jüngste Staat Europas war noch nie bei einer Fußball-WM oder -EM vertreten. Der Kosovo hatte nach dem Zerfall Jugoslawiens die Unabhängigkeit im Jahr 2008 erlangt.

Es ist Fodas Selbstbestätigung

Seit Februar 2024 steht er an der Seitenlinie des Kosovo, dessen Mannschaft seit 3. Mai 2016 als 55. Team unter der Schirmherrschaft der Fußballunion Uefa und seit 13. Mai 2016 als Fifa-Team aufläuft. Was dem 59-Jährigen, der weiterhin in Graz lebt, mit dem ÖFB nie gelungen ist – ein Auswärtssieg im WM-Playoff – hat er mit dem Kosovo schon errungen. Es wäre mehr als nur ein „Märchen“, würden Foda und seine Assistenten Thomas Kristl, Roberts Ibertsberger und Atdhe Nuhiu (Co-Trainer in Altach, Cupfinale am 1. Mai) mit dem Kosovo zur WM fahren und in Gruppe D auf USA, Paraguay und Australien treffen.

Was Foda beim ÖFB oder beim verkorksten Auftritt für FC Zürich (aus nach acht Runden) verwehrt geblieben ist, kann ihm nun gelingen: Die restlose Anerkennung seiner Ordnungsliebe, der als „Foda-Ball“ bekannten Bevorzugung einer sicheren Abwehr denn der von Ralf Rangnick gewünschten Pressing-Offensive. Mit dem Kosovo im WM-Playoff hatte wirklich keiner gerechnet, aber Legionäre von Juventus (Zhegrova), Hoffenheim (Asllani, Hajdari), Beşiktaş (Rashica), Zürich (Valon Berisha), Napoli (Rrahmani) oder Sassuolo (Murić) vertrauen seinen Worten und seiner oftmals in Österreich angezweifelten Taktik.

Der Erfolg mit dem Kosovo ist mehr als nur eine Selbstbestätigung für Foda. Schafft er es zur WM, erwartet dort alle ein Abenteuer und ihn danach vermutlich eine neue Aufgabe. Misslingt der Coup im letzten Spiel, stehen ihm trotzdem alle Türen offen. Weil er es geschafft hat, unbeirrt an seinem Stil festzuhalten und ein Team zu Sensationen zu führen, an das in Wahrheit keiner geglaubt hat.

E-Mails: markku.datler@diepresse.obfuscationcom

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