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Regionalliga-Reform: Bayern-Ultras schließen sich Union und Hertha an

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24.03.2026

Sportlich reihte sich der Ausflug nach München aus Sicht des 1. FC Union Berlin mal wieder in die Ergebnisse der zurückliegenden Spiele ein. Das 0:4 beim FC Bayern am zurückliegenden Wochenende war eine deutliche Angelegenheit und bot aus Sicht der Eisernen nur wenig Raum für positive Erinnerungen an diesen Nachmittag des 27. Spieltags in der Fußball-Bundesliga.

Während in der Arena in Fröttmaning spätestens kurz vor der Pause mit dem Führungstreffer der Gastgeber durch Michael Olise fußballerische Klarheit in einem ungleichen Duell herrschte, konnten die Fans des FC Bayern die Partie nutzen, um eine sportpolitische Botschaft zu platzieren. Für Fernsehkameras und Fotografen gut sichtbar platzierten sie am Zaun der Südkurve ein großes Banner. Die Botschaft: „Meister müssen aufsteigen! BFV-Privileg eigener Regionalliga abschaffen“.

FC Bayern solidarisiert sich auch mit den kleineren Klubs

Solidarität also nicht nur mit den großen Bundesligavereinen im Kampf gegen Polizeigewalt in den Stadien wie etwa Anfang des Jahres nach den Ereignissen rund um den Rückrundenstart zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04, sondern auch mit den vermeintlichen kleineren Klubs aus den Regionalligen. Der Zeitpunkt und die Platzierung waren bewusst gewählt: Am Mittwoch trifft sich in der DFB-Zentrale in Frankfurt die Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform. Und die könnte auf ihrer vorerst letzten terminlich anberaumte Sitzung zu einer wegweisenden Entscheidung für die Aufstiegsregelung aus den Regionalligen in die Dritte Liga kommen.

Die scheint dringender denn je benötigt zu werden, wie der in den vergangenen Wochen erhöhte Druck der Vereine und ihrer Fanszenen zeigt. Dabei kämpfen die Klubs bereits seit der Reform 2012 um faire Bedingungen für eine Lösung dieses grundsätzlichen Problems: Es gibt zwar fünf Regionalliga-Staffeln, aber nur vier Aufstiegsplätze in die Dritte Liga.

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Während Meister aus West und Südwest sicher hochgehen, müssen andere zittern – oder in die Relegation. Kurzum: ein System, das Frust schürt. Vor allem im Osten, aber eben nicht nur, wie die Aktion der organisierten Fanszene des FC Bayern gegen den 1. FC Union Berlin zeigte: Ausgerechnet die Fans des Rekordmeisters schlagen sich also jetzt auf die Seite derer, die seit Jahren aufbegehren. Auch der 1. FC Union Berlin und Hertha BSC haben das bereits getan.

Die Erst- und Zweitligisten der Hauptstadt haben sich längst der Initiative „Aufstiegsreform 2025“ angeschlossen. Ein Bündnis ostdeutscher Regionalligisten, das Druck macht für klare Regeln: Meister müssen aufsteigen. In dieser Frage sitzt Union sogar mit Rivale BFC Dynamo in einem Boot – selten genug.  Die Bayern-Fans kritisieren im Spiel gegen Union den Bayerischen Fußball-Verband, die Anhänger des FC Augsburg schlossen sich dem Protest gegen den VfB Stuttgart an, schrieben auf ein Banner: „Vier Himmelsrichtungen, ein Ziel: Kompassmodell! Jetzt – Meister müssen aufsteigen.“ Der Hintergrund ist schnell erklärt. Nur der BFV stellt als einziger Landesverband eine eigene Regionalliga – ein Sonderweg, der seit Jahren Diskussionen auslöst.

Klar ist aber auch: Selbst Bayerns Meister besitzt keine Aufstiegs­garantie. Das System bleibt kompliziert. Und ungerecht. Die Fans haben das längst verstanden. Und machen Druck. Das Banner aus München zeigt: Die Debatte lebt. Bundesweit in vielen Stadien. Und sie wird lauter. Aus gutem Grund.

Am Mittwoch will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die ersten Ergebnisse zur Aufstiegsreform zur 3. Liga präsentieren. Mit dem sogenannten Kompassmodell will der DFB die Regionalliga-Frage nach 14 Jahren Zoff beantworten. Um von fünf auf vier Staffeln zu kommen, sollen die dann 80 statt 90 Viertligisten jedes Jahr nach den kürzesten Fahrtstrecken eingeteilt werden – und zwar mittels künstlicher Intelligenz.

Das große Problem: Es geht um Machtverlust

Das große Problem für eine Änderungen aber sitzt nicht im Osten oder Bayern, sondern heißt DFB-Vize Peter Frymuth und ist Präsident des Westdeutschen Fußball-Verbandes. Dieser blockiert die Reformen weiter – aus Sorge, Macht in seinem Regionalverband zu verlieren. Beim Halleschen FC hat man dazu eine klare Meinung. Sportdirektor Daniel Meyer fand in der „Mitteldeutschen Zeitung“ deutliche Worte: „Es geht offensichtlich nur um Macht und persönliche Interessen, dafür arbeiten sie gegen die Interessen des Fußballs und der Vereine.“ Der Ex-Zweitliga-Trainer bezeichnet das Verhalten der DFB-Funktionäre als „Boykott von innen“ und meint: „Das ist ein total fatales Zeichen.“

Kurz vor dem so wichtigen Termin am Mittwoch wird der Ton schärfer. Gleichzeitig wächst der Druck von außen – von Vereinen, von Fans, jetzt sogar von den Bayern-Ultras. Gerade für den 1. FC Union Berlin ist das mehr als nur ein Randthema. Die Eisernen wissen, wie hart der Weg durch die unteren Ligen ist. Sie kennen den Wert von fairen Aufstiegsregeln. Und sie wissen, dass der Fußball ohne Gerechtigkeit seinen Kern verliert.


© Berliner Zeitung