Ilic trifft leeres Tor nicht: 1. FC Union Berlin rutscht in Hamburg in die Krise
Die Fans des 1. FC Union Berlin dürften sich am Sonnabend kollektiv die Hände an die Stirn gehalten haben. Kurz vor der Halbzeit war Andrej Ilic auf dem Weg zum Tor, auf dem Weg zu seinem ersten Treffer in dieser Bundesliga-Saison. Nach einem Bock des HSV-Keepers Daniel Heuer-Fernandes hätte der Serbe nur noch auf den leeren Kasten schießen müssen, um seine Mannschaft in Führung zu bringen. Er schoss daneben. Der Hamburger SV traf im Gegenzug zum 2:1 und gewann die Nachmittagspartie im ausverkauften Volksparkstadion vor 57.000 Fans am Ende sogar mit 3:2 (2:1).
Union auf der Suche nach dem ersten Sieg des Jahres
Dass Ilic zum Protagonisten des Nachmittags wurde, war so nicht vorgesehen. Für den besonderen Rahmen hatten vor der Partie eigentlich andere gesorgt: Auf Union-Seite betraf er Steffen Baumgart, der erstmals zu seinem Traum-Verein als Trainer reiste, seit der ihn im November 2024 entlassen hatte. Überhaupt war es der erste Auftritt der Eisernen als Bundesligist im Volksparkstadion. Die Hamburger wiederum, 1887 gegründet, gingen in das 1887. Bundesligaspiel ihrer Vereinsgeschichte. An Motivation würde es also keinem der beiden Teams mangeln, das stand gänzlich außer Frage. Zumal beide Mannschaften vor der Partie nur drei Punkte trennten. Der HSV wollte mit einem Sieg also an den Berlinern vorbeiziehen, die ihrerseits planten, den Abstand auf die Abstiegsplätze zu vergrößern und vielleicht sogar noch mit einem Auge auf die Europokalplätze zu schielen. Dafür musste aber endlich der erste Sieg des Jahres her.
Knackpunkt HSV: Wann endlich platzt der Knoten bei Union-Stürmer Ilić?
1. FC Union Berlin: Platzt ausgerechnet bei Baumgarts Ex-Klub der Knoten?
Die Hamburger schienen sie bei diesem Vorhaben anfangs gerne unterstützen zu wollen. Schon für Jordan Torunarighas Kopfstoß gegen Ilic hätte es Elfmeter für die Eisernen geben können. Im Luftduell spielte er den Ball und der Ex-Herthaner Torunarigha erwischte den Kopf des Serben. Schiedsrichter Florian Bastübner schien die Aktion jedoch als normalen, nicht strafbaren Zusammenstoß zu werten. Baumgart protestierte an der Seitenlinie, dürfte sich fünf Minuten später aber gedacht haben: „Sei's drum!“ Dieses Mal war es Nicolas Capaldo, der Ilic am Kopf traf, er nun aber mit dem Fuß, sodass Badstübner sogleich auf den Punkt deutete. Leopold Querfeld durfte ran, genau wie in der Vorwoche, als er gegen Frankfurt nur mit Glück Kaua Santos überwand. Er dankte dem Trainer für sein Vertrauen, indem er den Strafstoß diesmal souverän zum 1:0 aus Unioner Sicht verwandelte.
Erstmals im siebten Spiel des Kalenderjahres ging der 1. FC Union somit in Führung. Sie bestand für sieben Minuten.
Der HSV dreht das Spiel
Der Ausgangspunkt war natürlich wieder Andrej Ilic, der in der ersten Halbzeit an jeder entscheidenden Situation beteiligt war. Sein Kopfball zum Gegenspieler leitete den Konter ein, an dessen Ende Ransford Königsdörffer den Ausgleich erzielte. Doch für Ilic wurde der Nachmittag im Anschluss nicht erträglicher. Nach seinem eingangs beschriebenen Fehlschuss erzielte Nicolas Capaldo das 2:1 für die Gastgeber.
Man hätte es verstanden, wenn Baumgart seinen Stürmer zur Halbzeit in der Kabine gelassen hätte. Doch er ließ ihn weiterspielen, nahm stattdessen nach einer Stunde Ilyas Ansah und Woo-yeong vom Feld. Für sie kamen Livan Burcu und Tim Skarke ins Spiel und die beiden Joker sorgten fast für den Ausgleich: Burcu bediente Skarke, der rechts im Strafraum freistand, mit einer feinen Flanke. Skarkes Abschluss fand jedoch nicht einmal den Weg auf das Tor, geschweige denn in das Tor.
Union war nun aber die bessere Mannschaft. Derrick Köhn belohnte seine Mannschaft beinahe, doch traf an alter Wirkungsstätte per Freistoß nur die Latte. Und Ilic? Der konnte mit zwei Kopfbällen aufs Hamburger Tor in der zweiten Hälfte nicht mehr für die erhoffte Gefahr sorgen.
Ilic macht die Geschichte rund
Stattdessen durften die Gastgeber noch einmal: Königsdörffer sorgte mit seinem zweiten Treffer für den 3:1-Endstand. Vorrausgegangen war ein Konter, nachdem Tim Skarke versuchte per Steilpass (na wen wohl?) Andrej Ilic zu bedienen. Capaldo war schneller am Ball und leitete so den entscheidenden Konter ein.
Aber vorbei war es doch noch nicht ganz. Die Geschichte war noch nicht rund. Der 1. FC Union kam doch noch einmal heran, verkürzte auf 2:3. Der Torschütze? Andrej Ilic.
