Wikipedia sperrt Larry Sanger unbefristet
Wikipedia sperrt Larry Sanger unbefristet
Wikipedia sperrt Mitgründer Larry Sanger unbefristet. Der Fall verschärft die Kritik an der Schieflage und den vorhandenen Machtstrukturen.
Ein Mitgründer wurde zum Störer
Der politische Teil entsteht durch Auswahl
Israel und Palästina als Beispiel
Wer hat bei der Wikipedia die Deutungshoheit?
Die Sperre bestätigt die vorhandene Problematik
Aus der Gründerfrage wird um Larry Sanger die nächste Machtfrage
Die englischsprachige Wikipedia hat Larry Sanger unbefristet gesperrt. Damit trifft es nicht irgendeinen Kritiker, sondern den Mitgründer, der seit Jahren davor warnt, dass Wikipedia bei politisch aufgeladenen Themen nicht so offen arbeitet, wie es die Plattform nach außen darstellt.
Der frühere Streit um Jimmy Wales und die Gründerfrage war schon ein deutliches Warnsignal. Damals ging es darum, wer die Online-Enzyklopädie Wikipedia eigentlich gegründet hat und warum man Larry Sangers Anteil bis heute klein redet. Jetzt trifft es Sanger selbst. Aus der alten Gründerfrage wurde damit ein ganz aktueller Sperrfall.
Ein Mitgründer wurde zum Störer
Sanger kritisiert keine Randnotiz und auch keinen einzelnen Artikel. Er greift die Strukturen dahinter an. Quellenpolitik, Administratorenmacht, Konsensverfahren und eingespielte Netzwerke entscheiden darüber, welche Sichtweise als ausgewogen gilt und welche gar nicht erst durchkommt. Dort entsteht der politische Teil von Wikipedia. Nicht über ein offizielles Parteiprogramm, sondern über Auswahl, Begriffe und Quellen.
Die Community begründet die Sperre mit dem etwas irreführenden Begriff „Off-Wiki-Canvassing“. Sanger soll außerhalb von Wikipedia Unterstützer für interne Diskussionen mobilisiert haben. Hinzu kam der Vorwurf, er sei nicht dort, um etwas zur Enzyklopädie beizutragen. In der Sprache der Wikipedia stuft man Larry Sanger deswegen als einen Störenfried ein.
Auch wenn viele es sicherlich gerne hätten, lässt sich der Vorwurf diesmal nicht einfach unter den Teppich kehren. Wikipedia möchte keine internen Abstimmungen, die von außen aufgeheizt werden. Das erklärt aber nicht, warum der aktuelle Fall so heikel ist. Sanger wollte mit dem „WikiProject Intellectual Diversity“ genau die Strukturen verändern, die er seit Jahren öffentlich kritisiert. Für ihn ging es um eine Reform des Wiki-Universums. Für Teile der Community offenbar eher um den Schutz der eigenen Spielregeln.
Der politische Teil entsteht durch Auswahl
Bis heute präsentiert sich die Plattform Wikipedia der Öffentlichkeit als angeblich „neutrales“ Wissensprojekt. Bei politischen und gesellschaftlich umkämpften Themen ist dieser Anspruch jedoch nicht mehr haltbar.
Das bedeutet allerdings nicht, dass man Wikipedia komplett abschreiben oder in die Ecke der Meinungszensur stellen müsste. Der politische Teil ist jedoch problematisch. Dort entscheidet eine eingespielte Community darüber, welche Quellen verwendet werden, welche Begriffe gesetzt werden und wie die Einordnung im Artikel aussehen soll. Das ist keine neutrale Mechanik. Wer Quellen zulässt, andere abwertet und Begriffe festlegt, trifft Wertungen, die ein neutrales........
