menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Venezuela, Kuba, Grönland und das Schwert des Donokles: Wie Trump die Monroe-Doktrin schärft

24 0
06.01.2026

06. Januar 2026 | Ansgar Graw

Der US-Präsident erhebt klare Ansprüche auf "die Amerikas". Militärische Drohungen, geopolitische Härte und der Kampf gegen China und Russland machen Lateinamerika erneut zur amerikanischen Einflusssphäre – mit gefährlichen Folgen

VON ANSGAR GRAW

Die geopolitische Landkarte ist im Umbruch, und dafür sorgt Donald Trump.

Was wir erleben, ist eine historische Rückorientierung der USA um gut 200 Jahre. Der damalige Präsident James Monroe verkündete 1823, der amerikanische Doppelkontinent sei die Interessenssphäre der USA, andere Mächte hätten dort nichts verloren. Die ursprüngliche „Monroe-Doktrin“ nahm insbesondere europäische Ambitionen „in den Amerikas“ ins Visier. Im 20. Jahrhundert wurde daraus eine Kampfansage an sowjetisch-unterstützte Rebellenbewegungen in Mittel- und Südamerika und in der Karibik. Im 21. Jahrhundert soll Donald Trumps Neuauflage des alten Konzepts, inzwischen als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet, vor allem russischen und chinesischen Einfluss zurückdrängen.

Diese Einflussversuche sind nicht herbeiphantasiert. In der Nacht auf den 3. Januar wurde auch eine chinesische Delegation, gerade zu Gesprächen mit Maduro eingetroffen, wie der Rest von Caracas vom Lärm der Luftangriffe geweckt. Der chinesische Staatskonzern CITIC hat 2012 die erste umfassende geologische Untersuchung der kritischen Bodenschätze Venezuelas durchgeführt und verfügt bis heute als einziges Unternehmen über dessen Ergebnisse. Und im geostrategisch so wichtigen Panama hat Trump durch scharfe Rhetorik und die Drohung, sich „den Kanal zurückzuholen“, schon im Frühjahr dafür gesorgt, dass chinesische Betreiber der Hafenanlagen an den beiden Zugängen zum Panamakanal durch US-Firmen ersetzt........

© The European