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Kein Heimsieg seit Oktober: „Festung Alte Försterei aktuell kein Thema“

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13.02.2026

Es steht 1:1 im Stadion An der Alten Försterei, lange zu spielen ist nicht mehr. Der 1. FC Union Berlin ist am Drücker und will das 2:1 gegen den FC Carl Zeiss Jena, das Schlusslicht der Bundesliga, erzwingen. Hannah Eurlings versucht, den Ball an der Mittellinie quer über das halbe Feld zu spielen. Aber der Ball kommt nicht an. Jena stürmt nun auf das Tor der Eisernen zu, doch Amber Tysiak kann sich zwischen die Stürmerin und den Ball drängen, wartet darauf, dass Cara Bösl aus dem Tor läuft und den Ball in Empfang nimmt. Vergeblich. Olivia Alcaide schaltet schneller und bringt ihr Team in der vierten Minute der Nachspielzeit in Führung. Union verliert 1:2, verliert zu Hause. So wie es schon zu oft in dieser Saison geschah.

Seit dem 19. Oktober hat Union zu Hause kein Spiel mehr gewonnen. „Die Festung Alte Försterei ist jetzt gerade überhaupt gar kein Thema“, sagte Jennifer Zietz bei einer Gesprächsrunde zwischen dem Spiel gegen Jena und dem nächsten Duell beim SC Freiburg am Sonnabend (12 Uhr). „Ich glaube, dass viele Mannschaften leider gerne hierherkommen. Und das nicht nur wegen der massenhaften Zuschauer und unserer Gastfreundlichkeit“, bemängelte sie. Die Geschäftsführerin von Unions Frauenabteilung verbarg nicht, wie unzufrieden sie mit der sportlichen Situation ist – und sah besonders die Spielerinnen in der Verantwortung, für bessere Ergebnisse zu sorgen.

Union Berlin läuft den eigenen Ambitionen hinterher

In den bisher 17 Bundesligaspielen konnte Union 18 Punkte sammeln, in der Tabelle stehen die Eisernen auf Platz 9. Den eigenen Ansprüchen nach ist das zu wenig. „Es kann nichts anderes geben als das Ziel, irgendwann auch an der Spitze der Liga anzukommen und bestmöglich international zu spielen, mit solchen Rahmenbedingungen“, sagte Zietz. Was die Strukturen angeht, sieht sie Union bereits ganz oben in der Liga angekommen. Die Managerin verneinte die Frage, ob es denn Vereine gebe, die besser aufgestellt seien als der 1. FCU. „Selbst Spielerinnen aus Wolfsburg waren hier und haben gesagt, dass sie diese Bedingungen, in dieser Kombination, so nicht hätten.“ Dazu gehörten das Stadion, aber auch die Anerkennung innerhalb des Klubs: „Ich glaube, es gibt nicht viele Spielerinnen, die den Präsidenten ihres Vereins kennen“, so Zietz.

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Umso mehr gilt es also aus diesen Bedingungen herauszuholen. Zietz hat für Missgeschicke durchaus Verständnis: „Die Fehlerquote ist bei Frauen einfach viel höher als bei den Männern, die in den Nachwuchszentren damit aufwachsen, unter Druck zu funktionieren.“ Der Anspruch, den auch die Spielerinnen an sich selbst hätten, sei trotzdem größer als die jüngsten Leistungen. „Als Spielerin von Union gilt es, zu zeigen, dass das eigentlich so ein guter Weg ist, was wir hier machen“, forderte die ehemalige Nationalspielerin. „Wir fahren ins Trainingslager, geben ihnen alle Möglichkeiten, nutzen den Trainingsplatz der Männer in der Winterzeit mit – das ist nicht normal.“ Entsprechend wünscht sich die Geschäftsführerin, ihre Spielerinnen würden mehr Verantwortung übernehmen. Der Druck sei enorm groß, das wisse sie als ehemalige Spielerin. Als solche ist sie aber auch der Meinung: „Man muss auch mal die Arschbacken zusammenkneifen und das ausblenden. Man muss sich dessen bewusst sein, was für eine geile Zeit man eigentlich gerade hat.“

Einer der Gründe für die Ergebnisse sind die Probleme in der Abstimmung. Beim Siegtreffer von Jena ging Winter-Neuzugang Tysiak davon aus, dass Bösl aus dem Kasten kommen würde, was sie nicht tat. Es ist ein Symptom der vielen Umstellungen im Kader, die Trainerin Ailien Poese moderieren muss. Neben jenen Spielerinnen, die von Verletzungen zurückgekommen sind, spielen vier neue Profis für Union. Die erste Elf gegen Jena unterschied sich auf fünf Positionen im Vergleich zur letzten Partie vor der Winterpause gegen Nürnberg. „Das wirkt sich immer etwas auf die Teamdynamik aus. Aber am Ende wollten wir das so“, sagte Zietz auch mit Blick auf den ereignisreichen Transfersommer. „Wir kommen aus der Regionalliga, und es ist einfach wichtig, dass wir diese Schritte gehen. Wir werden den Möglichkeiten, die wir dem Frauenfußball hier gegeben haben, nur so gerecht.“

Union braucht mehr Tore – wenigstens funktionieren die Standards

Auch taktisch hat sich das Team im Winter verändert. Vor der Pause ließ Trainerin Ailien Poese vermehrt in einer 4-4-2-Formation auflaufen, zuletzt war es eher ein 4-3-3-System, mit dem Union in die Spiele ging. Die etwas offensivere Ausrichtung soll dabei helfen, mehr Tore zu schießen – bisher eines der Hauptprobleme der Unionerinnen. „Wir haben am Anfang der Saison schon gedacht, dass wir als Aufsteiger erst mal eine solide Defensive haben müssen“, erklärte Zietz. Entsprechend habe das Team „bis zur Mittellinie einen Plan“, weiter vorne scheint er jedoch noch nicht ganz ausgefeilt zu sein. In der Hinrunde hinderten Poese auch viele Verletzungen daran, die Offensividee weiterzuentwickeln. „Jetzt waren wir im Trainingslager und haben eigentlich daran gearbeitet“, sagte Zietz. Gegen Jena offenbarten sich jedoch die gleichen Probleme. „Klar ist das, was du im Training einstudierst und übst, eine andere Situation als im Spiel“, räumte sie ein, machte aber auch klar: „Am Ende ist es trotzdem notwendig, dass du Spiele gewinnst.“

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Der nächste Sieg soll in Freiburg her. Gleich vier Unionerinnen, darunter Judith Steinert, Eileen Campbell und Samantha Steuerwald, treffen dabei auf ihren Ex-Verein. „Die werden supermotiviert sein“, sagte Zietz und glaubt an einen Erfolg: „Wenn wir uns auf die Grundtugenden besinnen, gehe ich davon aus, dass wir das Spiel gewinnen.“ Helfen könnte auch die neue Stärke nach Standards: In jedem Pflichtspiel nach der Winterpause traf Union entweder nach einer Ecke oder einem Freistoß. „Da haben wir uns entwickelt. Da sind wir gefährlich“, sagte Trainerin Poese nach dem Jena-Spiel und lobte explizit ihre Co-Trainerin Sabrina Eckhoff und die Torwart-Trainerin Alisa Vetterlein, die dafür gesorgt hätten. „Trotzdem müssen wir auch über andere Dinge sprechen“, weiß Poese. „Wie vermeiden wir diese Kontermöglichkeiten? Wie schaffen wir es, gegen Gegner, die tiefer stehen, sie noch besser in Bewegung zu bringen? Wie schaffen wir es, kaltschnäuziger im Strafraum zu sein?“, fragte sie rhetorisch.

Die Antworten wird die Mannschaft im Breisgau liefern müssen. Immerhin ist es ein Auswärtsspiel: Auf Reisen gewannen die Eisernen zuletzt sogar zweimal nacheinander.


© Berliner Zeitung