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Russisches LNG boomt in Spanien: Importe steigen um 124 Prozent

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14.04.2026

Europa importiert wieder mehr russisches Flüssigerdgas – trotz geplanter Sanktionen ab 2027. Neue Daten zeigen nun, wer besonders stark zugreift: Spanien.Dort stiegen die LNG-Importe aus Russland im März um 124 Prozent gegenüber dem Vormonat – auf rund 355 Millionen Euro. Das Importterminal in Bilbao erhielt die meisten Mengen, das Sagunto-Terminal nahm erstmals seit August 2024 wieder russisches LNG an. Damit war Spanien der größte LNG-Abnehmer innerhalb der EU, wie aus einer Analyse des in Helsinki ansässigen Thinktanks Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hervorgeht.

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Die Entwicklung geht aber über Spanien hinaus. Insgesamt bleibt die Europäische Union der wichtigste Abnehmer für russisches LNG. Rund 49 Prozent der Lieferungen gingen zuletzt in die EU – etwa doppelt so viel wie nach China.

Innerhalb Europas verschieben sich die Gewichte deutlich. Frankreich, lange Zeit größter Abnehmer, liegt mit Importen im Wert von rund 287 Millionen Euro nun hinter Spanien und verzeichnete einen Rückgang von etwa elf Prozent. Auch Belgien bleibt mit rund 219 Millionen Euro ein wichtiger Umschlagplatz.

Ungarn setzt weiter auf Pipelinegas über TurkStream

Betrachtet man alle fossilen Energieimporte aus Russland, rückt Ungarn in den Fokus. Mit Importen im Wert von rund 297 Millionen Euro lag das Land zuletzt auf Platz zwei innerhalb der EU. Anders als Spanien setzt Ungarn dabei vollständig auf Pipelinegas über die Schwarzmeerroute TurkStream. Die Druschba-Pipeline, die russisches Rohöl nach Ungarn und in die Slowakei transportiert, ist seit dem 27. Januar außer Betrieb.

Parallel dazu steigen die Einnahmen Moskaus deutlich. Im März lagen die Erlöse aus fossilen Energieexporten laut CREA  um 52 Prozent über dem Vormonat. Die exportierten Mengen wuchsen hingegen nur um 16 Prozent – der Anstieg ist vor allem auf höhere Preise zurückzuführen. Die Eskalation rund um Iran hat wichtige Lieferströme beeinträchtigt und die Preise steigen lassen. In dieser Situation verschieben sich Handelsströme schnell – und verstärken bestehende Abhängigkeiten.

Spanien steht für eine breitere Entwicklung

Der starke Anstieg der Importe in Spanien ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines größeren Trends. In einem angespannten Markt wird verfügbares Gas abgenommen, und zwar unabhängig von seiner Herkunft. Damit setzt sich eine bekannte Marktlogik fort: Energie fließt dorthin, wo sie gebraucht und bezahlt wird – nicht unbedingt dorthin, wo sie politisch gewünscht ist.

Angesichts der angespannten Lage forderte der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni, Claudio Descalzi, das geplante Importverbot für russisches LNG ab 2027 zu verschieben. Europa brauche den Rohstoff, um das Ungleichgewicht am Markt zu stabilisieren, sagte er laut italienischen Medien.

Damit stellt erstmals ein führender Manager eines großen europäischen Energiekonzerns offen infrage, ob der geplante Ausstieg aus russischem Gas unter den gegenwärtigen Marktbedingungen realistisch ist.

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Deutschland importiert derzeit weder Pipelinegas noch LNG direkt aus Russland. Der staatseigene Importeur Sefe mit Sitz in Berlin, früher Gazprom Germania, verfügt jedoch weiterhin über einen gültigen Vertrag zur Abnahme von LNG aus dem Yamal-Projekt in der russischen Arktis.

Dieses Gas wird nach Angaben des Unternehmens über andere europäische Terminals in die EU eingeführt. Mit Blick auf die geplanten Sanktionen beruft sich Sefe auf Force Majeure, also höhere Gewalt. „Selbstverständlich“ werde das Unternehmen das Importverbot „vollumfänglich“ einhalten. Man stehe dazu in engem Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU), teilte Sefe im März auf Anfrage der Berliner Zeitung mit.

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