menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Melania Trump vs. Bad Bunny

28 0
15.02.2026

Donald Trump beeinflusste US-Kulturinstitutionen durch Umbenennungen, Zensur von Wandtexten und Kürzungen bei Fördergeldern.

Popkultur wie Bad Bunny widersetzt sich politischer Kontrolle, während Hochglanzformate wie die Melania-Doku Konflikte vermeiden.

Auch in Österreich gibt es subtile Forderungen nach Publikumsverträglichkeit statt offener, kontroverser Kulturdebatten.

2025 wurden beim NEH über 1.200 Förderzuschüsse gestrichen.

Die Washington National Opera verließ nach Jahrzehnten das Kennedy Center.

Trumps Name wurde am Kennedy Center in Washington angebracht.

Ein US-Bundesrichter untersagte der NEA, Projekte wegen Gender-Themen auszuschließen.

Donald Trump beeinflusste US-Kulturinstitutionen durch Umbenennungen, Zensur von Wandtexten und Kürzungen bei Fördergeldern.

Popkultur wie Bad Bunny widersetzt sich politischer Kontrolle, während Hochglanzformate wie die Melania-Doku Konflikte vermeiden.

Auch in Österreich gibt es subtile Forderungen nach Publikumsverträglichkeit statt offener, kontroverser Kulturdebatten.

2025 wurden beim NEH über 1.200 Förderzuschüsse gestrichen.

Die Washington National Opera verließ nach Jahrzehnten das Kennedy Center.

Trumps Name wurde am Kennedy Center in Washington angebracht.

Ein US-Bundesrichter untersagte der NEA, Projekte wegen Gender-Themen auszuschließen.

Neulich vor dem Fernseher, YouTube-App offen, Fernbedienung in der Hand: Es war dieses typische „nur kurz reinschauen“. Ich klicke mich durch die Vorschläge, ein Thumbnail nach dem anderen, bis plötzlich zwei Welten nebeneinander liegen: Melania-Pseudo-Doku im Hochglanz und Bad Bunny in der Halftime-Show.

Mehr für dich: Warum schwärmen bloß alle von 2016?

Auf einmal wirkt es weniger wie ein Zufall als wie eine kleine Kultur-Soziologie in 4K. Da die makellose Oberfläche, „First Lady“-Ästhetik, die schon im Trailer mehr nach Imagepflege als nach Dokumentarfilm aussieht. Und dort ein Popstar, der die größte Bühne des Jahres besetzt, Spanisch in die amerikanische Mitte stellt und damit genau das Amerika zeigt, das nicht geschniegelt ist, sondern gemischt, laut, widersprüchlich. Trump reagierte darauf öffentlich mit Wut und Abwertung („absolutely terrible“, „slap in the face“): Was ihm nicht gefällt wird runtergemacht.

Verhindern konnte Trump die Halftime-Show nicht, denn Popkultur passiert. Institutionen dagegen kann man umbauen.

Das Kennedy Center in Washington ist das markanteste Beispiel dafür, weil man es von außen lesen kann. Wortwörtlich. Trumps Name wurde am Gebäude angebracht, der Verwaltungsrat stimmte für die Umbenennung und dann kam wenig später die nächste Ansage: Das Haus soll für rund zwei Jahre schließen, offiziell wegen Renovierung.

Du hast schlechte Nachrichten satt? Dann ist unser Newsletter mit seinen Good News etwas für dich.

Der Newsletter mit den guten Nachrichten: Kleine Geschichten über Fortschritte und Erfolg.

Natürlich kann ein Umbau einfach nur ein Umbau sein. Nur fällt diese „Renovierung“ in eine Phase, in der sich die Institution ohnehin in ein politisches Experiment verwandelt hat: Künstler:innen sagen ab, Ensembles ziehen weiter, die Washington National Opera verließ nach Jahrzehnten das Haus. Und während man in PR-Statements gern so tut, als wäre „keine Politik in der Kunst“ ein edler Satz, klingt er in der Praxis oft wie: Bitte keine Politik, die uns unbequem wird.

Das Muster wiederholt sich dort, wo Amerika sich selbst erklärt, nämlich in Museen, in Begleittexten, in den scheinbar harmlosen Sätzen neben Bildern, die Schulklassen und Tourist:innen als „offiziell“ mitnehmen. Die Trump-Regierung verlangte von der Smithsonian Institution ausdrücklich interne Materialien wie Wandtexte und didaktische Texte, dazu Budgets, Objektlisten und sogar Unterlagen, wer Inhalte absegnet. Und es stand eine Drohung mit Fördergeldentzug im Raum.

Zensurierte Wandtexte

Das ist zwar keine Bücherverbrennung, aber Beeinflussung der Erzählung. Wenn in der National Portrait Gallery Textpassagen verschwinden, die Trumps Impeachments erwähnen, ist das keine Kleinigkeit, sondern ein Prinzip: nicht die Kunst wegnehmen, sondern die Beschriftung so drehen, dass sie weniger Reibung erzeugt, dass alles glänzt.

Und weil Kultur in der Realität nicht nur aus Gebäuden, sondern auch aus Geld besteht, funktioniert Beeinflussung dort besonders effizient. Beim National Endowment for the Humanities (NEH) wurden 2025 Förderungen in großem Stil gestrichen und die unabhängige Behörde, die mit Steuergeldern die Geisteswissenschaft fördert, massiv verkleinert; berichtet wurde von mehr als 1.200 beendeten Förderzuschüssen und drastischen Personalkürzungen. Beim National Endowment for the Arts (NEA) das Zuschüsse für Kunst und kulturelle Projekte vergibt, ging es zusätzlich um politische Kriterien: Ein US-Bundesrichter hat 2025 der Kunstförderbehörde NEA untersagt, Projekte wegen ihrer Haltung zu Gender-/Trans-Themen von Fördergeld auszuschließen, denn der Staat darf Kunstförderung nicht danach vergeben, ob ihm die Meinung im Projekt gefällt.

So entsteht ein Klima, in dem man nicht offiziell „verboten“ wird, aber in dem es notwendig sein kann, das heikle Projekt lieber gar nicht erst einzureichen. Auch eine Form von Zensur.

Österreich ist näher als man glaubt

Vielleicht denkst du jetzt: Das sind die USA, wir sitzen in Österreich, wir schauen höchstens zu. Das stimmt nur halb. Ich habe diesen Satz „Können wir das ein bisschen weniger kontrovers machen?“ auch schon in österreichischen Kulturzusammenhängen gehört, nur in freundlicher Verpackung. Da steht dann nicht „woke“ im Raum, sondern „Publikumsverträglichkeit“. Da heißt es nicht „keine Politik in der Kunst“, sondern „bitte verbindend“. Und plötzlich ist man in einem Gespräch, in dem niemand etwas verbieten will, aber alle sehr genau wissen, welche Themen den Abend ruinieren könnten.

Und dann ist da noch die Popkultur-Seite der Geschichte. Bad Bunny zeigt, dass ein Land nicht so „glattgebügelt“ ist, wie Macht es gern hätte. Gerade deshalb wirkt die „Melania“-Pseudodoku als Gegenbild so passend: Hochglanz als banale Erzählform. Keine Zumutung, keine Reibung, keine offenen Fragen. Kultur als Schaufenster, nicht als Streitraum. Repräsentation statt Widerspruch oder kritische Auseinandersetzung.

Vielleicht ist das der eigentliche Kulturschock zwischen YouTube-Thumbnail und Weltpolitik: Es geht nicht darum, ob Kultur „glänzen“ darf. Natürlich darf sie das. Es geht darum, wer entscheiden will, welcher Glanz als „richtig“ gilt und wie viele Sätze man dafür in Museen, Förderanträgen und Kulturhäusern umschreiben muss, bis das Land so aussieht, wie es sich ein Präsident und sein Hofstaat wünschen.

In „Kulturschock“ schreibt WZ-Redakteurin Verena Franke alle zwei Wochen über Themen aus der Welt der Kultur. Alle Texte von Verena findest du in ihrem Autorinnenprofil.

Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.

Die Super Bowl LX Halftime Show (Bad Bunny) fand am 8. Februar 2026 statt. Trump kritisierte die Show auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social öffentlich u. a. mit den Formulierungen „absolutely terrible“ und „slap in the face to our country“. Bei der Gegenveranstaltung der Republikaner unter Trump sang Kid Rock.

Der Board of Trustees des Kennedy Centers in Washington stimmte am 18. Dezember 2025 dafür, Trumps Namen in die Bezeichnung aufzunehmen (Trump-Kennedy Center). Trumps Name wurde kurz darauf an der Fassade angebracht. Er kündigte Anfang Februar 2026 an, das Kultur-Center für etwa zwei Jahre zu schließen, offiziell wegen Renovierungen, inoffiziell aufgrund der Künstler:innen- sowie Ensemble-Absagen.

NEH (National Endowment for the Humanities) ist eine US-Bundesbehörde, die Projekte in den Geisteswissenschaften fördert.

NEA (National Endowment for the Arts) ist sozusagen die Schwester der NEH, nämlich eine US-Bundesbehörde, die Kunst/Kulturprojekte unterstützt.

Time: Trump Lashes Out at Bad Bunny’s Historic Super Bowl Performance: ‘One of the Worst Ever’

ABC News: Trump says steel to be 'fully exposed' in Kennedy Center rebuild but 'not ripping it down'

Reuters: Kennedy Center cease entertainment operations two years, Trump says

Associated Press (AP): Kennedy Center’s LGBTQ+ pride events canceled amid Trump takeover, organizers say

The White House: Letter to the Smithsonian: Internal Review of Smithsonian Exhibitions and Materials

PBS NewsHour: Smithsonian faces a deadline to show Trump its plans for exhibits for America’s 250th birthday

The Art Newspaper: National Portrait Gallery removes wall text referring to Trump impeachments after installing new portrait

Reuters: Trump order denying grants to artists over ‘gender ideology’ violated First Amendment, judge rules

The Washington Post: At least 1,200 grants canceled as NEH cuts target humanities across U.S.

Zensur in Museen – auch eine Gefahr für mich?

Das Thema in anderen Medien

Frankfurter Allgemeine: Das Kennedy Center schließt wegen Umbaus – oder wegen Trump?

ZDF heute: 1 Jahr Amerikas Kultur unter Trump: Es herrscht Angst zu reden (Video)

New York Times: Five Fronts in Trump’s Culture War

The New Republic: Trump Rages at Bad Bunny—and Accidentally Exposes a Big MAGA Weakness

DW: Der Kulturkrieg gegen die "Wokeness", von den USA bis Deutschland


© Wiener Zeitung