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Lasst dem Wal doch seine Wahl

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07.04.2026

Der Buckelwal, der vor rund zwei Wochen am Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsaß, war schon zu diesem Zeitpunkt kein Fremder mehr in der Ostsee. Er irrte bereits seit sechs Wochen dort herum, war wahrscheinlich Heringsschwärmen vom Atlantik her gefolgt. Ein Teil eines Geisternetzes war aus seinem Maul entfernt worden und man hatte gehofft, er fände den Weg zurück in den Atlantik.

Spoiler: Hat er nicht.

Wir müssen dem Tier doch helfen

Der erste Rettungsversuch, nachdem sich der Wal festgeschwommen hatte, war noch nachvollziehbar. Es hätte ja sein können, er ist unabsichtlich auf die Sandbank geraten. Auch wenn er zu diesem Zeitpunkt schon krank und geschwächt war, da das Futterangebot für Wale in der Ostsee einem Klopapierregal zu Coronazeiten gleicht, und so eine Walhaut außerdem auf Dauer kein Süßwasser verträgt.

Man schaffte es, das Tier freizubaggern – und was machte es? Steuerte schnurstracks die nächste Sandbank an. Ich bin keine Walexpertin, aber wenn ich dieses Verhalten deuten müsste, würde ich sagen: Der arme Kerl wollte nicht mehr schwimmen. Er konnte nicht mehr. Er wollte ruhen und dabei nicht ertrinken (für alle, die in Biologie nur Kreide holen waren: Wale sind keine Fische und müssen regelmäßig an die Wasseroberfläche, um zu atmen). Und vor allem wollte er nicht, dass ihm Leute mit Booten und Baggern auf den Sack gehen und mit Paddeln auf das Wasser neben ihm dreschen.

Stellen Sie sich vor, Sie liegen auf dem Sterbebett und jemand rüttelt ständig an der Matratze, um Sie zu animieren, vielleicht doch wieder........

© Die Kolumnisten