menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Trump denkt über Kriegsende nach – oder doch nicht?

14 0
10.03.2026

Wenn es nach Donald Trump geht, stehen die USA kurz vor einem „großartigen“ Sieg gegen Iran. Nach dem Bombardement von 5.000 Zielen seien die gegnerische Marine versenkt, 90 Prozent der Raketen zerstört und die Zahl der Drohnenangriffe auf ein Minimum reduziert worden. Zudem habe man zwei Führungsebenen ausgeschaltet. In nicht einmal zehn Tagen sei bei dem – so wörtlich – „kleinen Ausflug“ nach Iran ein „sehr umfassender“ Erfolg erzielt worden. „Wir haben in vielerlei Hinsicht gewonnen“, lobte Trump den Militärschlag gegen Iran vor Parteifreunden in seinem Golfclub Doral in Florida.

Analysten werten Trumps Kriegsende-Äußerungen als Beruhigungspille für Finanzmärkte

Dass der Krieg aber kurz vor dem Ende stehe, wie er vorher in einem TV-Interview mit CBS angedeutet hatte, wollte der Präsident dann nicht bestätigen. Auf die Frage, ob er beabsichtige, den Krieg diese Woche zu beenden, antwortete Trump: „Nein, aber bald. Sehr bald.“ Am Ende war die Verwirrung komplett.

Analysten deuteten Trumps Ansprache eher als Versuch, die Finanzmärkte zu beruhigen, die angesichts explodierender Ölpreise auf über 120 Dollar pro Barrel in Aufruhr sind. Was der Präsident wirklich will, blieb so unklar wie die Gründe, warum er die USA in einen Krieg mit dem Iran geführt hat.

Geht es um einen Regimewechsel, wie Trump anfangs behauptete? Oder die Beseitigung einer atomaren Gefahr für die USA, die Trump eigentlich schon im vergangenen Sommer nach dem Militärschlag gegen die Nuklearanlagen des Iran für obsolet erklärt hatte. Oder wollte er Israel bei der Degradierung der Raketen- und Drohnenkapazitäten helfen?

US-Militär steht bei Kampf gegen Irans Seeblockade vor einem Dilemma

Klarer dagegen wird nach zehn Tagen Bombardierung des Iran, dass die militärische Überlegenheit in der Luft an ihre Grenzen stößt. Das Regime steht entgegen optimistischer Erwartungen nicht vor dem Zusammenbruch, sondern hat ein trotziges Signal gesetzt mit der Berufung des Sohnes des getöteten Religionsführers Ali Chamenei, des Hardliners Modschtaba Chamenei, zu dessen Nachfolger. Militärisch gelingt es dem Iran noch immer, die „Straße von Hormus“ zu blockieren. Die schmale Meerenge ist die Schlagader der Weltwirtschaft, durch die normalerweise ein Fünftel des globalen Öls fließt und deren Ausfall weltweit die Preise an den Tankstellen empfindlich steigen ließ.

Die US-Navy steht an der nur 38 Kilometer breiten Meerenge vor einem Dilemma. Entweder lässt sie die Straße von Hormus blockiert oder sie schickt ihre Schiffe in eine Gefahrenzone, um die Durchfahrt von Handelsschiffen zu begleiten. Ein erhebliches Risiko, da Iran die Meerenge mit Minen, Raketen und Drohnen zu einem „Tal des Todes“ gemacht hat, wie ein Insider es nannte.

Trump telefonierte sogar mit Wladimir Putin, der helfen soll, den Ölschock abzudämpfen. Er bot dem russischen Präsidenten an, wegen des Überfalls auf die Ukraine verhängte Sanktionen zu lockern, um mehr Öl und Gas auf den Markt zu bringen. Im Tonfall seines Vorbilds im Kreml spielte Trump nach dem einstündigen Gespräch den Angriff auf Iran als „kleinen Ausflug“ herunter.

Doch die Lage vor Ort ist komplizierter. Ohne eine Öffnung der Straße von Hormus kann Trump keinen Sieg ausrufen. Der Präsident warnte Iran nachdrücklich davor, die Ölversorgung weiter zu blockieren. Falls das Land dies tue, „werden sie von den Vereinigten Staaten von Amerika zwanzigmal härter getroffen als bisher“.

Evakuierung von US-Botschaften deutet nicht auf rasches Kriegsende hin

Das klingt nicht nach einem schnellen Ende des Kriegs. Wie auch die vom US-Außenministerium angeordnete Evakuierung von Diplomaten aus der Türkei, Saudi-Arabien und den Golfstaaten nicht darauf hindeutet. Auch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte in einer Erklärung, Israel sei mit seinen Angriffen auf die iranische Führung „noch nicht fertig“. Netanjahu rief die iranische Bevölkerung auf, für einen Machtwechsel im Land zu sorgen. „Unser Ziel ist es, das iranische Volk dazu zu bringen, das Joch der Tyrannei abzuwerfen – letztendlich hängt es jedoch von ihnen selbst ab“, sagte er nach Angaben seines Büros. Es gebe keinen Zweifel, dass man der Führung in Teheran „mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen“ breche. Auch Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, sein Land strebe keinen Waffenstillstand an.

In den USA zeigten sich Analysten überrascht von der anhaltenden Fähigkeit Irans, wichtige Luftabwehrsysteme in der Region anzugreifen. Die Zielkoordinaten dafür lieferte offenbar Russland. Zudem zwang das Regime die USA und ihre Verbündeten am Golf, teure Abwehrwaffen gegen billige Drohnen einzusetzen. Nach Berichten der Washington Post verfeuerten die USA in den ersten Tagen des Kriegs Munition im Wert von 5,6 Milliarden Dollar. So wachsen in US-Medien die Zweifel, ob Trump den Krieg schnell beenden könnte, selbst wenn er es wollte.

Thomas Spang Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Donald Trump Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Iran Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier