Nicht immer gibt es ein Happy End
Nicht immer gibt es ein Happy End: Gestrandeter Buckelwal zeigt Versagen beim Meeresschutz
Nicht immer gibt es ein Happy End
Das Schicksal des Buckelwals in der Ostsee ist ein Spiegelbild dafür, wie schlecht es unseren Meeren geht. Warum wir uns stärker für echten Meeresschutz einsetzen müssen.
Seit Wochen beschäftigt uns der gestrandete Buckelwal in der Ostsee. Es ist schön, wenn die Meere so viel Aufmerksamkeit bekommen, aber warum gilt diese Empathie nur diesem einen Wal? Warum übersehen wir, dass jährlich 300.000 Wale und Delfine sowie zahlreiche heimische Schweinswale als Beifang in Fischernetzen verenden? Nur weil es unsichtbar unter der Oberfläche passiert?
Der Wal vor unserer Haustür hat dieses abstrakte Sterben plötzlich greifbar gemacht. Auch wir von Greenpeace haben gemeinsam mit anderen Organisationen tagelang für ihn gekämpft. Bis in die Nacht haben wir Pläne geschmiedet und weltweit Fachleute konsultiert. Am Ende stand die bittere Erkenntnis: Der Gesundheitszustand ist zu schlecht, die Verletzungsrisiken zu groß. Jeder weitere Rettungsversuch würde dem Tier zusätzliches Leid zufügen.
Auch Loslassen ist eine aktive Entscheidung
Auch Loslassen ist eine aktive Entscheidung
Wie trifft man solch eine Entscheidung, während die Welt zuschaut? Es ist eine Frage, die uns bis in den Schlaf verfolgt. Gefühle kämpfen mit dem Verstand, doch Gefühle allein helfen dem Wal nicht. Es braucht das Vertrauen auf die Expertise von Fachleuten. Es ist ein Prozess des Realisierens und Akzeptierens, dass es das Beste für den Wal ist, ihn in Ruhe zu lassen. Auch Loslassen ist eine aktive Entscheidung – eine, für die man angefeindet wird, weil sich alle ein gutes Ende wünschen. Das ist verständlich, aber nicht immer möglich. Das Risiko, bei dieser Rettungsaktion zu scheitern, war immer da. Aber das Risiko zu scheitern, wird uns niemals davon abhalten, für diese Tiere zu kämpfen.
Der gestrandete Buckelwal ist ein Spiegelbild dessen, wie es unseren Meeren geht. Wir benutzen sie als Industriegebiet und bekommen nun die Quittung, müssen dem Wal direkt an unserer Küste beim Sterben zusehen. Aber statt Helfenden im Rettungseinsatz die Schuld zu geben, können wir aus der Tragödie etwas lernen. Indem wir uns bewusst machen, dass unser Konsum direkte Auswirkungen auf das Leben im Ozean hat. Indem wir zu pflanzlichen Alternativen statt zu Fisch greifen, um die Überfischung aufzuhalten. Indem wir Produkte länger nutzen und nicht neu kaufen, um Schiffsverkehr zu reduzieren. Indem wir erneuerbare Energien ausbauen, um die Klimakrise zu stoppen. Indem wir uns politisch für den Meeresschutz und wirksame Schutzgebiete einsetzen.
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Nicht jede Geschichte hat ein Happy End. Uns wurde schmerzhaft vor Augen geführt, was wir tun müssen, um unsere Meere und ihre Bewohner besser zu schützen. Ich hoffe, wir tun es jetzt.
