Was zwischen Washington und Peking entsteht
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Was zwischen Washington und Peking entsteht
01. Juni 2026 | Anja Georgia Graw-Bärwalde | Lesezeit: 6 Min.
Beim IISS Shangri-La-Dialog in Singapur machten Asiens Mittelmächte deutlich: Sie wollen sich weder den USA noch China unterordnen – und beanspruchen eigene Gestaltungsmacht im Indo-Pazifik
VON ANJA GEORGIA GRAW-BÄRWALDE
Singapur war Ende Mai nicht nur Bühne der großen Sicherheitsrhetorik. Der 23. IISS Shangri-La-Dialog vom 29. bis 31. Mai 2026 zeigte vor allem, wie sich der Begriff von Sicherheit verändert hat: weg von der klassischen Vorstellung militärischer Abschreckung, hin zu einem komplexen Geflecht aus Technologie, Lieferketten, Datenströmen, Seewegen und strategischen Abhängigkeiten.
Während offiziell über China, die Zukunft der amerikanischen Bündnisse, Iran und die Stabilität des Indo-Pazifik gesprochen wurde, kreiste die eigentliche Debatte zwischen 54 Ministerdelegationen und zahlreichen Militärchefs aus 44 Staaten um eine grundlegendere Frage: Wie lässt sich in einer Welt wachsender Rivalitäten noch Stabilität organisieren?
Die Konferenz machte deutlich, dass sich der Indo-Pazifik immer stärker zum sicherheitspolitischen Gravitationszentrum der Welt entwickelt. Fast alle wichtigen Akteure der Region investieren massiv in Marinekapazitäten, Raketenabwehr, Cyberfähigkeiten, Drohnentechnologie und den Schutz kritischer Infrastruktur. Die Sicherheitsordnung Asiens befindet sich in einer tiefgreifenden Neuvermessung. Der Wettbewerb zwischen den USA und China bleibt ihr Kern – doch immer mehr Staaten versuchen, sich zwischen den beiden Machtpolen strategischen Handlungsspielraum zu bewahren.
Im Mittelpunkt vieler Gespräche stand deshalb nicht allein die Rivalität zwischen Washington und Peking, sondern die Frage, wie Sicherheit in einer zunehmend fragmentierten Welt organisiert werden kann. Besonders sichtbar wurde dies an einem Thema, das lange als technische Randnotiz galt: dem Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur.
Die unsichtbare Front
Singapurs Verteidigungsminister Chan Chun Sing stellte gemeinsam mit Partnerstaaten die Initiative GUIDE vor, die den Schutz von Unterseekabeln, Energieleitungen und Pipelines verbessern soll. Was zunächst technokratisch klingt, berührt das Nervensystem der globalisierten Welt. Rund 95 Prozent des internationalen Datenverkehrs laufen über Kabel auf dem Meeresboden. Werden sie beschädigt oder sabotiert, geraten........
