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Die Gefahr für Papst Leo kommt nicht von links, sondern von rechts

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15.02.2026

Fasching, Fastnacht, Karneval – eine maßlose Zeit und maßlos überbewertet? Es muss nicht immer und überall auf die Weltenlage hingewiesen werden. Wer wüsste nicht darum Bescheid. Lachen befreit manchmal. Trotzdem, diesmal zum Ausklang des Faschings ein alles andere als leichtes, lässiges Thema.

Leo XIV. steht im ersten Jahr seines Pontifikats eine Bewährungsprobe bevor. Es droht die Gefahr eines Schismas, einer Spaltung der Kirche, wie der Vatikan selbst in einer offiziellen Mitteilung die Welt wissen lässt. Die Bedrohung kommt kurioserweise nicht von „links“, sondern von „rechts“. Nicht Reformkräfte sind es, die die Einheit der katholischen Kirche massiv gefährden, sondern Traditionalisten. Obwohl der in Deutschland unter Beteiligung der meisten Bischöfe zuletzt abgeschlossene Synodale Weg mit dem Plan, neben oder über der Bischofskonferenz ein Gremium unter Laienbeteiligung zu erfinden, noch gewaltiges Konfliktpotential in sich birgt.

Doch zu den Piusbrüdern: Die hat der französische Erzbischof Marcel Lefebvre in Gegnerschaft zu den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet. Seit Jahrzehnten steht die Gemeinschaft mit beiden oder zumindest mit einem Bein außerhalb der katholischen Kirche. Benedikt XVI. hat die Exkommunikation von vier Bischöfen nach deren unrechtmäßiger Weihe, die erfolgt ist, ohne vom Papst ernannt worden zu sein, zwar im Jahr 2009 aufgehoben. Das hat aber auch rückblickend betrachtet den Anfang vom Ende seiner Amtszeit markiert. Denn wenig später wurde bekannt, dass einer aus dem Quartett öffentlich den Holocaust geleugnet hatte. 

Jetzt beabsichtigt die Priesterbruderschaft St. Pius X. gewissermaßen als Wiederholungstäter in die Kirchengeschichte einzugehen. Deren Chef hat angekündigt, am 1. Juli wieder neue Bischöfe weihen zu wollen. Eine erbetene Audienz hat ihm der Papst nicht gewährt. Aber er hat den Präfekten des vatikanischen Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, beauftragt, den Piusbrüder-Oberen Davide Pagliarani zu treffen. Das alleine war für manche schon zu viel. Doch laut einer unmittelbar nach dem Ende des Gesprächs verbreiteten vatikanischen Mitteilung, die der Präfekt handschriftlich unterzeichnet hat, zieht Rom eine klare rote Linie. Die Weihe von Bischöfen darf nicht stattfinden. Der Termin muss abgesagt werden. Erst dann ist der Vatikan zu einem Dialog mit den Abtrünnigen bereit.

Dass es bei weitem nicht nur um die alte Form der Messe geht, gefeiert mit dem Rücken zum Kirchenvolk und in lateinischer Sprache, ist allen Beteiligten klar. Die Piusbrüder lehnen wichtige Teile des Konzils ab, wie die Beschlüsse zu Religions- und Gewissensfreiheit sowie zum Dialog der christlichen Kirchen. Hier kann und darf es kein Zurück geben.

Papst Leo setzt alles daran, die Kirche vor dem Auseinanderbrechen zu retten (wenn es leicht geht auch die Welt). Erfolgsgarantie dafür gibt es nicht.

dietmar.neuwirth@diepresse.obfuscationcom

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