Erbschaftsteuer oder Charakter? Die etwas andere Debatte über Vermögen
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Erbschaftsteuer oder Charakter? Die etwas andere Debatte über Vermögen
29. Juni 2026 | Celine Nadolny | Lesezeit: 6 Min.
Die Erbschaftsdebatte streitet über Prozente, von links wie von rechts. Cornelius Vanderbilt und ein neues Buch von Morgan Housel führen vor, dass die eigentliche Frage darunter liegt. Eine Rezension
Als Cornelius Vanderbilt 1877 starb, war kein Amerikaner je reicher gewesen, sein Vermögen übertraf die Bestände der amerikanischen Staatskasse. Drei Generationen später war der Großteil verspielt. Vernichtet hat es kein Krieg, kein Börsenkrach und kein Finanzamt, sondern die Erben selbst. Sie überboten einander mit immer prächtigeren Häusern und Festen, einem Wettlauf um Rang, der kein Ziel kannte. Ein Vermögen, an das der Staat nie eine Hand legte, zerfiel von innen.
Das ist eine unbequeme Pointe, gerade für eine Debatte, die sich seit Jahren fast nur um eine Zahl dreht: wie viel der Staat sich von großen Vermögen nehmen darf. Denn ein Vermögen kann verschwinden, ohne dass der Fiskus je zugreift, und das ist beiden Lagern unangenehm, denen, die solche Vermögen wegbesteuern wollen, wie denen, die sie bloß in Sicherheit bringen. Vielleicht hängt die eigentliche Frage gar nicht am Steuersatz.
Es ist die Frage, um die Morgan Housels neues Buch kreist. Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen, der Nachfolger seines Bestsellers Über die Psychologie des Geldes, dreht die übliche Blickrichtung um. Die meisten Ratgeber erklären, wie man Vermögen aufbaut. Housel fragt, was geschieht, wenn es erst einmal da ist. Er argumentiert mit Geschichten statt mit Modellen, einundzwanzig Anekdoten, die hängenbleiben. Vier von fünf Sternen von mir, ein kluges,........
