„Wir haben das Gefühl zu schreien, ohne dass jemand zuhört“
„Es gibt einen Satz im Persischen, der größer ist als Mitgefühl, größer als Solidarität: Dardetun be junam, euer Schmerz soll mich treffen“, sagt Mahboobeh Bayat. Sie steht vor dem Treppeneingang der Vereinten Nationen in Wien. Es ist kalt, besonders hier im Schatten des U-Bahn-Viadukts. Wenn Mahboobeh Bayat spricht, bildet ihr Atem kleine Wolken.
Die Aktivist:innen von „Iran Revolution 2022 Vienna“ beindruckt das Wetter nicht. Schließlich stehen sie schon seit 105 Wochen hier, jeden Dienstag demonstrieren sie gegen das iranische Regime, egal ob es schneit oder die Sonne auf die Pflastersteine brennt. „Wir bleiben hier bis zum Ende“, sagt Organisator und Menschenrechtsaktivist Hassan Nayeb-Hashem. „Gegen die Hinrichtungen, gegen das Regime, für die Freiheit!“
Heute sind um die dreißig Personen gekommen. In ihren Händen halten sie Bilder von getöteten Iraner:innen, erzählen ihre Geschichten, fordern ein Ende der Hinrichtungen. „Das ist Erfan Faraji“, sagt Mahboobeh Bayat. Sie zeigt auf ein Foto eines jungen Mannes, er trägt ein oranges T-Shirt, lächelt leicht. „Er war 18 Jahre alt und hat die Proteste gefilmt. Dann haben sie ihm in den Rücken geschossen. Die Kugel ging direkt durch sein Herz.“
Seit Dezember 2025 kommt es im Iran, ausgelöst durch eine anhaltende Wirtschaftskrise, zu landesweiten Protesten gegen das Regime. Die Sicherheitskräfte begegnen der Bevölkerung dabei mit brutalen Repressionen. Internetblockaden, willkürliche Massenverhaftungen, systematische Folter.........
