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Thomas Anders: „Die Menschen in Russland sind ja nicht stellvertretend für die Politik des Kreml“

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Die 1980er sind selbst im Jahr 2026 nicht totzukriegen. Da gibt es Horror-Serien wie „Stranger Things“, die die Atmosphäre der 80er-Jahre in die Popkultur der Gegenwart holen. Auch die ikonischen Jacken mit Schulterpolstern, die damals, in diesem scheinbar unbeschwerten Jahrzehnt, jeder junge Mensch trug, erleben vier Jahrzehnte später ihr Comeback. Da ist es nicht verwunderlich, dass Musiker Thomas Anders über 40 Jahre nach Gründung der Band Modern Talking, mit den Hits von damals wieder auf Tournee geht.

Modern Talking war die deutsche Disco-Band der 80er-Jahre. Hits wie „You’re my heart, you’re my soul“, „Brother Louie“ oder auch „Cheri, Cheri Lady“ kennt auch im Jahr 2026 jedes Kind. Das liegt nicht nur an den eingängigen Melodien, sondern auch an den beiden Gesichtern, die auch abseits von Modern Talking Karriere machten. Dieter Bohlen hat sich als Jurypräsident so mancher Castingshow zum Poptitan hochgearbeitet. Thomas Anders, eindeutig die bessere Hälfte des Duos, hat sich über Jahrzehnte auch als Solomusiker einen Namen gemacht.

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Warum sind die 80er-Jahre eigentlich nicht totzukriegen, wollten wir von Thomas Anders wissen. Gegenüber der Berliner Zeitung sagt der heute 63-Jährige: „Ich glaube, die 80er sind in unserer Erinnerung das ‚sorglose Jahrzehnt‘. Was nicht ganz stimmt. Wir hatten Tschernobyl, auch kriegerische Konflikte, Aids war ein furchterregendes Thema, aber wir waren viel ‚entschleunigter‘ als heute. Heute kriegen wir quasi zeitgleich alle Probleme der Welt auf Social Media. Das war damals nicht so.“

Dennoch soll die Sorglosigkeit, die viele mit dieser Zeit verbinden, noch mal aufleben. Zumindest auf Anders’ neuer Tournee. Dafür steht er nicht mehr mit Dieter Bohlen auf der Bühne, sondern mit sich selbst. Für die Tournee wurde mithilfe von KI eine digitale, jüngere Version von Anders entworfen, die neben dem echten Thomas Anders auf der Bühne steht.

„Die KI gibt fantastische Möglichkeiten, Menschen zu unterhalten“, so Anders über das Konzept seiner Bühnenshow. Auf die Frage, ob er auch für das Komponieren und Produzieren von Musik Künstliche Intelligenz verwendet, hat er eine klare Antwort: „Definitiv nein!“ Grundsätzlich jedoch ist Anders der Künstlichen Intelligenz positiv eingestellt: „KI ist nicht mehr aufzuhalten, und ich habe die Einstellung, Dinge, die man nicht verhindern kann, sollte man annehmen und sich seinen Vorteil daraus ziehen.“

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Seit über vier Jahrzehnten begeistert die Musik von Modern Talking die Menschen, nicht nur hierzulande. Gerade in Russland war und ist Modern Talking sehr beliebt. Thomas Anders verrät uns, wieso: „Die Menschen in Russland sind ja nicht stellvertretend für die Politik des Kreml, falls Sie das meinen. Modern Talking war die erste westliche Musik, die in der damaligen UdSSR offiziell gekauft werden durfte. Das brachte uns eine unglaubliche Popularität. Abgesehen davon glaube ich auch, dass die Musik den Menschen gefallen hat.“

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Zum jetzigen Zeitpunkt würde Anders aber nicht in Russland auftreten. „Solange die Regierung in Russland nicht meinem moralischen Kompass entspricht, trete ich dort nicht auf“, sagt er. Bei seinem Publikum achtet Thomas Anders ohnehin nicht auf seine Herkunft. „Mein Publikum ist in Ostdeutschland, wie in Westdeutschland sowie überall auf der Welt gleich. Sie lieben meine Musik“, so Anders.

Für den runden Geburtstag, der bereits im letzten Jahr stattfand, nahm Thomas Anders die ersten sechs Studioalben neu auf. Der Sound der Modern-Talking-Hits ist dafür geupdatet worden. Frischerer Klang, ein wenig Nostalgie. Einen Einblick in diese Welt gibt das Musikvideo seiner Single „Cherokee Highway“, die bereits im August erschienen ist. Dort sitzt Thomas Anders zusammen mit seiner verjüngten KI-Version im Auto und fährt einen amerikanischen Highway entlang. Und ein bisschen bekommt man dabei das Gefühl, dass selbst die Zukunft inzwischen nach den 80ern klingt.Thomas Anders sings Modern Talking. Berlin: 19. März, 20 Uhr, Uber Eats Music Hall; Leipzig: 25. März, 20 Uhr, Qarterback Immobilien Arena, Karten erhältlich im Ticketshop der Berliner Zeitung.


© Berliner Zeitung