3400 statt 6000 Franken? Ein Lohnabzug für Lehrpersonen ohne Diplom hilft niemandem
3400 statt 6000 Franken? Ein Lohnabzug für Lehrpersonen ohne Diplom hilft niemandem
Der Regierungsrat will undiplomierten Lehrkräften noch mehr Lohn abziehen. Der Schriftsteller Thomas Meyer arbeitet als Lehrer im Aargau und hat einen besseren Vorschlag. Ein Gastkommentar.
Erinnern Sie sich an mich?
Ich habe den Roman «Wolkenbruch» geschrieben. Davon und von den nachfolgenden Werken konnte ich eine Weile lang sehr gut leben, dann ordentlich und irgendwann nicht mehr (daher meine Frage). Auf dem Weg dahin hatte ich versucht, als Lehrer Arbeit zu finden. Doch ohne Diplom konnte man damals im Kanton Zürich höchstens für ein Jahr angestellt werden, und das wollte keine Schule. Fündig wurde ich schliesslich im Aargau als Klassenlehrer.
Die Arbeit erfüllt mich sehr, noch mehr als das Schreiben. Jeden Tag darf ich neugierige junge Menschen fördern, bestärken, anleiten und ihnen eine Bezugsperson sein. Im Klassenzimmer ist es laut und wild, aber darum auch lustig und spannend. Ich habe selber noch nie so viel gelernt und freue mich jeden Morgen auf die Kinder.
Mehr als ein Viertel der Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Aargau haben kein Diplom. Hier lässt man uns länger gewähren als in meiner zürcherischen Heimat, aber 2027 muss auch ich die Ausbildung beginnen. Ich finde das richtig, denn obwohl ich zwar schon vieles richtig mache, wie mir Schulleitung und Kolleginnen attestieren, fehlen mir didaktische Grundlagen. Aber die Bedingungen, um als Lehrer zu lernen, sind unrealistisch.
Niemand muss mich zum Studium motivieren
Ich bin 52 Jahre alt, habe ein Kind und muss eine Zürcher Miete, Krankenkasse, GA,........
