Was Merz über sexuelle Gewalt sagt, schützt keine Frau
Der Fall Collien Fernandes wird weiter heftig diskutiert. Viele Männer sind schockiert, beunruhigt, fragen nach, was man jetzt ändern und besser machen muss. Viele Frauen erkennen sich in Fernandes wieder. Denn so viele – viel zu viele – sind selbst schon Opfer von sexueller oder sexualisierter Gewalt geworden, analog oder online. Ich auch.
Ich wünsche mir, dass wir in solchen Situationen Schulter an Schulter zusammenstehen, gemeinsam gegen die Täter. Gegen die Ehemänner, die von ihren Frauen Deepfake-Pornos verbreiten. Gegen die Tinder-Nutzer, die ungefragt Fotos ihrer Genitalien schicken. Gegen die Pöbler auf der Straße, die uns als Huren bezeichnen, wenn wir ihnen unsere Telefonnummer nicht geben wollen.
Gewalt gegen Frauen ist kein neues oder importiertes Phänomen
Was wir jetzt nicht brauchen, ist ein Bundeskanzler, der uns sagt, dass diese Männer, diese Gewalttäter, auch Zuwanderer sind. Doch genau das scheint Friedrich Merz beim Thema sexuelle Gewalt gegen Frauen wichtig zu sein. Bei der jüngsten Regierungsbefragung sagte er, dass ein „beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer“ kommt.
Dabei ist Gewalt gegen Frauen keineswegs ein importiertes oder neues Phänomen. Seit jeher werden Frauen am häufigsten von Männern verletzt, bedroht, gestalkt, getötet, die sie sehr gut kennen: von Partnern und Ex-Partnern.
Bitte, Herr Merz, benutzen Sie jetzt nicht das Momentum, um Stimmung gegen Zuwanderer zu machen. Lenken Sie nicht ab vom Thema. Verurteilen Sie diese Gewalt gegen Frauen. Uneingeschränkt und ohne Aber. Und bringen Sie wichtige Reformen des Strafrechts auf den Weg. Sprechen Sie über Frauenhäuser und Prävention. Glauben Sie mir: Das hilft uns Frauen mehr, als jetzt mit dem Finger auf Zuwanderer zu zeigen.
