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Hormus-Blockade: Wie nah die Welt am Systembruch steht

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23.04.2026

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Hormus-Blockade: Wie nah die Welt am Systembruch steht

22. April 2026 | The Economist | Lesezeit: 6 Min.

Ölknappheit, LNG-Defizit und politische Eingriffe verzerren Märkte. Warum die Energiekrise gefährlicher ist als sie scheint.

Die globalen Energiemärkte stehen am Rande einer Katastrophe und die Szenarien reichen mittlerweile von schlecht bis katastrophal. Die Ölpreisentwicklung ist optimistisch. Nachdem der iranische Außenminister am 17. April die Straße von Hormus für „vollständig geöffnet“ erklärt hatte, fiel der Preis für Brent-Rohöl um zehn Prozent auf 90 US-Dollar pro Barrel. Innerhalb weniger Stunden ruderte der Iran zurück und griff einen indischen Tanker an. Am nächsten Handelstag stieg der globale Referenzpreis lediglich um fünf Prozent. Er liegt weiterhin rund 20 US-Dollar unter seinem Höchststand von Ende März, obwohl die amerikanische Blockade iranischen Öls dazu führt, dass noch mehr Öl im Golf festsitzt. Fünfzig Tage nach Beginn des Iran-Krieges hat die Welt 550 Millionen Barrel Rohöl aus der Golfregion verloren – fast zwei Prozent der globalen Produktion des Vorjahres. Mit jedem Monat, in dem der Hafen von Hormus geschlossen bleibt, fehlen der Welt sieben Millionen Tonnen Flüssigerdgas ( LNG ), was zwei Prozent ihres Jahresbedarfs entspricht. In den westlichen Ländern, die die größten Terminmärkte beherbergen, halten sich die Auswirkungen jedoch in Grenzen. Benzin ist zwar etwas teurer, aber die meisten Haushalte können sich weiterhin ein Auto leisten. Lkw fahren ununterbrochen. Flugzeuge fliegen weiterhin. Die Treibstoffvorräte liegen nahe am Vorkriegsniveau.

Dieses beruhigende Bild ist zutiefst irreführend. Bis zum 20. April erreichten die letzten Öltanker, die vor Kriegsbeginn die Route Hormus passiert hatten, ihre Zielorte in Malaysia und Kalifornien. Es gibt keine Reserven mehr, um die Welt vor dem Versorgungsengpass zu schützen – und das zu einer Jahreszeit, in der die Nachfrage von Urlaubern wieder anzieht. Um abzuschätzen, wie nahe die Welt einer Energiekatastrophe ist, hat The Economist eine Reihe von Indikatoren zusammengestellt. Diese deuten darauf hin, dass bereits erheblicher Schaden entstanden ist. Schlimmer noch: Ohne eine Wiedereröffnung der Meerenge könnten die Kosten explodieren und Ereignisse auslösen, die zum Zusammenbruch des Energiesystems führen. Eine Wiedereröffnung der Meerenge würde jetzt – gerade noch – eine totale........

© The European