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Zünglein an der Trage – die Stones & ihr neues Album „Foreign Tongues“

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17.07.2026

1966 – „Nachwirkung“ in Hollywood: Wir befinden uns in Kalifornien. Genauer gesagt in den legendären RCA Studios, Sunset Drive, Hollywood. „Aftermath“ der vierte Rolling Stones Longplayer wird seinem Namen getreu bleiben. Er wird den nachfolgenden sechs Dekaden mehr Ehre erweisen, als es diesen britischen Grünschnäbeln ehedem bewusst war. Für Jagger, Richards, Jones und Co markiert das Album überhaupt das erste Mal, die Eierschale komplett von sich zu werfen. Keine der vorherigen drei Platten schaffte es, ohne zeitübliche massenhaft Coverversionen auszukommen. Sie haben das Songwriting gerade erst erlernt, eingesperrt in der Küche, während der ausgekocht kreative Manager und Kumpel Andrew Loog Oldham ihnen das Bad Guy Image erfindet und nebenan wartet. „Kommt erst raus, wenn ihr einen gottverdammten eigenen Song geschrieben habt.“

Musikgeschichtlich befinden wir uns Anfang ’66 an einem Punkt, unmittelbar bevor die sinnlich psychedelische Gefahr des Rock sich auf Vinyl manifestiert. Pink Floyd, Velvet Underground, The Doors? Kommt alles im Folgejahr. Jefferson Airplane, Grateful Dead? Klar, die Hashbury-Szene kocht nebenan in San Francisco. Teils mit den Dead live in Ken Keseys partyhöllischem Kuckucksnest – alle Gäste auf LSD.

Teils mit Grace Slick als überhaupt erster sexy-selbstbewusster Hohepriesterin of Rock; bereits öffentlich angebetet von Hunter (S. Thompson.

Doch alles geschieht bislang nur live on Stage. Ihre Debüt-Alben fehlen noch.

Genau jetzt, vor 60 Jahren, veröffentlichen die Rolling Stones das e i n e Lied: „I’m going Home“.

Erstmals ein fast 12 Minuten Song. Erstmals volle Möhre dopeske Improvisation voll bedrohlichem Instinkt. Bereits so klingenscharf und blackmusic-groovy, wie es eine weiße Band erst 1969 mit dem Iggy & the Stooges-Erstling erneut vollbringen wird. Doch der Funke zu allem entzündet sich hier. Woher kommt dieses leicht sinistre Grundfeeling? Keith lakonisch: „Die Beatles trugen bereits den weißen Hut. Da blieb uns nur der schwarze Hut.“ Link:

Die Welt ist in Aufruhr. Von Madonna bis U2 haben ehemals zuverlässige globale Seismografen letztere mit ihren aktuellen Routine-Werken nicht gerade beeindruckt. Weder per instinkiver Leidenschaft, noch Inspiration oder Humor. Und jetzt kommt allen Ernstes im Sommerloch eine Band, deren Kern auf die 90 zustrebt wie der Limes gegen Unendlich? Der Drummer bereits über die Themse? Nach je über 100 Alben und Singles? Keine drei Jahre nach dem zugegeben ziemlich okayen „Hackney Diamonds“? Was soll da schon passieren?

„Call me Mr Charm, Mr Charm, Mr Charm!“ Eingängig, komplex, Wahnsinns-Dynamik, voll Sommerhit, voll Tanztempel, voll Highway 61 mit Shades, 200 Sachen, attraktiver Begleitung plus allerhand in Handschuhfach und Kofferraum. Darüber ein gallig brithumoriger Spottext über den gockelhaften Großmogul Musk. Kann es einen schöneren Sommerhit geben?

Zumindest ähnliche große Momente gibt’s ohne Ende. „Side Effects“ etwa beeindruckt mit seinem sich melodisch steigernden Aufbau zu einem Rhythmusmonster aus Classic Rock mit bluesfunky Einschlag. Daneben bitte gleich Micks Soloklopper „Just another Night“ (1985) in die Playlist tüten.

Credibility mit Kuhglocke

Hier herrscht trotz ansehnlicher Truppenstärke weder kreatives Vakuum noch Chaos.

Namhafte Gäste setzen sie so treffsicher wie talentgetreu ein. So etwa Robert Smith mit Cure-Drive beim Ohrwurm „Never wanna lose you“. Steve Winwood als Edeljoker an die Orgel, Sir Paul schnappt sich den Bass im intensiven „Covered in you“. Und Bruno Mars drücken sie ’ne Kuhglocke in die Hand. Fehlt nur noch Christopher Walken. Ergebnis: Alles songdienlich, uneitel im Sinne der Kunst zusammen gefügt. Kompliment. Dazu mit Andrew Watt ein Producer, der noch nicht einmal halb so alt ist wie die meisten Protagonisten.

Geht es hier mithin ums Alter? Achwas, sobald gemeinsame Kreativität das Ruder übernimmt, herrscht Inspiration statt Generation.

Watt setzte zuletzt neben den Stones u.A. Pearl Jam, Eddie Vedder oder Paul Mccartney mit gekonntem Cinemascope-Dynamit in Szene, ohne verkrampft modernistisch oder gar rückwärtsgewandt rockistisch zu agieren. Kombiniert mit Stones’sch abgehanener Urwüchsigkeit reift beim Hörer bereits im Verlauf des ersten Durchgangs folgende Erkenntnis: Es gibt zum Glück einen deutlich hörbaren Unterschied zwischen „Vintage“ und „Altbacken“.

Enttäuschung erfährt dieser Gedanke an........

© Die Kolumnisten