Was Medien der Demokratie schulden und was sie (nicht) leisten können
Was früher eine gemeinsame Öffentlichkeit war, ist heute in viele Teilwelten zerfallen. Mitverantwortlich sind Medien, die nach unterschiedlichen Logiken funktionieren.
Ein gewöhnlicher Feierabend – und doch findet Öffentlichkeit hierzulande längst in völlig getrennten Räumen statt: Im Wohnzimmer älterer Menschen flimmert «Schweiz aktuell», berichtet wird über das neue Friedhofsreglement einer Kleingemeinde. 18- bis 34-Jährige konsumieren derweil bevorzugt Kurzvideos auf sozialen Plattformen, in denen junge Nationalrätinnen für Frauenschutz-Gelder mobilisieren.
Was hier sichtbar wird, ist mehr als der bekannte Generationenunterschied bei der Frage, aus welchen Quellen verschiedene Bevölkerungsgruppen ihre politischen Informationen beziehen. Es ist das Ergebnis von Medien, die nach grundverschiedenen Logiken funktionieren – ein Umstand, der selbst in den entscheidenden Wochen vor der SRG-Halbierungsinitiative kaum offen benannt wird.
Private Medien und soziale Netzwerke folgen einer klaren Reichweitenlogik: Sie wollen möglichst viele Menschen erreichen, ihre Aufmerksamkeit fesseln und Interaktionen erzeugen. Deshalb setzen sie auf Themen, die besonders stark polarisieren.
Eine neue Studie aus Harvard zeigt: In den Vereinigten Staaten entdeckten private Medien den viel beschworenen «Kulturkampf» als Geschäftsmodell. Neu aufkommende Kabelsender wie Fox News (ab 1996)........
