menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Termin steht fest: Dann ist die Strecke Berlin–Hamburg wieder frei

2 0
yesterday

Dieser Termin muss nun aber wirklich klappen, heißt es bei der Deutschen Bahn (DB). Nachdem das Bundesunternehmen die Wiedereröffnung der direkten Verbindung zwischen Berlin und Hamburg wegen Schnee und Eis verschieben musste, gab es jetzt den sehnlich erwarteten neuen Zeitplan bekannt. Der Reise- und Güterzugverkehr wird in zwei Stufen wieder anlaufen, hieß es.

Danach soll die Hamburger Bahn vom 14. Juni 2026 an wieder auf ganzer Länge befahren werden, teilte Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte des Infrastrukturbetreibers DB InfraGo, am Mittwoch mit. Die ICE-Züge, die derzeit über Stendal fahren, kehren auf die bisherige Route zurück. Die entfallenen Eurocitys werden wieder eingesetzt – zum Teil mit dem neuen Ziel Kopenhagen.

Schon vorher, am 15. Mai, soll das Teilstück zwischen Hagenow Land in Mecklenburg und Hamburg wieder in Betrieb gehen. Zwischen Stralsund, Rostock und Hamburg fahren dann wieder durchgehend Fern- und Regionalzüge. Das wird viele Pendler freuen, die jetzt noch die Busse des Schienenersatzverkehrs nutzen müssen und länger unterwegs sind als vor der Sperrung. Anders als erwartet, bleibt die Teilstrecke zwischen Berlin-Spandau, Falkensee und Nauen bis 13. Juni außer Betrieb. Erst ab 14. Juni werden dort wieder Züge verkehren.

Berlin – Hamburg länger gesperrt: Eine Teilstrecke könnte schon im Mai wieder öffnen

Berlin–Hamburg bis 2026 gesperrt: „Maximale Belastung für Pendler und Wirtschaft“

Bahnchefin: „Technisch schlicht nicht möglich“

Die rund 290 Kilometer lange Hamburger Bahn musste in den vergangenen Jahren mehrmals gesperrt werden. Doch keine Betriebsunterbrechung war so umfassend und dauerte so lange wie diese. Die Generalsanierung des Hochleistungskorridors begann am 1. August 2025. Ursprünglich sollte sie nach neun Monaten am 30. April 2026 enden. Doch im Februar gab die Bahn bekannt, dass die Sperrung länger dauern wird. Nun werden es sechs Wochen sein.

Dauerfrost und Schneefälle hätten die Arbeiten verzögert, erklärte Bahnchefin Evelyn Palla den Regierungschefs der fünf betroffenen Bundesländer in einem Brief. Die Region erlebe die längste Frostperiode seit mehr als 15 Jahren. Es sei „technisch schlicht nicht möglich“, bei Schnee und Eis 740 Kilometer Kabel zu verlegen. Inzwischen wurden Ressourcen gebündelt,  die Firmen setzen zusätzliche Mitarbeiter ein.

Spätestens am 13. März wollte die Bahn mitteilen, wann und in welchem Umfang der Zugverkehr wieder beginne, teilte die Vorstandsvorsitzende Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und den anderen Landesregierungschefs mit. Zuletzt erwarteten Beobachter, dass die Hamburger Bahn wohl erst im Juni wieder durchgehend befahrbar sein würde. Ihre Prognose hat sich nun bewahrheitet.

Berlin–Hamburg: Wie ein ganzer Wirtschaftszweig unter der Sperrung der Bahnstrecke leidet

Brandenburger Minister: „Große Enttäuschung“

Palla deutete in ihrem Brief an, dass vor der Wiedereröffnung der gesamten Strecke mögliche Teilverkehre geprüft werden. Dazu kommt es nun tatsächlich, aber nicht in der Hauptstadtregion. Dort sind Fahrgäste weiterhin auf den Schienenersatzverkehr angewiesen, den das Konsortium EcoVista im Auftrag von DB InfraGo organisiert.

Brandenburgs Infrastrukturminister Detlef Tabbert kritisierte, dass in seinem Bundesland und Berlin erst vom 14. Juni an wieder Züge verkehren. „Die heute von der Bahn vorgestellte Perspektive ist für viele Menschen in Brandenburg eine große Enttäuschung“, teilte der parteilose Landespolitiker am Mittwoch in Potsdam mit. „Das ist den Menschen in Brandenburg nur schwer zu vermitteln.“

Besonders problematisch sei, dass der Ersatzverkehr die „reinste Zumutung“ ist, bemängelte Tabbert. „Berichte über alte, wenig komfortable Busse, Ausfälle und mangelhafte Fahrgastinformation zeigen klar: Die Qualität entspricht nicht dem, was die Menschen zu Recht erwarten dürfen. Hier stehen die Bahn und ihre Auftragnehmer in der Verantwortung, die zugesagten Standards verlässlich einzuhalten.“

„Der SEV ist gut angelaufen. Bis zum 1. März war er nahezu tadellos, mit geringeren Ausfallraten als im Zugverkehr. Doch EcoVista ist vertragsbrüchig geworden“, erklärte Wolfgang Weinhold, Programmleiter Generalsanierung der DB InfraGo, am Mittwoch. Weil es Probleme mit dem Leasinggeber Signal gebe, wurden neue, moderne Busse durch  gebrauchte Fahrzeuge ersetzt, die oft den Anforderungen nicht entsprechen. Die Bahn bemüht sich nach Weinholds Worten, das zu ändern, und ist auch mit anderen Busbetreibern im Gespräch.

Brandenburgs Verkehrsminister: „In den nächsten Jahren werden viele Fahrgäste leiden“

ICE Berlin–Hamburg sind zwei Minuten länger unterwegs

Neben 165 Kilometern Gleisen und fast 250 Weichen wurden sechs neue sogenannte Überleitstellen geschaffen sowie sechs neue Stellwerke gebaut und 19 weitere modernisiert, so die Bahn. Zudem wurden 28 Stationen entlang der Strecke – teilweise grundlegend – modernisiert. Allerdings wurden die unterschiedlichen Bahnsteighöhen nicht angepasst. „Die Verbesserungen durch die Korridorsanierung ermöglichen mehr Bahnverkehr auf der Strecke als vorher“, hieß es.

Nach der Wiederinbetriebnahme Mitte Juni wird es zusätzliche Fernzugfahrten geben. So wird Flixtrain zusätzlich zu den ICE im Zweistundentakt verkehren, teilte die Bahn am Mittwoch mit.

Erwartungen, dass sich die ICE-Fahrzeiten zwischen Berlin und Hamburg verkürzen, werden aber nicht erfüllt. „2025 waren die ICE zwischen Berlin und Hamburg mit der schnellsten Verbindung eine Stunde und 45 Minuten unterwegs, nach der Korridorsanierung voraussichtlich eine Stunde und 47 Minuten“, so die Bahn. Die meisten Fahrten dauern länger – bei mehreren Halten mehr als zwei Stunden.

SEV Berlin-Wittenberge im Test: Wie eine Region auf der Strecke bleibt

Fahrgäste im Regionalexpress RE8 sparen künftig Zeit

Als die  Trasse 2004 nach einem mehr als 500 Millionen Euro teuren Ausbau für Tempo 230 wiedereröffnet wurde, brauchten die schnellsten Züge 93 Minuten pro Weg. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte sich 90 Minuten gewünscht. Doch auf der Hamburger Bahn sind außer Fernzügen auch Regionalverkehrs- sowie Güterzüge unterwegs.

Wie berichtet ist der Regionalexpress RE8 der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), der nach dem Ende der Sperrung wieder Wismar, Schwerin und Wittenberge mit Berlin und Elsterwerda verbinden wird, dagegen laut Plan schneller als noch bis zum vergangenen August unterwegs.

Vor der Sperrung dauerte die Fahrt von Wittenberge nach Falkensee laut Plan 69 Minuten, nach dem Ende der Generalsanierung sollen es 65 Minuten sein. Die Fahrzeit von Wittenberge nach Berlin-Spandau verkürzt sich um eine Minute auf 75 Minuten. Zwischen Wittenberge und Berlin-Hauptbahnhof müssen die Fahrgäste statt 93 künftig 89 Minuten einkalkulieren, teilte Odeg-Chef Lars Gehrke mit.

Mega-SEV nach Berlin wird nachgebessert: Das soll sich ändern

Auch Strecke Hannover–Hamburg wird gesperrt

Die Probleme auf der Hamburger Bahn wirken sich wie befürchtet auf ein anderes Sanierungsprojekt aus. „Die Qualitätsoffensive zwischen Hamburg und Hannover wird wie geplant am 1. Mai starten – jedoch mit einem angepassten, stufenweisen Konzept“, teilte die Bahn mit. Diese Anpassung sei nötig, damit weiterhin Fern- und Güterverkehre zwischen Hamburg und Berlin umgeleitet werden können, hieß es.

Bis 14. Mai werden zwischen Celle und Lüneburg noch Güterzüge, im Abschnitt Uelzen – Lüneburg noch Fern- und Güterzüge verkehren. Vom 14. Juni an wird der gesamte Streckenabschnitt gesperrt. Zwischen Celle und Hannover werden schon ab 1. Mai keine Züge mehr fahren.


© Berliner Zeitung