Ohne Querfeld und Schäfer: Stellt Union-Trainer Baumgart das System um?
Ob Timo Gerach den 1. FC Union Berlin am vergangenen Wochenende beim 1:4 gegen Werder Bremen Mitte der zweiten Halbzeit schon genug gestraft sah oder ob eine Fehlwahrnehmung des Schiedsrichters vorlag, war am Ende nicht mehr wichtig. Klar war aber, dass Gerach Mitte der zweiten Halbzeit beim Zwischenstand von 1:3 Gnade vor Recht ergehen ließ und Leopold Querfeld nach dessen Foul als letzter Mann am Gegenspieler nur die Gelbe Karte zeigte. Die mit zunehmender Spieldauer immer einseitiger werdende Partie beeinflusste der Unparteiische mit der Farbenwahl seiner Karte nicht wirklich und auch die Bremer Proteste hielten sich in Grenzen.
Die Köpenicker mussten zwar in den letzten 20 Minuten nicht auf Querfeld verzichten und das Spiel nach der Roten Karte gegen András Schäfer so in doppelter Unterzahl zu Ende bringen, dafür fehlt der Österreicher am Sonntag (17.30 Uhr) beim Auswärtsspiel in Freiburg. Die Gelbe Karte war nämlich seine fünfte – Querfeld wird damit erstmals 2025/26 eine Pflichtspielminute verpassen. Trainer Steffen Baumgart ist also gleich in doppelter Hinsicht zur Umstrukturierung gezwungen. Mindestens zwei Personalwechsel muss er vornehmen und das System entweder umbauen oder einen Spieler auf Querfelds Position stellen, der dort in der laufenden Saison noch nicht aufgetaucht ist. Im Mittelfeld könnte sich die Umstellung unterdessen auf die Offensive auswirken.
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András Schäfer gehörte im Gegensatz zu Querfeld im bisherigen Saisonverlauf nicht immer zum Stammpersonal, oft besetzten Rani Khedira und Aljoscha Kemlein das Zentrum zu zweit. Sollte sich Baumgart für diese Variante entscheiden, wäre im Angriff Platz für einen der Akteure, die gegen Bremen erst einmal auf der Bank saßen. Oliver Burke, Wooyeong Jeong oder Livan Burcu hätten dann gute Karten. Will der Trainer die Stabilität im Mittelfeld nicht opfern und wie beim torlosen Remis im Hinspiel mit drei Zentrumsspielern beginnen, kämen Alex Král und Janik Haberer als Ersatz in Frage.
Letzterer spielte insgesamt sechs Jahre für den SC Freiburg, erzielte sein wohl wichtigstes Tor der Karriere aber ausgerechnet gegen die Breisgauer – und für Union. Beim emotionalen Abstiegsfinale im Mai 2024 markierte er per Elfmeter-Nachschuss den Siegtreffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Die Eisernen entgingen der Relegation, Freiburg verpasste im letzten Spiel des langjährigen Trainers Christian Streich den Sprung nach Europa. Klar, dass Haberer, der zuletzt nur noch auf der rechten Schiene eingesetzt wurde, gegen die ehemaligen Kollegen besonders motiviert wäre.
Einen Eins-zu-eins-Ersatz für Querfeld gibt es nicht
Etwas komplizierter stellt sich die Situation im Zentrum der Dreierkette dar. Einen Eins-zu-eins-Ersatz für Querfeld gibt es im Kader nicht. In der vergangenen Saison war der 22-Jährige unter Ex-Trainer Bo Svensson selbst erst noch Back-up für diese Position, auf der der erfahrene Kevin Vogt als Platzhirsch antrat. Unter Baumgart wendete sich das Blatt, Querfeld emanzipierte sich von Woche zu Woche mehr, Vogt war außen vor – aber zumindest noch als potenzieller Vertreter im Aufgebot. Nun gibt es mit Danilho Doekhi, Stanley Nsoki und Diogo Leite nur drei weitere Spieler, die in der Dreierkette verteidigen. Leite fällt seit der 1:3-Niederlge Ende Januar in Hoffenheim verletzt aus.
Baumgart wird also gezwungen sein, das System auf Viererkette umzustellen oder einen Spieler zwischen Doekhi und Nsoki zu ziehen, der sonst im Mittelfeld spielt. Khedira und Král wären Kandidaten. Der Vize-Kapitän hat auf dieser Position in der Bundesliga schon gespielt, war zuletzt aber mit seinen Tiefenläufen offensiv ziemlich wertvoll. Král stand in dieser Saison überhaupt erst einmal in der Startelf, vor über einem halben Jahr bei der 0:3-Niederlage in Dortmund.
Egal, wie Baumgart sich letztlich entscheidet: Union muss im Breisgau wieder mannschaftlich geschlossener verteidigen als bislang in diesem Kalenderjahr. Gegen Bremen kassierte man zum zweiten Mal vier Gegentore, insgesamt sind es in der Rückrunde schon 16. Nur Wolfsburg (18) und Heidenheim (19) unterbieten diesen Wert.
Während Querfeld beim drauffolgenden Spiel beim FC Bayern (21. März, 15.30 Uhr) wieder zur Verfügung stehen wird, kann Schäfer erst nach der Länderspielpause beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli (5. April, 15.30 Uhr) ins Geschehen eingreifen. Am Mittwoch gab Union bekannt, dass das DFB-Sportgericht den 26-Jährigen für zwei Meisterschaftsspiele gesperrt hat.
