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Der Oscar, der Nerv der Zeit und One Battle After Another

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18.03.2026

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Der Oscar, der Nerv der Zeit und One Battle After Another

18. März 2026 | Catharina Enderlein

Kraft der Kultur: Zum 98. Mal wurde der renommierte Filmpreis verliehen. Die Zeremonie war geprägt von politischen Diskursen. Und das Rätsel um den fehlenden Sean Penn wurde aufgeklärt

VON CATHARINA ENDERLEIN

„And the Oscar goes to…“ –  hieß es auch in diesem Jahr bei der alljährlichen Oscarverleihung in Los Angeles. In Zeiten multipler Krisen und Kriege verwundert der Abräumer des Abends kaum: “One Battle After Another” mit insgesamt 6 Auszeichnungen, darunter wohl auch die Wichtigsten in den Kategorien „Beste Regie“ und „Bester Film“. Regisseur Paul Thomas Anderson erzählt von militanten, linken Aktivistinnen in den USA, maßgeblich angeführt von schwarzen Frauen.

Das trifft ganz offensichtlich den Nerv der Zeit: Mut und Zusammenhalt im richtigen Moment. Gerade oder trotz Widerstände. Ein wohl mehr als passender Titel – angesichts der politischen Weltlage, die in diesem Jahr auch die Filmbranche in Atem hielt und damit stark prägte. Darauf berief sich auch der Moderator des Abends, Conan O‘Brien, der trotz „beängstigender Zeiten“ gerade die Oscars als Anlass und Hochkultur für weltweit verbindende Kräfte ausmachte.

Oscar-Battle: Zwei Filme geben den Ton an

“One Battle After Another” setzte sich letztlich mit wohl passend thematischer Produktion zum globalen Weltgeschehen insbesondere gegen den hochgehandelten Kontrahenten „Blood and Sinners“ des Regisseurs Ryan Coogler durch. Dieser hatte zuvor den Rekord mit 16 Oscarnominierungen in der Geschichte der Academy of Motion Picture Arts and Sciences aufgestellt.

Immerhin: In der Kategorie „Bester Schauspieler“ räumte Michael B. Jordan mit seiner Doppelrolle in diesem Vampir-Südstaatendrama ab. Für die „Beste Schauspielerin“ wurde die Irin Jessie Buckley als Shakespeares Ehefrau Agnes in Hamnet ausgezeichnet.

Für Verwunderung sorgte das Fehlen von Sean Penn, der trotz seines dritten Oscar-Gewinns in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ am Abend im Dolby Theatre mit Abwesenheit glänzte. Ironischerweise passte das in Teilen zum Filmtitel, für den seine Kollegin, die 75-jährige Amy Madigan ausgezeichnet wurde: „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“. Wobei sich am Tag danach der (gute) Grund für Penns Fehlen herauskristallisierte: Der Schauspieler war in der Ukraine und traf sich zeitgleich zur Zeremonie der 98. Oscar-Verleihung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Starke Frauen und eine deutsche Oscar-Dokumentarauszeichnung

Sinnbildlich zu verstehen ist sicherlich auch die Auszeichnung von Autumn Durald Arkapaw, die mit „Blood and Sinners“ als erste Frau und zugleich “Farbige“ den Oscar für die Kategorie „Beste Kamera“ erhielt. Talent und Impact first.

Ebenso berührte die beeindruckende Rede von Barbara Streisand, die sich auf ihren verstorbenen Kollegen Robert Redford bezog und damit einen wesentlichen Kernpunkt für die Bewegung starker Frauen ausmacht. „Er war ein brillanter Schauspieler, und vor allem ein Mann mit Rückgrat“, charakterisierte sie die Hollywood-Legende. Genau um diese Unterstützung geht es, was aktuell viele globale Initiativen, darunter UN Women Deutschland mit der „Generation Equality“ insbesondere rund um den Weltfrauentag sichtbar machten und damit offensichtlich auf viel Zustimmung stießen.

Freuen konnten wir Deutschen uns am Abend der 98. Oscarverleihung dann doch auch noch: Mit „Ein Nobody gegen Putin“ räumte die deutsche Koproduktion in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ab und glänzte durch politische Produktionskunst. Entstanden als Gemeinschaftsprojekt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt DR aus Dänemark, der BBC aus Großbritannien, sowie Arte und ZDF.

Wende Museum: Deutsche Hochkultur in Hollywood

Treffpunkt für die deutsche Film- und Kulturszene war schon am Tag zuvor das Wende Museum im kalifornischen Culver City. Geschichtlich geprägt durch die weltweit größte Sammlung von Artefakten aus der DDR, zeigte sich hier mit zahlreichen, angereisten Akteuren und Akteurinnen aus Politik, Wirtschaft sowie der Kunst- und Filmszene, wie stark die europäische Filmkultur ist. Ein Zusammenhalt, örtlich geprägt in der Villa Aurora, die über das ganze Jahr hinweg mit vielen Veranstaltungen Gemeinschaftssinn, Netzwerk und kulturelle Begegnungsräume fördern und den alljährlichen Höhepunkt mit der Pre Oscar Reception finden, bei der schon vor der „Nacht der Nächte“ die Nominees bekannt gegeben werden.

Thomas Mikusz, Moderator der diesjährigen Pre Oscar Reception sagt: „In 2026 standen viele Deutsche im Rampenlicht, darunter Michael Ralla und Guido Wolter, die zwar leider ausgingen, vorher aber mit besonderen, visuellen Effekte von ‚Blood & Sinners‘ nominiert im Fokus standen.“

Ralla stammt aus Achern im Schwarzwald, Wolter ist gebürtiger Dessauer. Eine der Bauhausstädte, die schon damals das, was auch das heutige New European Bauhaus der Europäischen Kommission unter Leitung der Präsidentin Ursula von der Leyen mit der Mission „Beautiful. Sustainable. Together.“ ausmacht und erneut in Bewegung bringt: Gemeinsam durch Kunst, Kultur und Kommunikation Räume öffnen, Dialoge fördern und verbindende Begegnungen generations- und länderübergreifend möglich machen. Etwas, das trotz der aktuellen Weltlage auch in diesem Jahr europäisch und global ganz wunderbar gelungen ist.


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