Ohne Handy, ohne Strom: Sennerin Martina Fischer sucht, wovor sich andere fürchten
Es knistert und raucht in der Hüttenküche. Scheppernd schließt Martina Fischer die Luke des urigen Holzofens und klatscht in die Hände: „So, jetzt kurz warten, dann können wir Kaffeewasser kochen und die Frühstückseier braten.“ Das Feuerholz hat die 53-Jährige erst gestern von Hand gespalten, die frischgelegten Eier im kleinen Hühnerstall nebenan gesammelt. Strom, verlässlichen Handyempfang oder heißes Wasser gibt es hier oben auf der Alm im Mangfallgebirge in den Bayerischen Voralpen nicht. Solche Blackout-ähnlichen Lebensbedingungen sind für viele das absolute Horror-Szenario. „Für mich ist es die Zeit im Jahr, in der meine Seele zur Ruhe kommen kann“, schwärmt Martina Fischer.
Denn eigentlich lebt auch sie ein recht modernes Leben: Als Buchautorin und Vortragsrednerin aus Bayrischzell verbringt sie mehr als die Hälfte des Jahres in einer warmen, beleuchteten Wohnung, erarbeitet Manuskripte und Präsentationen am Computer, drück auf einen Knopf und hat eine dampfende Tasse heißen Kaffee. „Aber vor 15 Jahren habe ich das erste Mal meinen Sommer als Sennerin auf einer Alm verbracht – und seither wähle ich jedes Jahr freiwillig diese Auszeit im Blackout“, sagt sie lachend.
Damals war die gelernte Krankenschwester noch für einen mobilen Pflegedienst im Einsatz, hatte pickepacke volle Tage und hatte sich über Jahre von einem schweren Bergunfall erholt, bei dem sie sich zwei Lendenwirbel gebrochen hatte. „Ich war kurz vor der Querschnittslähmung, musste mich zurück ins Leben kämpfen“, erinnert sie sich kopfschüttelnd. Dieser Schicksalsschlag zeigt ihr, dass sie nichts mehr aufschieben sollte. „Also habe ich mir den langersehnten Traum erfüllt und einen Sommer lang auf einer Alm gearbeitet.“ Sie hilft Rinder und Ziegen im steilen Gelände von Weide zu Weide zu treiben, hält Zäune in Schuss, mäht mit der Handsense Weiden und Büsche, damit das Weideland auch Weide bleibt. „Die alten Senner haben mir immer imponiert, sie verzichten auf so viel, was ich aus dem normalen Leben gewohnt war – und trotzdem haben sie die pure........
