Iran-Krise gefährdet Öl und Gas: China rückt wieder näher an Russland
Die Krise im Nahen Osten führt offenbar dazu, dass China wieder näher an Russland heranrückt. Das berichtet die britische Financial Times (FT). Experten warnten demnach, dass mögliche Ausfälle iranischer Öllieferungen durch die Sperrung der Straße von Hormus Peking dazu zwingen könnten, seine Energiepartnerschaft mit Moskau auszubauen.
China ist der weltweit größte Importeur von Öl und Gas und stark von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängig. Rund 13 Prozent von Chinas Rohölimporten stammen aus dem Iran. Zudem passieren etwa ein Drittel der chinesischen Ölimporte und rund ein Viertel der Gaslieferungen die strategisch wichtige Straße von Hormus. Der Iran hat die Handelsroute jedoch als Reaktion auf die Militärschläge der USA und Israels gesperrt – die Energiepreise sind seitdem explodiert. Vor diesem Hintergrund könnte Russland für China noch wichtiger werden.
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Experte: „Chinas und Russlands Allianz wird noch enger“
Bereits jetzt ist Russland der größte Rohöllieferant der Volksrepublik und deckt etwa 20 Prozent der chinesischen Ölimporte. Experten gehen laut FT davon aus, dass die Regierung des chinesischen Staatschefs Xi Jinping angesichts der Iran-Krise engere Beziehungen zu Russland und Präsident Wladimir Putin anstreben wird – trotz Pekings Bedenken hinsichtlich einer zu starken Abhängigkeit vom nördlichen Nachbarn.
Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus der Krise im Nahen Osten werde „die Vertiefung der chinesischen Energiebeziehungen mit Russland sein – sowohl im Bereich Rohöl als auch Gas“, sagte Neil Beveridge, Leiter der China-Energieforschung beim Analysehaus Bernstein in Hongkong. „Wenn sich der Iran zu einem prowestlicheren Staat entwickelt oder wenn man davon ausgeht, dass er lange Zeit instabil bleiben wird, wird das die Allianz zwischen Russland und China noch enger treiben.“
Das chinesische Außenministerium erklärte im Anschluss an die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran am Dienstag, China werde „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine eigene Energiesicherheit zu gewährleisten“. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat die chinesische Regierung die größten Ölraffinerien des Landes angewiesen, die Exporte von Diesel und Benzin auszusetzen, um die Inlandsversorgung zu priorisieren.
Händler bestätigt: China erhöht Ölimporte aus Russland
Laut FT hat China bereits erste Anstrengungen unternommen, bei der Energieversorgung wieder mehr auf Russland zu setzen. Ein Ölhändler eines staatlichen Konzerns, der anonym bleiben wollte, erklärte der FT, Chinas große Ölkonzerne hätten die Lieferungen aus Russland in den letzten Wochen erhöht.
Analysten zufolge erwägt Peking zudem eine Beschleunigung der Pläne zum Bau der Pipeline Kraft Sibiriens 2, die Erdgas aus Nordwestrussland durch die Mongolei nach China transportieren soll. Ursprünglich sollte die Pipeline Anfang der 2030er-Jahre fertig sein.
Allerdings könnte eine stärkere Abhängigkeit von Moskau auch Nachteile für China mit sich bringen. Die Experten weisen darauf hin, dass Russland die Situation nutzen könnte, um höhere Preise für Öl und Gas durchzusetzen. Damit würde sich Chinas Verhandlungsposition gegenüber seinem nördlichen Nachbarn verschlechtern.
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Chinas Ölreserven reichen für einige Monate
Kurzfristig verfügt China über umfangreiche strategische Ölreserven, um mögliche Versorgungslücken abzufedern. Schätzungen zufolge umfassen die Reserven zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Barrel Öl und könnten den Importbedarf Chinas demnach für einige Monate teilweise decken.
Darüber hinaus arbeitet die chinesische Regierung unter Xi Jinping seit Jahren daran, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren. Peking hat in der jüngeren Vergangenheit massiv in erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Elektromobilität investiert. Die gegenwärtige Krise im Iran könnte diesen Prozess weiter beschleunigen.Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns gern! briefe@berliner-zeitung.de
