In der Mitte links, außen rechts: Wer soll Berlin versöhnen?
Kurz vor 17 Uhr, als die ersten Zahlen in den Hinterzimmern vorsichtig die Runde machten, brach der Himmel über Berlin zusammen. Ein heftiger Platzregen, schwarzer Himmel, Blitz, Donner, Wasser wie aus Kübeln. Bis einige Minuten später, als wäre nichts gewesen, die Sonne wieder herauskam. Was will Berlin uns damit sagen?
Eine Frage, die sich angesichts dieses Wahlergebnisses regelrecht aufdrängt. Jetzt, wo sich der Sturm des Wahlkampfes gelegt hat, steht die Stadt vor dem Scherbenhaufen des Wählerauftrags. Wem soll es nun gelingen, die politisch zerklüftete Stadt wieder zusammenzuführen?
Der Wahlkampf hatte sich im Endspurt zu einem Zweikampf zugespitzt, im Zentrum die Frage: Tickt diese Stadt eher rechts oder links? Wer setzt sich durch: die eher linken Innenstadtbezirke oder das konservativere Drumherum? Ist Berlin eher Rumpelkiez oder Reihenhaus, Hinterhof oder Vorgarten, Lastenrad oder Regionalzug?
Anke Myrrhe ist stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegels und Autorin des Berlin-Newsletters „Checkpoint“. Sie hofft auf eine Regierung, die Berlin mutig ins nächste Jahrzehnt überführt und wieder vereint.
Am Abend des 20. September muss die Zwischenbilanz lauten: selbstverständlich beides. Aber, wie wir jetzt wissen, doch mit deutlichem Hang nach links.
Die Linke hat voll auf das Thema Wohnen gesetzt und versprochen, „Berlin wieder bezahlbar“ zu machen. Das hat ganz offensichtlich gezogen. Auch wenn der Versuch, dieses allumfassende Versprechen umzusetzen, sehr wahrscheinlich in einer Enttäuschung mündet.
Machen die anderen Parteien da mit? Drei braucht es, so viel ist klar.........
