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Gleichstellung, bis zum ersten Kind?

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23.02.2026

Nach der Geburt übernehmen Mütter in Österreich meist die Hauptverantwortung für Kinderbetreuung, unabhängig vom Bildungsgrad.

Fehlende Ganztagsbetreuung und finanzielle Gründe erschweren Müttern den schnellen Wiedereinstieg in den Beruf.

In Ländern wie Schweden und Island führen verpflichtende Väterkarenz zu mehr Gleichstellung und geringerem Gender Pay Gap.

Mütter in Österreich: Ø 416 Tage Karenz, Väter: nur 9 Tage

2022 entfielen nur 4,1 Prozent der Kinderbetreuungsgeld-Tage auf Männer

In Wien 89 Prozent der Kindergartenplätze ganztags, in OÖ nur 24 Prozent

Gender Pay Gap in Österreich: 18,3 Prozent weniger Lohn für Frauen

Nach der Geburt übernehmen Mütter in Österreich meist die Hauptverantwortung für Kinderbetreuung, unabhängig vom Bildungsgrad.

Fehlende Ganztagsbetreuung und finanzielle Gründe erschweren Müttern den schnellen Wiedereinstieg in den Beruf.

In Ländern wie Schweden und Island führen verpflichtende Väterkarenz zu mehr Gleichstellung und geringerem Gender Pay Gap.

Mütter in Österreich: Ø 416 Tage Karenz, Väter: nur 9 Tage

2022 entfielen nur 4,1 Prozent der Kinderbetreuungsgeld-Tage auf Männer

In Wien 89 Prozent der Kindergartenplätze ganztags, in OÖ nur 24 Prozent

Gender Pay Gap in Österreich: 18,3 Prozent weniger Lohn für Frauen

Ich kenne kaum ein Paar, das vor dem ersten Kind nicht irgendwann sagt: „Wir teilen uns das dann eh fifty-fifty.“ Spätestens, wenn das Baby da ist, wird aus dem Plan aber erstaunlich oft ein Klassiker: Mama daheim, Papa im Büro.

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Eine neue Studie der ÖAW zeigt, dass in Österreich nach der Geburt weniger die Qualifikation als das Geschlecht über den Karriereverlauf entscheidet. Mütter sind deutlich öfter und länger in Karenz: im Schnitt 416 Tage, Väter dagegen nur neun Tage. Fast jede Mutter nutzt Elternkarenz, viele bleiben sogar noch länger zu Hause als gesetzlich bezahlt – häufig, um anschließend in Teilzeit zurückzukehren.

Diese Muster gelten unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern. Männer kehren meist direkt ins Vollzeit-Comeback zurück – der Übergang zur Elternschaft bleibt für sie karrieretechnisch kaum spürbar.

Teilzeit ist oft keine Wahl

Und bevor jetzt jemand sagt: „Ja, aber Frauen wollen das halt so!“ – Nein. Oft geht es schlicht nicht anders. Ohne ausreichende Möglichkeiten zur Ganztagsbetreuung bleibt der schnelle Wiedereinstieg in den Beruf für viele Mütter Theorie. Hier zeigt sich auch eine Stadt-Land-Schere: So waren laut Statistik Austria im Kindergartenjahr 2022/23 in Wien rund 89 Prozent der Kindergartenplätze ganztags-kompatibel, in Oberösterreich gerade einmal 24 Prozent.

EU-Schlusslicht, seriously?

Zurück zur Väterkarenz. Vergleicht man Österreich mit anderen Ländern, so schneiden wir leider grottenschlecht ab. Denn die Beteiligung der Väter ist so winzig, dass wir das EU-weite Schlusslicht sind, wie OECD-Daten zeigen.

Nur knapp 16 Prozent der Väter nutzen überhaupt einen einzigen Karenztag, und generell meist nur für das gesetzliche Minimum von zwei Monaten. Dementsprechend entfielen 2022 nur etwa 4,1 Prozent der angesammelten Kinderbetreuungsgeld-Tage auf Männer.

Die große Mehrheit der Männer bleibt also beim Job, als wäre nichts passiert. Seriously?

Es liegt nicht daran, dass Väter es rechtlich nicht könnten. Sie hätten grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten wie Mütter.

Die Gründe, warum sie sich gegen Karenz entscheiden, sind ziemlich konstant: Geld, Karriereangst und Rollenbilder. Weil Männer im Schnitt noch immer mehr verdienen, wäre eine längere Väterkarenz für viele Familien ein spürbarer finanzieller Einschnitt. Dazu kommt die Sorge, im Job den Anschluss zu verlieren – und eine Unternehmenskultur, die Väterkarenz vielerorts noch immer nicht als Normalität behandelt.

Nordischer Reality-Check

Doch es geht auch anders – und zwar in Ländern, wo Gleichstellung weniger ein Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich im Alltag gelebt wird: In Schweden gibt es 480 Tage Elternzeit, davon sind mindestens 60 Tage pro Elternteil fix reserviert und nicht übertragbar. Wer sie nicht nutzt, verliert sie. Das Ergebnis: 78 Prozent der Väter gehen in Karenz, und sie machen 46 Prozent des Karenzgeldbezugs aus.

Island setzt noch stärker auf das „Use-it-or-lose-it“-Prinzip: drei Monate für die Mutter, drei für den Vater, nicht übertragbar. Rund 90 Prozent der Väter gehen deshalb in Karenz. Der nordische Inselstaat liegt auch seit 16 Jahren konstant auf Platz eins im weltweiten Global Gender Gap Report – mit einem Gender Pay Gap von rund 9 Prozent.

In Österreich hingegen verdienen Frauen im Schnitt 18,3 Prozent weniger pro Stunde als Männer – und arbeiten somit 60 Tage im Jahr gratis. Eine Rechnungshofprüfung zur Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes zeigt zwar, dass die Erwerbsquote von Müttern mit Kindern unter 3 Jahren seit 2010 von 29 auf 42 Prozent im Jahr 2022 gestiegen ist, bei Männern aber bei 93 Prozent liegt.

Ohne Väter keine Gleichstellung

Fakt ist: Um echte Gleichstellung zu erreichen, brauchen wir nicht nur Papamonate, sondern eine Neuverteilung von Care-Arbeit. Es sollte selbstverständlich werden, dass Väter mehr Zeit mit ihrem Baby verbringen und Mütter flexibel weiterarbeiten können. Sonst bleibt der Karriereknick für Frauen leider garantiert.

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Karenz bedeutet: Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit – ohne Gehalt, aber mit Kündigungs- und Entlassungsschutz. Der Arbeitgeber kann Karenz nicht verweigern.

Wenn nur ein Elternteil Karenz nimmt, dauert sie maximal bis zum Ablauf des 22. Lebensmonats des Kindes. Wenn beide Elternteile Karenz nehmen (abwechselnd), ist Karenz maximal bis zum 2. Geburtstag möglich.

Die Karenz kann zwischen Mutter und Vater höchstens zweimal wechseln – also insgesamt in maximal drei Abschnitte aufgeteilt werden. Jeder Abschnitt muss mindestens zwei Monate dauern.

Grundsätzlich dürfen Mutter und Vater nicht gleichzeitig Karenz nehmen. Nur beim ersten Wechsel ist eine Überschneidung von einem Monat erlaubt. Dann kann Karenz maximal bis zum Ablauf des 23. Lebensmonats dauern.

Wenn der Vater direkt nach der Geburt Karenz nimmt, muss er das spätestens acht Wochen nach der Geburt melden. Spätere Karenzteile müssen in der Regel drei Monate vorher angekündigt werden.

Während der Karenz ist eine geringfügige Beschäftigung erlaubt (2026 bis 551,10 Euro pro Monat). Mehr ist nur sehr eingeschränkt möglich und meist nur mit Zustimmung des Arbeitgebers.

Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW): Unabhängig von der Qualifikation: Elternkarenz wird fast nur von Frauen genutzt

Rechnungshof: Kinderbetreuung – Rückschritte bei der Väterbeteiligung

World Economic Forum: Global Gender Gap Report 2025

Konstrast.at: Väterbeteiligung in der Karenz: Österreich ist europaweites Schlusslicht

Momentum Institut: Vatertag 2024 –Österreich ist EU-Schlusslicht bei Väterkarenzbeteiligung

News.at: Warum so viele Väter (immer noch) nicht in Karenz gehen

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ORF.at: Nur wenige Väter in Elternkarenz

Der Standard: Fast keine Väter gehen nach Geburt des ersten Kindes in Elternkarenz


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