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Im Tagesspiegel vor 80 Jahren: Der 20. Juli 1944 im Nachkriegsrückblick

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20.07.2026

Tagesspiegel-Gründer Erik Reger sah den Attentats- und Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 kritisch. Nichts zu tun hatte seine Sicht aber mit dem deutschen Nachkriegs-Zeitgeist, den die Publizistin Ruth Hoffmann mit Blick auf die Widerständler um Claus Schenk Graf von Stauffenberg so auf den Punkt bringt: „Nach dem Krieg sollte es viele Jahre dauern, bis sie nicht mehr als ,Landesverräter’ galten.“

Markus Hesselmann hat 30 der 80 Jahre Tagesspiegel-Geschichte als Redakteur miterlebt. Er schaut gern ins Archiv und holt Artikel aus den frühen Jahren unserer Zeitung ans Licht, jetzt auch für diese Kolumne.

In ihrem 2024 erschienenen Buch „Das deutsche Alibi“ befasst sich Ruth Hoffmann mit dem „Mythos Stauffenberg-Attentat“ und analysiert, „wie der 20. Juli 1944 verklärt und politisch instrumentalisiert wird“. Kurz gesagt: Wie das, was lange als verräterisch galt, schließlich staatstragend wurde – und nicht zuletzt entlastend sowie politisch nutzbar.

Erik Reger bemühte sich schon 1946 um eine differenzierte Haltung. Dazu gehörte, „Mut und Opferbereitschaft“ anzuerkennen. (Wir zitieren in dieser historischen Serie wie immer in der damaligen Rechtschreibung.)

Tagesspiegel-Gründer Erik Reger am 20. Juli 1946

Dreierlei steht fest: erstens, daß unter den völlig heterogenen Elementen der Verschwörung – wenn dieser romantische Ausdruck der Kürze halber erlaubt ist – Einigkeit nur darüber herrschte, daß Hitler beseitigt werden müsse; zweitens, daß die Zivilisten dazu keinen anderen Weg sahen, als sich den Militärs in die Hand zu geben; drittens, daß alle Beteiligten ein Maß von Mut und Opferbereitschaft bewiesen, das nur der zu würdigen vermag, der zugleich beurteilen kann, um wievieles schwerer in einem so dichten Überwachungsnetz ein zusammengefaßtes Unternehmen gegen die Spitze des Systems war, als irgendeine beliebige, mehr diffuse Widerstandsaktion.

Ebenso also erkannte Reger die Motive der „heterogenen Elemente der Verschwörung“ an, „deren Vielfalt nicht zu verkennen“ sei, wie es im weiteren Verlauf seines hier zu lesenden Leitartikels heißt.

Damit widersprach Reger einem im Juni 1946 erschienenen Tagesspiegel-Beitrag, in dem abwertend von einem „Generalsputsch“ die Rede war.

Trotz aller Vielfältigkeit bescheinigt Reger den gescheiterten Attentätern eine „Beziehungslosigkeit zur Masse des Volkes“ im politischen........

© Der Tagesspiegel