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Der Papst ist wichtig als „Anti-Trump“

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Welch Glück, dass die Welt in diesen geschichtsträchtigen Momenten diesen Papst hat! Wer sonst als der US-Amerikaner Leo XIV. könnte derart machtvoll die Stimme gegen Donald Trump erheben und zu ihm durchdringen? Gegen jenen US-Präsidenten also, dem zunehmend nicht nur die Sprache entgleist und der nicht nur die USA an Abgründe führt.

Man mag sich an Trump, den „Dealmaker“, gewöhnt haben. Man mag ihm einzelne Erfolge anrechnen und ihm seine fortwährenden Unanständigkeiten nachsehen. Heiligt der Zweck nicht die Mittel? Doch um Stilfragen geht es schon lange nicht mehr – und darf es nicht gehen. Denn im Inneren höhlt dieser Präsident immer unverhohlener die Demokratie aus. Während er nach außen hin zum Beispiel kürzlich dem Iran mit Auslöschung drohte: „Eine ganze Zivilisation wird heute sterben und nie mehr zurückkehren.“ Er verband es mit dem zynischen Wunsch, Gott möge das wundervolle iranische Volk segnen. Bittere Ironie der Geschichte: Er tat dies ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Vereinigten Staaten am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung feiern – und damit die Errungenschaften und „die Schönheit des Landes“.

Mit der Frohen Botschaft des Christentums hat Trumps Verhalten rein gar nichts zu tun

Der Glaube daran, dass sich auch die „älteste Demokratie der Welt“ selbst heilen kann – wie dies jetzt Ungarn nach 16 Jahren unter dem autoritären Rechtspopulisten Viktor Orbán vorgemacht hat – war zwar stets da. Die Hoffnung schien aber in dem Maße zu zerbröckeln, in dem Trump mit seinen Tabubrüchen durchkam – und er schien mit einfach allem durchzukommen. Es schien, als gälten keine Regeln für ihn. Allen voran Trump ist davon überzeugt und handelt danach. Wie ein Messias. Spätestens nach dem gescheiterten Attentat auf ihn halten ihn seine Fans, besonders die aus der sektenartigen MAGA-Bewegung (Make America Great Again), ebenfalls für gottgesandt und unverwundbar. Mit der Frohen Botschaft des Christentums, die sie und Trump aufs Perfideste instrumentalisieren, hat das rein gar nichts zu tun.

Am Samstag formulierte Leo XIV. bei einer Gebetsvigil für den Frieden brillant und eindrücklich einen Appell: „Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg! Wahre Stärke zeigt sich im Dienst am Leben.“ Die Wörter „Iran“ oder „Trump“ nannte er nicht, die Botschaft traf dennoch: Trump. Der wütete in seinem sozialen Netzwerk Truth Social auf unflätigste Weise gegen den Papst. Ein KI-generiertes Bild, das ihn als wundertätigen Heiland zeigt, schickte er hinterher. Wenn Hochmut vor dem Fall kommt, müsste Trumps Fall tief sein – überfällig ist er längst.

Der Papst lässt sich von Trump nicht beirren und tritt für Menschlichkeit ein: Gott sei Dank!

Und der Papst, den Trump als „politisch sehr links“ diskreditierte? Er tritt unbeirrt für Menschlichkeit und Versöhnung ein sowie gegen „jene Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden“. Gott sei Dank! Bereits als Robert Prevost vor nun bald einem Jahr zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden war, hatte er sich entschieden gegen die Entgleisungen Trumps oder dessen Vize Vance gewandt. Als „Anti-Trump“ – jedoch nicht in dem Sinne, dass er gegen den Menschen Trump zu Felde ziehen wollte. Sondern als kräftige Stimme, die christliche Werte in schwierigen Zeiten anmahnt. Seitdem er Papst ist, wird seine Stimme weltweit gehört. Sie wird ihre Wirkung entfalten, ganz sicher. Zumal, weil die Zweifel christlicher Trump-Wähler an diesem vermeintlich gläubigen Präsidenten wachsen. Endlich.

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