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„Straße von Hormus“: Die gefährlichste Sackgasse der Welt

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12.03.2026

Der Tanker „Ping Shun“ mit 600.000 Barrel Öl an Bord konnte das Risiko wagen. „Wir sind ein chinesisches Schiff“, funkte der Kapitän des Tankers, bevor seine Crew Anfang der Woche die Meeresenge im Persischen Golf durchquerte. .„Wir kommen durch. Wir sind befreundet.“ Die Revolutionsgarden ließen das Schiff passieren. Wie fünfzehn andere Tanker der Schattenflotte, die laut der Liste des Versicherers Lloyd’s zuvor iranisches Öl auf der Insel Kharg aufgenommen hatten.

Der Iran verlädt weiter Rohöl auf seiner Kanotenpunkt-Insel

Die knapp acht Kilometer lange Insel vor der Küste Irans ist der Knotenpunkt der Ölindustrie des Landes. Gebaut von einem US-Konzern zu besseren Zeiten, laufen hier über Pipelines 90 Prozent des gesamten Öls des Landes zusammen. Während die Küstengewässer flach sind, hat das Regime von Kharg aus Zugang zu Tiefwasser, um die Schiffe zu beladen.

Von den mehr als 5.000 Zielen, die die USA und Israel in den ersten elf Tagen angegriffen haben, fiel keine einzige Bombe auf die strategisch so wichtige Insel. Sehr zur Freude des Regimes, das seit Beginn des Krieges mehr Öl von hier aus verschifft als vorher.

Gleichzeitig verlässt sich bisher keine westliche Reederei auf den von Trump in Aussicht gestellten Schutz für ihre Tanker. „Wir werden unsere Kollegen nicht in Gefahr bringen“, fasst der Chef der dänischen Maersk-Gruppe Vincent Clerc die Stimmung unter den Betreibern der Schifffahrtsrouten aus dem Persischen Golf zusammen.

US-Energieminister setzt Falschmeldung in die Welt

Nicht zum Vertrauen trug eine Falschmeldung auf der offiziellen Seite des US-Energieministeriums bei. Am Dienstag hatte Minister Chris Wright auf X gepostet, dass die US-Navy „erfolgreich einen Öltanker durch die Straße von Hormus“ eskortiert habe, „um die Ölversorgung der Weltmärkte sicherzustellen“. Der Post verschwand kurz darauf wieder, weil die Meldung schlicht falsch war.

US-Energieminister Wright steht nun als der Blamierte da, war aber nicht der Einzige, der das Risiko einer Blockade der Straße von Hormus vor dem Krieg als beherrschbar heruntergespielt hatte. Der Präsident selbst rechnete mit nicht mehr als wenigen Tagen Unterbrechung.

Eine Haltung, die sich im Kommentar der Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, spiegelt. Die kurzfristige Störung auf dem Ölmarkt durch das iranische Regime müsse in Kauf genommen werden, „für den langfristigen Gewinn, diese Terroristen und die Bedrohung, die sie für Amerika und die Welt darstellen, auszulöschen“.

Die Betroffenen sehen das weniger optimistisch. Der Vorsitzende des saudischen Ölkonzerns Aramco, Amin Nasser, warnt vor katastrophalen Folgen für die globalen Märkte, falls keine schnelle Lösung gefunden werde. Zwar habe die Region in der Vergangenheit Unterbrechungen erlebt, sagte er, „aber diese ist bei weitem die größte Krise, mit der die Öl- und Gasindustrie der Region je konfrontiert war“. Der Mann weiß, wovon er spricht. Rund ein Fünftel des gesamten Öls auf dem Weltmarkt fließt durch dieses Nadelöhr. Es kann nur zu einem kleinen Teil über Pipelines durch Saudi-Arabien an das Rote Meer umgeleitet werden. Der Rest sitzt fest. In der Folge müssen wegen fehlender Lagerkapazitäten die Quellen in der Region stillgelegt werden. Nach einer Beendigung der Blockade würde es Wochen dauern, bevor diese wieder sprudeln könnten.

Trump reagiert auf seine übliche Weise auf die hausgemachte Krise. Die Crews der Tanker sollten „Mut unter Beweis stellen“ und durch die von Experten als „Tal des Todes“ bezeichnete Meeresenge fahren, äußerte er seinen Frust auf dem Sender FOX. Doch seine in Aussicht gestellte Begleitung durch die US-Navy ist keine Lösung. Iranische Seeminen, Raketen und Drohnen bedrohen die Tanker auch mit Eskorte und machen die Kriegsschiffe selbst zum Ziel.

Sicheres Geleit gestrandeter Schiffe durch US-Marine würde Jahre dauern

Ein Blick in die Geschichte zeigt zudem, wie wenig Konvois ausrichten. Zwischen Juli 1987 und September 1988 begleiteten die USA im Krieg zwischen Irak und Iran Dutzende kuwaitischer Tanker durch die Straße von Hormus. Mehr als 30 Kriegsschiffe sicherten die Route. Experten haben ausgerechnet, dass es bei gleichem Tempo zwei Jahre und sechs Monate dauerte, um die rund 320 derzeit im Golf festsitzenden Schiffe herauszubringen. Die Kosten einer einzigen Eskorte übersteigen zudem den Wert der Ladung, die sie schützen soll.

Weil die Preise an den Zapfsäulen auch in den USA auf immer neue Höchststände klettern und die Engpässe die Inflation weiter anheizen, wird die Blockade Trump im Jahr der Zwischenwahlen zum Kongress auch politisch gefährlich. Deshalb versucht er, mit Drohungen gegen die Machthaber in Iran und der Bombardierung von Minenlegern vom größeren Problem abzulenken. Das US-Militär meldete das Versenken von 16 iranischen Minenbooten und Angriffe auf Munitionsdepots.

Iran soll noch über tausende Seeminen verfügen

Doch mit geschätzt 5.000 Seeminen, über die der Iran noch verfügen soll und die mit wendigen Schnellbooten der Revolutionsgarde verlegt werden können, reicht das nicht, das Regime in Teheran an der Verminung der Meeresenge zu hindern. Noch dazu macht der Iran weiter blendende Geschäfte mit dem von Kharg aus verschifften Öl. Die Insel aus der Luft anzugreifen, würde den globalen Leidensdruck nach Ansicht von Analysten nur vergrößern, weil diese Kapazitäten in China oder Indien ersetzt werden müssten - etwa durch das bislang von den USA sanktionierte Russland. Eine Zerstörung der Infrastruktur würde zudem über Jahre zu einer Verknappung der globalen Kapazitäten führen und einer erhofften neuen Regierung in Teheran die Existenzgrundlage entziehen.

Deshalb prüft das Weiße Haus laut US-Medien als Plan B die Entsendung von Bodentruppen, um die Insel zu besetzen und dem jetzigen Regime so seine Haupteinnahmequelle zu nehmen. Verteidigungsminister Pete Hegseth wollte diese Möglichkeit auf einer Pressekonferenz nicht ausschließen, obwohl die USA bisher keine ausreichende Zahl an möglichen Besatzungstruppen in der Region haben. Doch der Einsatz von Bodentruppen wäre in den USA höchst unpopulär und würde das Risiko für eigene Verluste im Wahljahr noch einmal steigern. Vor allem öffnet er nicht die Straße von Hormus, die für Trumps Krieg immer mehr zur Sackgasse wird.

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