„Das Stahlwerk tötet“: Tarantos vergessenes Viertel
Das Stahlwerk Ilva verursachte massive Umweltverschmutzung und erhöhte Krankheits- sowie Sterblichkeitsraten in Taranto, darunter im Viertel Tamburi.
Trotz gesundheitlicher und sozialer Probleme kämpfen Bewohner:innen wie Tonia, Simona Peluso und Ignazio D’Andria für bessere Lebensbedingungen und Unterstützung.
Viele fühlen sich von Politik und Institutionen im Stich gelassen, halten aber an ihrer Gemeinschaft und Identität fest.
Ilva verursachte bis zu 92 Prozent des industriellen Dioxin-Ausstoßes Italiens.
Zwischen 1998 und 2010 wurden 386 Todesfälle den Emissionen zugerechnet.
Zu Höchstzeiten arbeiteten im Werk bis zu 22.000 Menschen.
Mehr als 2.000 Tonnen Asbest wurden zuletzt noch in den Anlagen nachgewiesen.
Das Stahlwerk Ilva verursachte massive Umweltverschmutzung und erhöhte Krankheits- sowie Sterblichkeitsraten in Taranto, darunter im Viertel Tamburi.
Trotz gesundheitlicher und sozialer Probleme kämpfen Bewohner:innen wie Tonia, Simona Peluso und Ignazio D’Andria für bessere Lebensbedingungen und Unterstützung.
Viele fühlen sich von Politik und Institutionen im Stich gelassen, halten aber an ihrer Gemeinschaft und Identität fest.
Ilva verursachte bis zu 92 Prozent des industriellen Dioxin-Ausstoßes Italiens.
Zwischen 1998 und 2010 wurden 386 Todesfälle den Emissionen zugerechnet.
Zu Höchstzeiten arbeiteten im Werk bis zu 22.000 Menschen.
Mehr als 2.000 Tonnen Asbest wurden zuletzt noch in den Anlagen nachgewiesen.
„Wenn du morgens aufstehst, liegen manchmal seltsame Gerüche in der Luft, nach Gas oder Müll. Gerüche, bei denen man kaum atmen kann“, erzählt Tonia in der Küche ihrer Wohnung, während sie an ihrem Kaffee nippt. Sie lebt im Wohnkomplex Case Parcheggio im Viertel Tamburi der süditalienischen Stadt Taranto.
Kennst du schon?: Satellitendaten zeigen: So heiß wird dein Grätzl wirklich
In den „Parkplatz-Häusern“ sollten nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1980 rund 500 Familien aus der historischen Altstadt für höchstens ein Jahr untergebracht werden – bis zur Fertigstellung von Sozialwohnungen. Doch aus einem Jahr wurden Jahrzehnte. Und die Asbestplatten, mit denen die Gebäude hastig errichtet wurden, verfielen mit der Zeit. Durch eindringendes Wasser lagen stark krebserregende Asbestfasern frei.
Tonia erkrankte an Darmkrebs. „Ich bin überzeugt, dass meine Krankheit von hier kommt. Als ich hier eingezogen bin, lag unter dem Kunststoffboden Asbest. Zehn Jahre lang habe ich damit gelebt, bis er sich gehoben hat“, schildert sie. Doch Tonia ist noch einem weiteren Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Denn die Case Parcheggio liegen direkt neben Europas einst größtem Stahlwerk, das früher „Ilva“ hieß und auch heute noch in der Bevölkerung so genannt wird.
Die Case Parcheggio© WZ/Chiara Swaton
Tonia Quarto in ihrer Wohnung© WZ/Chiara Swaton
Seit seiner Eröffnung 1965 stößt Ilva giftige Emissionen aus. An windigen Tagen peitschte der Wind einst tonnenweise Feinstaub von unüberdachten Lagerplätzen nach Tamburi. Noch 2018 wurden regelmäßig Schulen geschlossen, Bewohner:innen aufgefordert, Fenster am Vormittag nicht zu öffnen, und sportliche Aktivitäten im Freien untersagt. Später wurden die Mineralienlager abgedeckt und die Stahlproduktion massiv heruntergefahren. Doch bis heute warnt die apulische Umweltbehörde ARPA vor den berüchtigten „Wind Days“.
Ilva war stellenweise für rund 92 Prozent des gesamten gemessenen industriellen Dioxin-Ausstoßes in Italien verantwortlich. Zahlreiche Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen der industriellen Verschmutzung und erhöhter Sterblichkeit sowie bestimmten Erkrankungen in Taranto.
Doch jetzt gibt es einen historischen Wendepunkt: Das Stahlwerk steht kurz vor dem vollständigen – gerichtlich erzwungenen – Aus des Heißbereichs, also des Teils der Anlage, wo Roheisen und Stahl unter hohen Temperaturen produziert werden. Der Grund: fortbestehende Gesundheitsgefährdung. Noch mehr als 2.000 Tonnen Asbest wurden in den Anlagen nachgewiesen und der Feinstaubausstoß ist zu hoch. Seit 9. Oktober befindet sich der letzte Hochofen nur noch im Stand-by. Tausende Beschäftigte sind in........
