Um Gottes Willen: Wie Trump den Krieg zur Religionsfrage macht
Franklin Graham sieht den Präsidenten der USA in der Rolle der biblischen Gestalt Esther, die laut Überlieferung des Alten Testaments die Juden vor der Vernichtung durch den persischen König rettete. Trump sei von Gott „für eine Zeit wie diese“ geschaffen worden, verkündete der evangelikale Prediger allen Ernstes bei einem Treffen religiöser Führer vor Ostern im Weißen Haus.
Ein von Gott gesalbter Präsident, der den Kampf gegen das Böse führt – so sieht es auch Paula White, Trumps Religionsberaterin, die zum Mittagessen der christlichen Nationalisten an die Pennsylvania Avenue geladen hatte. Wie Jesus sei Trump verfolgt worden. „Es hat beinahe dein Leben gekostet,“ verklärt sie den Kriegsherrn. Und wie der auferstandene Christus werde er „siegreich sein in allem, woran du Hand anlegst, Amen, denn Gott ist mit dir und Gott benutzt dich“.
Seit dem Attentatsversuch hält Trump sich für einen Auserwählten
Dass er ein Auserwählter ist, glaubt Trump spätestens seit dem überlebten Attentatversuch im Wahlkampf 2024. In den vergangenen Tagen hat er damit begonnen, den Konflikt zunehmend in religiösen Kategorien zu deuten. Er drohte den Mullahs in Iran wie ein zorniger Prophet aus dem Alten Testament, die Blockade der Straße von Hormus zu beenden. „Die Zeit läuft ab. 48 Stunden, bevor die Hölle auf sie herabregnen wird. Ehre sei Gott!“
Nicht nur die Wortwahl wird immer martialischer. Gleichzeitig bringt er immer umfassendere Angriffe ins Spiel. Auf einer Pressekonferenz am Montag gab Trump auf die Frage eines Reporters, ob er angesichts der Eskalation Gottes Führung gesucht habe, eine denkwürdige Antwort. Gott gefalle sicher nicht, was gerade geschehe. „Mir gefällt nicht, was passiert“.
Dass Gott auf Seiten der USA steht, ist für Trump ausgemachte Sache. Als Beleg sieht er die Rettung eines US-Luftwaffenpiloten, der in einer bergigen Region abgeschossen worden war. „Nun, es war Ostern“, stellt er einen Zusammenhang zu der Mission der Militärs her. „Gott hat über uns gewacht. Erstaunlich.“
Pete Hegseth zieht Parallele zu Jesus Christus
Das motivierte Pete Hegseth, den geretteten Soldaten sogar mit dem Auferstandenen zu vergleichen. Der Kriegsminister mit dem Kreuzritter-Tattoo zog im Weißen Haus eine Parallele zu Tod, Grablegung und Auferstehung Christi. Der US-Soldat sei an einem Karfreitag abgeschossen worden. Er habe sich den ganzen Samstag über in einer Höhle versteckt. Am Ostersonntag sei er gerettet worden. „Gott ist gut.“
Im scharfen Kontrast zu dieser Proklamation steht Trumps Drohung, Iran in „vier Stunden auszuknipsen“ und „in die Steinzeit zurück zu bomben“. Ebenso irritierte sein rhetorisches Suhlen in Allmachtsfantasien vor den Reportern. Da schwelgte er wie ein wütender Gott im Alten Testament von der Vernichtung des Feindes. Im konkreten Fall mit der „vollständigen Zerstörung der zivilen Infrastruktur“ Irans. „Es wird in einem Zeitraum von vier Stunden geschehen, wenn wir wollen“.
Scharfe Kritik kam aus dem Vatikan. Papst Leo XIV. rückte Trumps Rhetorik in die Nähe der Blasphemie. „Gott hört nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen“, hatte er bereits am Palmsonntag gepredigt. Am Ostertag legte er nach. „Wer Waffen hat, soll sie niederlegen! Wer die Macht hat, Kriege zu entfesseln, soll den Frieden wählen.“
George W. Bush ging im Irak einen anderen Weg
Bereits zu Beginn des Krieges hatten sich Soldaten darüber beschwert, dass Offiziere versucht hatten, den Konflikt mit dem Mullah-Regime religiös aufzuladen. Eine Gruppe von 30 demokratischen Abgeordneten forderte in einem Schreiben an den Generalinspekteur des Pentagon, Berichte über die Predigt „biblischer Endzeitprophezeiungen“ durch Offiziere aufzuklären. Die Abgeordneten mahnten, „militärische Operationen müssen sich an Fakten und Gesetzen orientieren, nicht an Endzeitprophezeiungen und extremen religiösen Überzeugungen“. Zur Erinnerung: Als George W. Bush einst den Befehl zur Invasion des Irak erteilte, gab er sich alle Mühe, den Eindruck zu zerstreuen, es handele sich um einen Krieg gegen Muslime. Er besuchte Moscheen. Er sprach vom Islam als Religion des Friedens.
Im Krieg gegen Iran gebraucht Trump dagegen eine von christlichem Nationalismus durchtränkte Sprache. Der Präsident der USA droht den „verrückten Bastarden“ mit der Hölle und preist im selben Atemzug mit höhnischem Unterton Allah. Für die Hardliner in Teheran ist das ein Geschenk, weil sie den Konflikt nun ihrerseits als „heiligen Krieg“ gegen „den großen Satan“ verkaufen können.
Stunden vor Ende seines Ultimatums schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren.“ Er wolle nicht, dass das passiere, aber es werde wahrscheinlich dazu kommen.
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