Porträt | Kultregisseur Park Chan-wook: „Ich mache mir Sorgen um KI“
Die „koreanische Welle“ wird weltweit gefeiert, doch Park Chan-wook ist nicht in Festlaune. Von außen betrachtet wirkt Südkorea wie eine gut geölte Maschine, die unablässig Popsongs, Speisen, Autos, Filme, Serien und Samsung-Flachbildschirme ausstößt, die die Welt erobern. Parks neuester Film No Other Choice aber lässt diese Illusion etwas platzen. Er zeichnet ein Bild des heutigen Korea als instabiles Land, das von industriellem Niedergang, Arbeitslosigkeit und männlicher Fragilität geprägt ist – ohne dass KPop-Demon Hunters zur Rettung eilen.
„Ich hatte nicht vor, eine realistische Darstellung Koreas im Jahr 2025 zu liefern“, sagt Park, nach außen hin ein gelassener, fast professoral wirkender 62-Jähriger. „Es ist wohl zutreffender, den Film als Satire auf den Kapitalismus zu betrachten.“
No Other Choice spielt in der einerseits lächerlich banalen, andererseits gnadenlosen Welt der Papierherstellung. Ein frisch entlassener Manager heckt den wahnwitzigen Plan aus, durch die Ermordung seiner Rivalen an einen neuen Job zu kommen. Es könnte aber genauso gut um die Unterhaltungsindustrie gehen, die prekärer ist, als es den Anschein hat, meint Park: „Obwohl koreanische Filme und Serien weltweit im Trend liegen, ist das koreanische Publikum nach der Pandemie nicht in die Kinos zurückgekehrt, gleichzeitig heißt es auch, die TV-Branche sei bedroht. Und das unmittelbar nach dem Erfolg von Squid Game und Parasite. Die Diskrepanz ist schon sehr ironisch.“
Ironie ist ein wesentliches Merkmal von Parks Filmen. No Other Choice beginnt damit, dass sich der Angestellte Man-su (Lee Byung-hun) dazu beglückwünscht, alles zu haben: einen guten Job, ein schönes Haus, eine liebevolle Frau, zwei Kinder und zwei Hunde. Dann wird seine Firma von Amerikanern übernommen und er entlassen, was ihn zu seinem Mordplan führt.
Das klingt düster, wird aber durch viel schwarzen Humor, bissigen Slapstick und unbeholfene Gewalt aufgelockert. Einen der Rivalen will er ausschalten, indem er sich mit ihm bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt – mithilfe der sehr koreanischen Praxis des „Poktanju“, bei der ein kleines Glas Whiskey in einem Bier versenkt wird. Park war diesem Cocktail in der Vergangenheit nicht abgeneigt, wie er zugibt, „aber ich trinke das nicht mehr. Mir wurde klar, dass ich mir das nicht mehr antun sollte.“
Selbst der Titel No Other Choice ist ironisch: Man-su hat andere Möglichkeiten. Er könnte sich an seinem........
