Warum wir lieber suchen als finden
„Du kannst doch nicht für immer allein bleiben“, sagt die alte Schulfreundin, die seit Jahren in einer Beziehung feststeckt, die sie nur mit Sarkasmus und (zu viel) Rotwein erträgt, während sie sich hin und wieder unter einem Pseudonym beim Online-Dating tummelt.
„Doch“, sage ich. „Das geht.“
„Aber willst du das tatsächlich?“
„Nein. Aber ich will den Rest auch nicht.“
Damit sind wir schon im Thema. Partnersuche im fortgeschrittenen Erwachsenenalter ist kein romantisches Unterfangen mehr, sondern eine Abwägung zwischen zwei Übeln: Alleinsein oder Kompromiss. Wer behauptet, es gehe noch um große Gefühle, hält Wunschdenken für einen Plan oder verdient sein Geld mit Paartherapie.
Gefühlt 80 Prozent der Menschen zwischen 40 und 60 sind entweder frisch getrennt, latent unzufrieden oder offiziell „offen für Neues“. Das ist keine belastbare Studie, sondern eine Kneipenstatistik, aber wie bei allen guten Statistiken stimmt die Richtung. Kaum jemand ist glücklich vergeben, kaum jemand wirklich gern allein. Die meisten dümpeln dazwischen wie Treibgut nach einem Beziehungs-Tsunami.
Interessant ist: Alle suchen. Und fast alle klagen über dieselben Dinge. Die anderen seien schwierig, bindungsgestört, oberflächlich, egoistisch, psychisch angeschlagen oder schlicht unattraktiv. Niemand kommt auf die Idee, dass er selbst Teil des Problems sein könnte. Das wäre ja auch unerquicklich.
Partnersuche ist heute Markt. Punkt. Angebot, Nachfrage, Selbstdarstellung, Konkurrenz. Wer das leugnet, ist entweder neu dabei oder hoffnungslos romantisch deformiert. Datingplattformen funktionieren wie Online-Shops. Man filtert, sortiert aus, legt Kriterien fest, die man früher nie formuliert hätte.
„Nichtraucher, sportlich, humorvoll, emotional verfügbar, bitte ohne Altlasten.“ Altlasten – ein wunderschönes Wort für Kinder,........



















































