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Warum Russland Assad fallen ließ

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11.02.2025

Iran und Russland, die beiden wichtigsten Verbündeten Assads, haben den Diktator am Ende fallen lassen – wie kam es dazu?

Teheran konnte die durch den Krieg mit Israel geschwächte Hisbollah nicht zur Verteidigung von Assad mobilisieren. Darüber hinaus waren Irans logistische Netzwerke in Syrien angeschlagen, weil die Israelis in den letzten Jahren in ganz Syrien iranische Revolutionsgarden und irakische Milizen, die dem Iran nahestanden, angegriffen haben.

Russland befand sich in einer Position der Schwäche, weil die Söldnergruppe Wagner nicht mehr existiert bzw. nicht so schlagkräftig ist wie früher. Außerdem fehlen den Russen Soldaten für ihren Krieg in der Ukraine. Dadurch konnte Moskau keine zusätzlichen Truppen nach Syrien schicken.

Putin verstand das früh genug und war bereit, die Seiten zu wechseln und Beziehungen mit den neuen Machthabern in Syrien aufzubauen.

Welche Rolle spielte die Türkei bei der Blitzoffensive gegen das Regime?

Ohne die Zustimmung und Unterstützung der Türkei wäre diese Offensive nicht möglich gewesen. Ich glaube allerdings, dass Ankara anfangs nicht das Ziel hatte, den Sturz des Regimes herbeizuführen. Vielmehr wollte Präsident Erdogan Druck auf Assad ausüben, um ihn an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Unter anderem forderte die Türkei von Assad, die Kontrolle über das Kurdengebiet im Nordosten des Landes zu übernehmen und einer Rückführung syrischer Flüchtlinge aus der Türkei nach Syrien zuzustimmen. Punkte, auf die Assad nicht eingehen wollte.

Ich denke, dass der ursprüngliche Zweck der Rebellenoffensive darin bestand, Gebiete im Raum Aleppo zu erobern, um Druck auf Assad auszuüben und ihn dazu zu bringen, mit der Türkei zu verhandeln.

Lassen Sie uns über die Person Ahmad al-Sharaa sprechen. Er scheint gut auf seine neue Rolle als Machthaber in Damaskus vorbereitet zu sein und macht auch bei der Kommunikation mit regionalen und internationalen Akteuren vieles richtig. Wie kommt es, dass er den Rollenwechsel vom Dschihadisten zum Politiker so erfolgreich vollzogen hat?

Es sieht so aus, als wäre Idlib eine Art Labor gewesen, wo Al-Sharaa politische Erfahrung sammeln konnte. Ich denke, er hat auch eine Art Training absolviert, denn das Vokabular, das er verwendet, ist nicht mehr das Vokabular der salafistischen Dschihadisten.

Er vermeidet zwar das Wort Demokratie, verwendet aber Begriffe wie Vielfalt, Rechtsstaatlichkeit oder........

© Wiener Zeitung