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„Becoming Chinese“: Wie Alltagsroutinen aus China zum neuen Lifestyle werden

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06.03.2026

Unter dem Titel „Becoming Chinese“ verbreiten sich in den sozialen Medien zurzeit zahlreiche Videos und Reels. Der Trend ist auch hierzulande populär und zeigt Menschen ohne direkten kulturellen Bezug zu China, die Normen, Traditionen und Alltagsroutinen der chinesischen Kultur in ihren eigenen Lebensstil übernehmen. Dabei geht es vor allem darum, traditionelle chinesische Gewohnheiten in den eigenen Alltag zu integrieren.

Der Hintergrund: Die Menschen versuchen, einen bewussteren Lebensstil zu führen, und vermuten diesen in den alltäglichen Gewohnheiten des riesigen ostasiatischen Landes, dessen Image sich zuletzt stark gewandelt hat.

Besonders die Generation Z verspricht sich vom „Becoming Chinese“-Trend mehr Ausgeglichenheit. Dabei geht es weniger um den Alltag als um das eigene Erscheinungsbild.

„Becoming Chinese“: Alte Tradition als neue Inspiration

So wird beispielsweise morgens auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser mit Zitrone getrunken. Beim Frühstück wird Warmes serviert, wie man es auch in China macht. Das soll den Magen entlasten und ihn bereits zu Beginn des Tages schonen. Kein Wunder also, dass morgens häufig nun Congee auf dem Teller landet, ein weich gekochter Reisbrei, der in vielen Teilen Asiens und besonders in China verbreitet ist.

@jasmineflowerable Viral Chinese apple beauty tea 🍎🍵 Popularized by Chinese actress Zhao Lusi, this Traditional Chinese Medicine blend focuses on replenishing fluids, nourishing the blood, and supporting dull, dry, or sallow-looking skin over time ✨ Ingredients: - 1 medium apple (sliced) - 4 large red dates (pitted) - 10 dried longan - 5g goji berries - 5g dwarf lilyturf - 5 slices astragalus root Would you add this to your daily routine? 🍎 . . . #tcm #traditionalchinesemedicine #beautytea #chinesetea #clearskin ♬ 오리지널 사운드 민스 - Min's

Auch die inzwischen im Westen bekannte Gojibeere wird mit heißem Wasser aufgegossen und als Tee getrunken. In China gilt sie als „Beere des Glücks“, deren regelmäßiger Verzehr Wohlbefinden fördern und zu einem langen Leben beitragen soll.

Und mal wieder feiert in diesem Zusammenhang auch die Traditionelle Chinesische Medizin ein fröhliches Comeback. So wird etwa empfohlen, die Füße auch zu Hause warm zu halten, da dies nach traditioneller Auffassung zur Gesundheit beitragen soll.

Das Bedürfnis nach mehr Balance und Wohlbefinden scheint in der jungen Generation zu wachsen. Doch fördert der Trend tatsächlich mehr Ausgeglichenheit oder lediglich einen neuen Drang zur Selbstoptimierung?

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Wenn Ernährung zur Medizin wird

Einen Lebensstil zu verfolgen, der Körper und Seele guttut, ist ja grundsätzlich eine gute Idee. Viele junge Menschen nehmen ihren Tagesablauf jedoch als schnelllebig und wenig ausgeglichen wahr. Hieraus entsteht möglicherweise eine Sehnsucht nach alternativen Lebensweisen, mehr Achtsamkeit und bewussteren Gewohnheiten.

Der Bezug zur Traditionellen Chinesischen Medizin kommt dabei nicht von ungefähr und ist sicherlich auch nicht neu. Die chinesische Ernährung gilt häufig als gesünder als die deutsche, da sie in der Regel fettärmer ist und auf viel Gemüse, Reis sowie schonende Zubereitungsarten setzt. Nahrung wird nicht nur zum reinen Genuss verzehrt, sondern auch als Medizin betrachtet. Im Gegensatz zur oft symptomorientierten westlichen Schulmedizin betrachtet die Traditionelle Chinesische Medizin den Menschen ganzheitlich – als Einheit von Körper, Geist und Seele.

@angelinanicollle how have I never had this before 😩 #congee #becomingchinese #chinesebreakfast ♬ original sound - Angelina 𖦹

Neben all den vermeintlichen Vorteilen gibt es jedoch auch Kritik. So wird etwa angemerkt, dass mit dem Trend „Becoming Chinese“ eine Kultur, die zuvor nicht als besonders angesagt galt, nun romantisiert und zugleich für das eigene „Personal Branding“ in den sozialen Medien genutzt wird. Darunter versteht man den bewussten Aufbau der eigenen Person als Marke, um Expertise, Werte und Persönlichkeit sichtbar zu machen.

Während viele Deutsche ihren Tag noch immer mit Käsetoast oder kaltem Joghurt beginnen, begrüßen andere den Trend als neue Alternative für ein bewussteres und gesünderes Leben.

Ob kurzlebiger Trend oder langfristige Inspiration, deutlich wird jedoch, dass viele junge Menschen nach neuen Wegen zu mehr Ausgeglichenheit suchen.


© Berliner Zeitung