ChatBots erzählen zu oft Unsinn: Interview mit dem BRAIN-Entwickler Heiko Janicke
ChatBots erzählen zu oft Unsinn: Interview mit dem BRAIN-Entwickler Heiko Janicke
BRAIN ist eine kostenlose wie lokale KI-Plattform, bei der keine Daten abfließen. Wir haben uns kürzlich mit ihrem Entwickler unterhalten.
BRAIN halluziniert nicht, sollte es keine Antwort geben
BRAIN geht einen ganz anderen Weg als die Konkurrenz
Kein Orakel, sondern ein ehrlicher Bibliothekar
Geringe Anforderungen an die Hardware
BRAIN ist mehrschichtig vor Plagiaten geschützt
Die KI-Entwicklung hat die Richtung geändert
Vertrauen in eine KI ist wichtiger, als die Größe oder Geschwindigkeit
KI-Gesetze der EU sind ein Wettbewerbsvorteil
Heutige Chatbots liefern "Gewissheit" ohne Herkunft
Mit dem Begriff brain.exe ist eigentlich die Intelligenz der Person gemeint, die vor einem Computer sitzt. Umso gewiefter der Nutzer ist, in umso weniger Probleme bringt man die eigene Hardware. Doch in diesem Fall ist BRAIN eine KI, die Heiko Janicke selbst entwickelt hat. Nicht nur, dass jeder Datenschützer an diesem Modell seine Freude hätte. Die Software läuft auch auf älteren PCs und benötigt keine NPU oder eine moderne Grafikkarte, um zu funktionieren. Die KI ist so konzipiert, dass sie sogar auf einem Raspberry Pie laufen kann.
BRAIN halluziniert nicht, sollte es keine Antwort geben
Eine der wichtigsten Unterschiede dürfte auch sein, dass diese KI-Plattform grundsätzlich keine Antwort gibt, wenn sie keine findet. Sie versucht nicht, wie die meisten anderen, die wahrscheinlichste als die richtige Antwort zu präsentieren. Wer weitere Informationen sucht, kann sich zudem bei den jeweils von BRAIN mitgelieferten Quellenangaben bedienen.
Kurz gefasst: Dies ist eine KI-Plattform bzw. ein Agentensystem, bei dem verschiedene Modelle und Werkzeuge zusammenarbeiten. Janicke legt viel Wert auf die darüberliegende Logik. Die Plattform fragt sich stets, was sie weiß, wie sicher sie ist und welche Werkzeuge oder Quellen sie für ihre Antwort benötigt. Alle Nutzer von Windows 10 oder 11 können diese KI-Plattform kostenlos von hier herunterladen. Nach dem Download des Installers mit 1,7 GB ist die lokale KI einsatzbereit, sobald sie alle für die Arbeit benötigten Informationen integriert hat. Es handelt sich nicht um ein primär kommerzielles Projekt. Es gibt zwar kostenpflichtige Erweiterungen, aber kein Abo-Modell. Zudem beinhaltet die kostenlose Version keine Einschränkungen, sie ist vollständig nutzbar.
Da das Hobbyprojekt über kein teures Herausgeber-Zertifikat verfügt, muss man bei der Installation kurz bestätigen, dass man das Programm trotz der Warnung vom Windows Defender installieren möchte. Aktuell kostet die Entwickler ein öffentliches OV-Code-Signing-Zertifikat zirka 600 Euro pro Jahr. Der Preis schwankt dabei bis zu 200 Euro je nach Anbieter, Kaufmodell und Laufzeit.
tarnkappe.info: Vielleicht möchten Sie sich unseren Leserinnen und Lesern zu Beginn kurz vorstellen?
Heiko Janicke: Mein Name ist Heiko Janicke, ich bin 50 Jahre alt und wohne in Geseke. Vorher war ich kaufmännischer Angestellter; heute beziehe ich eine Rente wegen voller Erwerbsunfähigkeit. Das sage ich so offen, weil ich ein ehrliches Produkt verkaufe — da fange ich am besten bei mir selbst an. Die Krankheit hat mir den alten Beruf genommen, aber sie hat mir auch etwas gegeben: die Zeit und die Ruhe, die ein Projekt wie dieses braucht.
Ich arbeite am liebsten schriftlich und konzentriert, und so ist BRAIN entstanden — nicht im Großraumbüro, sondern zu Hause, Schritt für Schritt, jeden Tag ein Stück.
BRAIN geht einen ganz anderen Weg als die Konkurrenz
tarnkappe.info: Wie sind Sie zum Thema Künstliche Intelligenz gekommen? Was reizt Sie daran?
Heiko Janicke: Über die Praxis, nicht über die Theorie. Ich habe mit den großen Chatbots gearbeitet und mich immer wieder über dasselbe geärgert: Sie klingen brillant und erzählen trotzdem manchmal Unsinn — mit voller Überzeugung. Mich reizt die Frage dahinter: Muss das so sein? Oder kann man eine Maschine bauen, die nur sagt, was sie belegen kann — und ehrlich zugibt, wenn sie etwas nicht weiß?
Das ist weniger eine technische als eine Charakterfrage, und die hat mich gepackt.
tarnkappe.info: Wie kommt man auf die Idee, alleine eine KI zu erstellen? Mit welcher Motivation? Monetäre Gründe können ja kaum im Vordergrund stehen…
Heiko Janicke: Ehrlich gesagt: aus Sturheit. Überall stand, ohne Rechenzentrum und Millionen-Budget gehe es nicht. Das wollte ich nicht glauben. Meine Motivation ist zu zeigen, dass ein einzelner Mensch mit normaler Hardware etwas bauen kann, das in seinem Revier — ehrliche, belegte Antworten — mit den Großen mithält. Geld spielt schon eine Rolle, ich verkaufe BRAIN ja auch; aber es ist eher die Rente aufbessern als das Silicon-Valley-Märchen. Der eigentliche Lohn ist, dass es funktioniert.
Kein Orakel, sondern ein ehrlicher Bibliothekar
tarnkappe.info: Bitte für Laien verständlich: Was........
