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Kann man Liebe messen?

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13.02.2026

Liebe ist ein komplexes, subjektives Gefühl, das sich nicht objektiv messen lässt.

Die Wissenschaft nützt neurowissenschaftlichen Methoden und Fragebögen, um sie zu erfassen.

Liebe zeigt sich an Taten und Verantwortung.

Romantische Liebe basiert auf biochemischen Prozessen.

Psychometrie misst Liebe anhand von Intimität, Leidenschaft und Bindung.

Ameisen kennen solche Kategorien nicht: Sie ,,lieben" rein zur Arterhaltung.

Liebe ist ein komplexes, subjektives Gefühl, das sich nicht objektiv messen lässt.

Die Wissenschaft nützt neurowissenschaftlichen Methoden und Fragebögen, um sie zu erfassen.

Liebe zeigt sich an Taten und Verantwortung.

Romantische Liebe basiert auf biochemischen Prozessen.

Psychometrie misst Liebe anhand von Intimität, Leidenschaft und Bindung.

Ameisen kennen solche Kategorien nicht: Sie ,,lieben" rein zur Arterhaltung.

Liebe ist ein Gefühl. Man kann sie weder sehen noch anfassen, und wer sie zu fangen versucht, dem läuft sie davon. Aber man kann sie machen, besingen, von ihr überwältigt sein, von ihr getragen oder wieder fallen gelassen werden, unter ihr leiden oder den ganzen Tag an sie denken. Jeder Mensch erlebt Liebe anders. Daher ist sie schwer zu messen. Sie ist eine komplexe Emotion, es gibt kein Maßband für ihre Tiefe. Vielleicht wendet gerade deswegen jede:r etwas andere Maßstäbe dafür an.

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Manche glauben, je größer die Liebe, desto mehr Schmetterlinge im Bauch. Andere meinen, Liebe ließe sie an am Wert von Geschenken oder dem Wort „für immer” festmachen. Das Geschäftsmodell Valentinstag misst die Liebe an der Zahl der Blumensträuße. Tatsächlich empfinden viele Menschen Blumen als sichtbares Zeichen von Liebe, vielleicht weil uns wünschen, dass unsere Liebe erblüht.

Für die Wissenschaft ist das größte Gefühl der Welt eine Frage der Chemie. Sie misst ihr Vorhandensein mit neurowissenschaftlichen Methoden und stellt fest: Romantische Liebesgefühle haben biochemische Grundlagen. Dass erste Verliebtsein treibt das ,,Glückshormon” Dopamin, das aktiv und wach macht, zugleich mit dem Botenstoff Serotonin, der Gelassenheit verleiht, in die Höhe. Auch der Adrenalin-Spiegel für Euphorie und sexuelles Verlangen steigt an. In langfristigen Beziehungen wiederum hebt sich der Anteil des Bindungs- und Kuschelhormons Oxytocin im Blut. Auch die Konzentration von Vasopressin, das eine Rolle bei sozialen Bindungen und Vertrauen spielt, erhöht sich.

Das „Liebesbarometer“ der Psychometrie

Mit der Messung von Gefühlen, die weder sehen noch anfassen kann, beschäftigen sich weiters Psycholog:innen des Fachgebiets Psychometrie. Hier will man die Qualität romantischer Beziehungen mit Hilfe von Fragebögen ermitteln. Als zentrale Dimensionen von Liebe gelten dabei Intimität, Nähe, Verbundenheit und emotionale Unterstützung; Leidenschaft, Anziehung und Verliebtheit; Bindung und Commitment. Je mehr Punkte befragte Personen in diesen Kriterien erzielen, desto intensiver oder vollkommener ist das größte Gefühl auf dem „Liebesbarometer“ der Psychometrie. Allerdings sind die Angaben subjektiv. Daher gibt es auch hier keinen echten Standard für die Liebe wie Zentimeter auf einem Maßband.

Lässt sich die Liebe vielleicht an der Zahl der Kinder messen? Auch das größte Gefühl, stellte die US-Anthropologin Helen Fisher anhand von Scheidungsdaten aus verschiedenen Ländern fest, hält nicht ewig, sondern nur so lange, wie es für die Aufzucht eines Kindes notwendig ist. Das würde dafürsprechen, dass Paare mit jedem weiteren Kind eine Gelegenheit nutzen, ihre Liebe zu erneuern.

Die Zahl der Nachkommen

Dass Menschen zwecks Fortpflanzung einander suchen, ist ein uraltes Muster in der Evolution. Wir suchen gesunde und fitte Partner:innen mit Genen, die unsere eigenen Erbanlagen vervollständigen, denn je unterschiedlicher die Voraussetzungen der Eltern, desto breiter ist die Krankheitsabwehr möglicher Nachkommen aufgestellt. Dabei gehen wir nach gewissen äußeren Merkmalen vor. Zu den Stereotypen zählen laut Studien volle Lippen, ein kräftiger Körper und vor allem ein attraktiver Geruch. Demnach wollen Frauen zuverlässige, tatkräftige Partner, während Männer jüngere Frauen bevorzugen, weil deren fruchtbare Zeit begrenzt ist. Bei der Partnersuche verfolgen wir also ein eindeutiges Ziel.

Ameisen sind da sogar noch rigoroser. Ihre Maxime ist: Ohne Paarung kein Staat. „Bei ihrem Hochzeitsflug wird die Ameisenkönigin von den Männchen begattet, die ihr einen Samenvorrat schenken und danach sterben“, sagt der Verhaltensbiologe Florian Strahodinsky vom Institute of Science and Technolgy Austria in Klosterneuburg: „Die Königin wirft nach der Begattung ihre Flügel ab und gräbt sich in den Boden, wo sie Eier legt und die erste Armee von Arbeiterinnen allein großzieht.“ In der Folge kümmern sich die unfruchtbaren Arbeiterinnen um die Königin, die fortan als Einzige alle Eier legt so lange, bis der Staat groß genug ist für neue Männchen und eine neue Königin. Erst dann gibt es den nächsten Hochzeitsflug und das Ganze beginnt von vorne – zumindest bei Schwarzen Wegameisen. So gesehen misst sich die „Ameisenliebe“ ganz direkt an der Zahl der Nachkommen. Das kulturelle Konstrukt der Liebe existiert hier nicht.

Liebe misst sich an Taten

„Liebe“ sei eine Fehlkonstruktion, sagt der Philosoph Richard David Precht: Von der Natur war sie nicht einmal vorgesehen. Sie sei nicht einmal ein Gefühl, denn wenn sie ein Gefühl wäre wie etwa Hunger oder Durst, dann könnten wir im Augenblick lieben und im nächsten Augenblick nicht. Wenn wir aber sagen ,,ich liebe dich”, dann bedeute das: Ich werde Verantwortung für dich übernehmen, mich um dich kümmern und dich auch in einer Stunde, einem Jahr und idealerweise mein ganzes Leben lieben.

Die Liebe ist ein Versprechen, das sich an den Taten misst. Das können kleine Gefallen sein, etwa wenn wir einer geliebten Person in der Früh Kaffee ans Bett bringen, weil wir wissen, dass sie das mag, oder schnell noch das Geschirr waschen, damit sie eine saubere Küche vorfindet. Es kann aber auch etwas Größeres sein - zum Beispiel für jemanden einzustehen und dabei selbst Spott zu riskieren. Oder der Person, die man liebt, zur Seite zu stehen, wenn sie krank ist.

Liebe misst sich auch in der Art, wie jemand mit einem spricht und einen behandelt. Wer bemerkt, dass ich traurig bin, wenn es sonst niemand wahrnimmt, liebt mich höchstwahrscheinlich. Wer freundlich bleibt, obwohl ich gerade herumnörgle, auch. Freundlichkeit ist ein Maß der Liebe. Das wissen auch Tiere, wenn sie versuchen, durch Freundlichkeit zu überzeugen. Eisvogel-Männchen etwa wollen ihre Herzensdamen mit frischem Fisch gewinnen. Und männliche Schimpansen servieren ihren Auserwählten süße Früchte frisch geschält. Und was gibt es Schöneres als einen Liebesbeweis? In diesem Sinne: Alles Gute zum Valentinstag!

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Florian Strahodinsky, Verhaltensbiologe und Wissenschaftsvermittler am Institute of Science and Technology. Unter dem Titel „Liebesg‘schichten und Ameisensachen“ hält er am Valentinstag, 14. Februar, um 15:00 Uhr einen Vortrag zum Liebesleben der Schwarzen Wegameise. Ort: VISTA Science Experience Center am Campus des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg.

National Library of Medicine: The Measurement of Love: Psychometric Properties and Preliminary Findings of the Short Love Scale

Psychology of Everything: How To Scientifically Measure Love?

Quarks: Das weiß die Wissenschaft über Liebe

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RiffReporter: Sex, Begehren, Partnerschaft: Weshalb Liebe kein bloßer Zufall der Evolution ist

science.orf.at: Wie Dopamin Liebe am Leben hält

scienexx.de: Valentinstag: Selbsttest misst Beziehungsqualität

SWR: So zeigt sich Liebe im Gehirn


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