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Wie geht es syrischen Frauen unter der neuen Regierung?

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04.02.2025

Als die Rebellen die syrische Stadt Homs einnahmen, vermischten sich bei Aya Freude über die Befreiung vom Regime und Angst, weil sie nicht wusste, wie der Kampf um Syrien enden würde. Die 28-Jährige wuchs in Homs auf, wo sie heute als Bauingenieurin in einer Privatfirma arbeitet. Als Sunnitin gehört sie der zahlenmäßig größten Religionsgemeinschaft Syriens an.

Am 8. Dezember 2024 brachte die von Ahmad al-Sharaa angeführte Islamistenmiliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) Damaskus unter ihre Kontrolle. Einen Tag später wurde bekannt, dass der langjährige Diktator Bashar al-Assad nach Russland geflohen war. Zu diesem Zeitpunkt sei Aya klar geworden, dass in Syrien eine neue Phase angebrochen ist: „Es fühlte sich an, als hätte sich für uns ein Fenster geöffnet.“

Ob dieses Fenster auch Frauen offenstünde? „Wir haben in Syrien gelernt, Versprechen nicht zu trauen“, sagt Aya. „Aber Al-Sharaa hat sein Versprechen erfüllt, als er Syrien befreite. Das gibt uns Hoffnung, dass er auch seine aktuellen Versprechen erfüllen wird.“ Tatsächlich hat Al-Sharaa ein inklusives Syrien angekündigt, ohne Benachteiligungen von Minderheiten und Frauen.

Aya will es ihm gern glauben und hofft auf eine Gesellschaft, in der Frauen in der Bildung, im Beruf und in allen Bereichen des Lebens gleichberechtigt sind. Natürlich gebe es zahlreiche Herausforderungen, vor denen das Land steht. Dennoch sei sie zuversichtlich, dass sich die Syrerinnen nicht unterdrücken lassen und gegebenenfalls für ihre Rechte kämpfen werden, sagt Aya: „Syrische Frauen haben ihre Widerstandsfähigkeit und Kreativität bereits unter Beweis gestellt und ich bin sicher, dass sie beim Aufbau des künftigen Syriens eine wesentliche Rolle spielen werden.“

Mit Blick auf den Westen ist ihr wichtig zu sagen, dass Diskussionen über das Tragen oder die Ablehnung des Kopftuches derzeit nicht das Wichtigste seien: „Die Tatsache, dass wir Syrer von Fassbomben, Beschuss, willkürlichen Verhaftungen und Folter befreit wurden, ist wichtiger als jede Debatte über die Freiheit der Kleidung.“

Auch Elen kommt aus Homs, anders als Aya ist sie Alawitin und gehört damit derselben religiösen Minderheit wie Bashar al-Assad an. Da zahlreiche Alawiten im Regime hohe Positionen innehatten, befürchtete Elens Familie, dass es zu Massakern kommen könnte. Als die Rebellen vorrückten, flohen sie daher aus Homs Richtung Westen in ein Bergdorf, wo sie Verwandte hatten.

„Dort fühlten wir uns sicherer“, sagt Elen. Als Elens Familie sah, dass die Lage in Homs stabil war, kehrten sie zurück. Doch anders als Aya ist Elen weniger optimistisch, was Syriens Zukunft anbelangt. Vorfälle, bei denen Religiöse ihre Vorstellungen einer islamischen Gesellschaft in der Öffentlichkeit umzusetzen versuchen, würden sich häufen, sagt Elen: „Erst kürzlich forderte ein bärtiger Mann in einem öffentlichen Bus Frauen und Männer auf, getrennt voneinander zu sitzen.“

Die 25-Jährige ist es gewohnt, ihr Haar offen zu tragen. Unlängst seien in der Stadt Plakate aufgetaucht, die Frauen auffordern, den Gesichtsschleier zu tragen. Bei anderen........

© Wiener Zeitung