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Niedrige Impfquoten: Nur Aufklärung schafft Vertrauen

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02.03.2026

Nur 3 Prozent geimpft: Wie fehlende Aufklärung Deutschland gefährdet

Niedrige Impfquoten: Nur Aufklärung schafft Vertrauen

In Deutschland gibt es einen gefährlichen Rückgang beim Impfen, etwa gegen die Grippe oder Covid-19. Doch nicht die mangelnde Bereitschaft ist das Problem, sondern die unzureichende Aufklärung.

Die Impfquoten in Deutschland sind in einem alarmierenden Sinkflug: Nur drei Prozent der Befragten haben sich laut einer neuen Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Beginn der aktuellen Erkältungssaison gegen Covid-19 impfen lassen. 17,6 Prozent waren es bei der Grippe. Das ist zu wenig, um einen effektiven Bevölkerungsschutz zu erzielen, der auch diejenigen schützt, die sich nicht impfen lassen können. Weniger Impfungen bedeuten zudem, dass es mehr Menschen gibt, die sich infizieren, schwer erkranken und sterben können. Es droht ein Mehraufwand für Arztpraxen und Kliniken.

Die Zahlen sind jedoch kein Ausdruck einer allgemeinen Impfmüdigkeit. Umfragen wie die des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass die Menschen in Deutschland Impfungen gegenüber eigentlich positiv eingestellt sind. Trotzdem verzichten sie allzu oft darauf, sich impfen zu lassen – aus Angst vor Nebenwirkungen und weil sie häufig Impfmythen aufsitzen, wie die RKI-Studie verdeutlicht. Die niedrigen Impfquoten sind also vielmehr ein Ausdruck mangelhafter Aufklärung.

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Der Schaden der Corona-Pandemie

Wie wichtig Aufklärungsarbeit zu Impfungen ist, hat die Corona-Pandemie gezeigt. Die mRNA-Impfstofftechnologie, die für die Covid-19-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt wurde, hat damals bei vielen Menschen Verunsicherung hervorgerufen. Schnell kursierten Mythen über angeblich verimpfte Mikrochips, DNA-Veränderungen und gefährliche Inhaltsstoffe. Damals ist es nicht gelungen, rechtzeitig und ausreichend auf diese Mythen zu reagieren – mit der Folge, dass sie noch heute präsent sind.

Ist ein Irrglaube erst gestreut, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst hohe Amtsträger falsche Informationen verbreiten – so wie US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der zuletzt etwa erklärte, es gebe einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Wissenschaftlich ist das überhaupt nicht belegt. Doch genau solche Falschbehauptungen sind es, die in den sozialen Medien oft die Runde machen.

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„Es gibt keine normalen Kopfschmerzen“

Impfaufklärung auch auf Social Media

Eine moderne Impfaufklärung muss also auch im Netz ansetzen. Es braucht mehr Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen, die auf Instagram, Facebook, X und anderen Kanälen vertreten sind und dort frühzeitig über Falschinformationen – zum Beispiel in Form kurzer Videos – aufklären. Doch genauso sind die Ärztinnen und Ärzte in der realen Welt gefragt. Wichtig ist vor allem, dass sie Patientinnen und Patienten mit Sorgen und Bedenken zu den Impfungen ernst nehmen und sie über die Vorteile und Risiken sorgsam und verständlich informieren.

Vertrauen in Impfungen ist nichts, das von heute auf morgen entsteht. Es braucht Zeit, manchmal wird es auch gar nicht gelingen. Aber jede weitere Impfdosis kann Leben retten.


© Die Harke