menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Ohne Studium kein Job? Nein, ohne Job kein Studium!

137 0
17.03.2026

„Studiere etwas Ordentliches, dann kriegst du nachher einen guten Job.“ Der Satz, den ich in meiner Jugend gehört habe, muss heute umgedreht werden: „Suche dir einen guten Job, dann kannst du dir ein Studium leisten.“ Mittlerweile arbeiten nämlich 69 Prozent der Studierenden in Österreich zusätzlich zum Lernen an der Uni, berichtet die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH), die meisten davon mehr als 20 Stunden. Bei einem 30-Stunden-Vollzeitstudium kommen sie also auf eine 50-Stunden-Woche oder sogar mehr.

Mehr für dich: Die WKO und ihr „G’spür“ für galaktische Geschäfte

30 Stunden studieren, 30 Stunden arbeiten

Drei Viertel von ihnen könnten ihr Studium ohne ihre Erwerbstätigkeit gar nicht finanzieren. So erzählt mir Johannes (27), der hinter einem Zeitungsstand vor der Universität Wien steht, dass dies nur einer von insgesamt drei Nebenjobs ist:

„Ich studiere Geographie, Raumforschung und Raumordnung und bin unter anderem an der Uni als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt. Zusätzlich bin ich auch als Tutor tätig. Es war mir wichtig, dass ich neben dem Studium etwas mache, das mir in meinem Fach auch etwas bringt. Aber momentan verteile ich auch noch Zeitungen vor der Uni. Normalerweise arbeite ich pro Woche etwa 15 bis 20 Stunden und studiere 20 bis 30 Stunden. Jetzt gerade sind es aber insgesamt 30 Wochenstunden Arbeiten und etwa 20 bis 30 Stunden, die ich in meine Bachelor-Arbeit zu investieren versuche.

Studienbeihilfe habe ich am Anfang bekommen. Aber ich glaube, mittlerweile verdiene ich zu viel dafür. Außerdem bin ich wahrscheinlich auch über die Altersgrenze beziehungsweise über die maximale Studienzeit drüber. Aber mit meinen Jobs kann ich mich auch so ganz gut über Wasser halten. Ohne Arbeiten ginge es allerdings nicht. Allein für Wohnen und Lebensmittel gebe ich um die 800 Euro im Monat aus. Ein bisschen was bleibt mir schon übrig, aber übers Jahr hinweg gebe ich wohl alles wieder aus. Im Zweifel könnte ich mich finanziell auf meine Mutter verlassen, diesen Luxus haben andere nicht. Aber ich möchte ihr auch nicht auf der Tasche liegen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Unternehmen heute bei Bewerber:innen bereits Arbeitserfahrung voraussetzen. Es wird erwartet, dass man schon neben dem Studium einen Job hatte.“

Ein paar hundert Euro Beihilfe für elf Prozent der Studierenden

An sich sind in Österreich die Eltern verpflichtet, ihre Kinder finanziell zu versorgen, auch über die Volljährigkeit hinaus ohne eine bestimmte Altersgrenze, bis sich diese selbst erhalten können. Bei Studierenden gilt dies ebenso wie bei Lehrlingen grundsätzlich bis zum Abschluss der Ausbildung. Ist zu wenig Geld da, kann staatliche........

© Wiener Zeitung