menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Das späte, sehr bewusste "Ja zu Gott"

3 0
latest

» Das hat mich nicht mehr losgelassen « 

Für den Akademiker Riccardo Wagner war das Christentum mit „seinen intellektuellen Hürden“ wie etwa der Jungfrauengeburt und der Wiederauferstehung der Toten lange Zeit seines Lebens „die absurdeste aller Religionen“. Und doch ist der Hochschuldozent aus Brühl in der Osternacht 2024 in die katholische Kirche eingetreten. In der Kölner Kirche Sankt Andreas ließ er sich taufen und firmen und nahm die Erstkommunion entgegen.

Geboren wurde Wagner in Gera, aufgewachsen ist er in Altenburg. 1989 sind seine Eltern zusammen mit ihm, kurz vor der Wende, aus der DDR nach Hamburg ausgereist. Obwohl seine Mutter getaufte Christin war, spielte der Glaube in seiner Kindheit keine Rolle. Trotzdem interessierte sich Wagner bereits als Jugendlicher für Philosophie und Spiritualität. Vor allem die großen Fragen des Lebens beschäftigten ihn. Er befasste sich mit fernöstlichen Weltanschauungen: „Aber so richtig befriedigt und direkt angesprochen hat mich das nicht.“ 

Wagner war in seinem Leben schon vieles. Er war bei der Bundeswehr, hat Bankkaufmann gelernt und berufsbegleitend Geschichte, Politik, Literaturwissenschaft und Unternehmenskommunikation studiert. Er hat als Finanz- und Wirtschaftsjournalist gearbeitet. Heute ist er Professor für Nachhaltiges Management und Kommunikation an der Fresenius-Hochschule in Köln.

Als 2011 sein Sohn geboren wurde, gewannen die Fragen nach „Sinn und Orientierung – was gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?“ für ihn neu an Zugkraft: „Das Vatersein hat mich sehr geprägt.“ Zudem keimte in ihm der Gedanke auf: „Genau wie ich selbst ja wollte, dass mein Sohn lebt, könnte auch ein Schöpfer aus Liebe uns Menschen auf dieser Welt gewollt haben.“ Doch so ganz überzeugt war der Kopfmensch damit noch nicht.

„Was gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?"

„Was gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?"

Erst 2014 kam es zur Initialzündung, wie Wagner sagt. Bei einer Tagung von Wirtschaftsethikern in einem Frankfurter Exerzitienhaus stieß er auf das Buch „Reifes Leben“ des Franziskaners Richard Rohr. Darin der Satz: „Wir müssen Gott nicht suchen, Gott macht sich auf den Weg zu uns.“ Diese Worte ergriffen Wagner. Von da an beschäftigte er sich intensiv mit dem Christentum. Gut zehn Jahre lang. 

„Manchmal habe ich mich eingeschlossen und nur noch gelesen und Videos geguckt. Meine Frau weiß, ich steigere mich gerne mal in Sachen hinein“, sagt Wagner und lacht. Insgesamt las er gut 200 Bücher, unter anderem die Bibel, den Katechismus der katholischen Kirche sowie das Kompendium der Soziallehre. „Das alles hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen“, sagt er. Vor allem der „Dialog der göttlichen Vorsehung“ von Katharina von Siena beeindruckte ihn. Ihm wurde klar: Das Christentum, das ihn „zugleich irritierte und faszinierte“, würde er fortan nicht mehr loslassen können.

Doch Wagner ahnte, allein über den Intellekt würde das Christsein nicht gelingen. Er fing an, sich „mit der Gebetskultur zu beschäftigen“. Irgendwann hielt er einen Rosenkranz in den Händen. „Das war der entscheidende Moment, in dem auch das Herz dazukam. Ich bin ein eher haptischer Mensch.“ Auch in der Familie schlägt Wagners Leidenschaft inzwischen Wellen. Im vergangenen Jahr ließ sich sein Sohn taufen. In diesem Jahr möchte seine Frau, bisher eine Protestantin, zum katholischen Glauben übertreten. „Ästhetisch hat uns die katholische Kirche und ihre Liturgie schon immer viel mehr angezogen als die evangelische“, sagt Wagner.

» Ich habe das Du gebraucht « 

Dreißig Jahre lang war Jutta Ach konfessionslos, bis sie ein inneres Erlebnis hatte. „Das war am 19. Mai 2023“, sagt sie. „Bei der Beerdigung eines Freundes. Schon das Requiem hat mich total beeindruckt. Vielleicht auch, weil der Priester wie ich ein Bayer war.“ Als sie später am Grab stand, erfüllte sie eine „tiefe Gewissheit“. Mit allen Fasern spürte sie: „Das, was der Priester gerade gesagt hat, ist die Wahrheit. Der Tod ist nicht das Ende.“ In den Stunden danach erlebte die heute 60-jährige Frau „eine große Ruhe, ein Friedensgefühl, fast so, als wäre ich in Watte gepackt“. Knapp ein Jahr später trat sie in die katholische Kirche ein.

Geboren wurde Ach in Gerolzhofen, rund 20 Kilometer von der Abtei Münsterschwarzach........

© Tag des Herrn