Wie der Allrad-Spezialist Kramer aus Pfullendorf die Krise hinter sich lässt
Wie erkennt man, wenn es bei einer Firma rund läuft? Christian Stryffeler überlegt kurz. Dann sagt er. „Es gibt da drei Dinge: Wenn man durch die Fabrik geht, müssen die Mitarbeiter einen kurz anlächeln. Es muss sauber sein und das Material muss ständig im Fluss sein und darf sich nirgends stauen. Dann läuft‘s!“
Der 62-jährige Geschäftsführer des Bau- und Landmaschinenherstellers Kramer steht auf dem Pausendeck im Pfullendorfer Kramer-Werk, etwa drei Meter über der Produktionsebene, und blickt auf die riesige Werkshalle vor seinen Füßen. Dort spielt sich ungefähr das ab, was der gebürtige Schweizer gerade beschrieben hat. Aus dem voll automatisierten Hochregallager entnehmen Roboter Bauteile und laden sie auf autonome Transportfahrzeuge. Diese fahren die Bleche, Achsen und Motoren zu den einzelnen Stationen, an denen Rad- und Teleskop-Lader montiert werden. „Die gelben Fahrzeuge werden auf Baustellen eingesetzt, die grünen nutzen Landwirte“, sagt Stryfeller. Rund 30 der bis zu 5,5 Tonnen schweren Geräte rollen täglich aus dem Produktionswerk des Traditionsherstellers im badischen Pfullendorf heraus. Mit rund 650 Mitarbeitern ist man dort der zweitgrößte Arbeitgeber - nach dem Sanitärspezialisten Geberit, der in Wurfweite seinen größten Produktionsstandort weltweit betreibt.
Früher hat Kramer vor allem Traktoren produziert. Zuerst in Gutmadingen im Landkreis Tuttlingen, ab Anfang der 1950er Jahre in Überlingen am Bodensee, wo sich auch die Konzernzentrale befand. Die damals schnell fortschreitende Mechanisierung der Landwirtschaft bediente Kramer mit seinen grünen Traktoren, auf deren Haube das charakteristische Logo mit der Ähre und dem Zahnkranz prangte. Was damals bei Kramer vom Band lief, zählte zum Besten, was die Landtechnik zu bieten hatte. Mit dem legendären „Allesschaffer“-Traktor........
