„Wir werden unsere Souveränität verteidigen“: Kubas Botschafterin über Donald Trumps Drohungen
Kuba steckt in einer schweren Energie- und Versorgungskrise, während der politische Druck aus Washington wächst. Die kubanische Botschafterin Juana Martínez González macht dafür vor allem die verschärften US-Sanktionen verantwortlich und spricht von einer „kollektiven Bestrafung“ der Bevölkerung. Im Interview mit dieser Zeitung erklärt sie, wie ernst die Lage im Land ist, warum sich Kuba auf mögliche Eskalationen vorbereitet – und weshalb Havanna dennoch auf eine diplomatische Lösung mit den USA hofft.
Frau Botschafterin, seit dem US-Angriff auf Venezuela erhöhen die USA den Druck auf Kuba. US-Präsident Donald Trump droht Staaten mit zusätzlichen Zöllen, wenn sie mit Kuba Geschäfte machen. Wie wirkt sich diese Politik auf die Lage in Kuba aus?Vor allem hat diese Politik verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung. Der Mangel an Treibstoff beeinträchtigt den Verkehr, die Lebensmittelproduktion sowie den Transport und die Verteilung an die Bevölkerung, die Industrie – kurz: alle Bereiche der Wirtschaft –, denn Energieerzeugung ist heute grundlegend für das Funktionieren der Gesellschaft. Trotz enormer und beschleunigter Anstrengungen, die Energiematrix auf saubere und erneuerbare Quellen umzustellen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern, bleibt die Stromerzeugung aus Photovoltaik und vergleichbaren Quellen unzureichend, um die tägliche Nachfrage zu decken. Von 330 MW Ende 2024 stieg die Leistung bis September 2025 auf 1174 MW – eine Verdreifachung –, das Jahr dürfte mit 1480 MW abgeschlossen worden sein, also dem Vierfachen. Dennoch entspricht dies lediglich zehn Prozent der gesamten Energieerzeugung.Die Installations- und Inbetriebnahmeprozesse wurden beschleunigt: Was früher drei Monate dauerte, erfolgt nun in 45 Tagen. Doch das reicht nicht aus. Kubas nationale Rohölförderung deckt nur 40 Prozent des Energiebedarfs. Zudem ist das Rohöl sehr schwer und schwefelhaltig; Benzin oder Diesel für den Verkehr lassen sich daraus nicht gewinnen. Zwar wird es in Wärmekraftwerken eingesetzt, doch beschädigt es die bereits verschlissene Infrastruktur und verkürzt die Wartungszyklen erheblich. Daher können die Kapazitäten kaum vollständig ausgeschöpft werden; häufig müssen ganze Einheiten vom Netz oder es kommt zu Störungen.
Was hat die kubanische Regierung angesichts dieser neuen Energie- und Versorgungslage unternommen?Am 6. Februar sah sich die Regierung gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben im Land und die grundlegenden Dienstleistungen zu sichern. Der verfügbare Treibstoff wird prioritär für wesentliche Dienstleistungen und unverzichtbare wirtschaftliche Aktivitäten eingesetzt. Das Maßnahmenpaket umfasst die Verkürzung der Arbeitswoche, die Ausweitung der Arbeit im Homeoffice – mit Einschränkungen, da sie von den Stromzeiten in den Haushalten der Beschäftigten abhängt –, eine erhebliche Reduzierung der Unterrichtstage an Schulen sowie einen nur halbpräsenten Betrieb der Universitäten. Auch das Gesundheitssystem ist stark betroffen. Viele Leistungen sind auf das Dringendste zur Lebensrettung reduziert, auch die Sauerstoffproduktion und deren Transport zu Intensivstationen sind erheblich beeinträchtigt. Die seit dem 29. Januar durch eine Executive Order des US-Präsidenten verschärfte Politik und die unserer Meinung nach lächerliche Erklärung, Kuba stelle eine außergewöhnliche Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar, bedeuten eine kollektive Bestrafung des kubanischen Volkes und bringen das Land an den Rand einer humanitären Krise.
Fürchtet Kuba einen militärischen Angriff der USA?In seinen Erklärungen hat Präsident Trump selbst auf entsprechende Nachfragen geantwortet, dass dies nicht notwendig sei und Kuba von selbst fallen würde. Dennoch ist es eine Möglichkeit, die nicht ausgeschlossen wurde, und Kuba bereitet sich auf alle möglichen Szenarien vor. Denn Präsident Trump hat auch erklärt, dass gegenüber Kuba alle möglichen Druckmittel angewandt worden seien und nur noch bleibe, „hineinzugehen und den Ort zu verwüsten“.
Ist Kuba auf einen möglichen militärischen Angriff der USA vorbereitet?Ich möchte in diesem Zusammenhang zunächst hervorheben, dass Kuba ein Land des Friedens ist. Die Verteidigungsdoktrin oder Militärdoktrin unseres Landes ist das Konzept des „Krieges des ganzen Volkes“, ein Verteidigungskonzept zum Schutz der Souveränität und Unabhängigkeit des Landes. Sie sieht in keiner Weise, zu keinem Zeitpunkt, in keinem Abschnitt, in keinem Konzept eine Aggression gegen ein anderes Land vor; wir sind daher keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und waren es nie. Wie unsere historischen Führer, Oberbefehlshaber Fidel Castro und Armeegeneral Raúl Castro, es ausgedrückt haben: Eine Revolution, die........
