Schnell, wendig, frei
D ie Ärztin im Wiener Unfallkrankenhaus schaut mitleidig. „Drei Zähne, Rissquetschwunde oben. Unten Lippe fast durch. Wie ist das denn passiert?“, fragt sie. „E-Roller“, antworte ich einsilbig durch meine Schlauchbootlippen. Heute, ein Jahr später, bin ich mehr denn je Leihroller-Enthusiast. Allein mit dem Anbieter Lime bin ich inzwischen 1.247,7 Kilometer gefahren, exakt 520 Fahrten waren es.
Dabei tauchten die kleinen grünen Dinger auch in meinem Leben zuerst als Hassobjekte auf. Plötzlich waren da diese Hindernisse im öffentlichen Raum, eine Zumutung, finanziert durch nebulöses Techkapital. So etwas ist typisch für den Zustand der „Postdemokratie“, wie ihn der britische Politikwissenschaftler und Soziologe Colin Crouch beschrieben hat: In keiner demokratischen Abstimmung hat jemals irgendwer für E-Scooter gestimmt. „Die Dinger gehören abgeschafft!“, dachte ich damals – ohne zu wissen, was mir entging.
Meinen........
