„Long-Covid bleibt ein wichtiges Thema“
Frau Beilharz und Herr Hanselmann, Sie haben kürzlich die Selbsthilfegruppe für Post-Covid, Post-Vac und ME/CFS am Hochrhein wiederbelebt. Wie kam es dazu?
RICARDA BEILHARZ: Die Gruppe gibt es seit 2021. Ich bin Gründungsmitglied und folgte damals dem Aufruf der Landratsämter Waldshut und Lörrach, weil ich selbst nach Unterstützung gesucht habe. Im letzten Jahr waren unsere Online-Treffen aber etwas eingeschlafen.
SVEN HANSELMANN: Weil statistisch gesehen mindestens 2,58 Millionen Menschen in Deutschland an Long- oder Post-Covid leiden und mittlerweile auch Impf-Folgen (Post-Vac) und Folge-Diagnosen wie eine ausgeprägte Belastungsintoleranz, Schmerzen und kognitiven wie körperlichen Störungen (ME/CFS) dazukommen, haben wir entschieden, die Gruppe wieder bekannter zu machen.
Haben Sie schon Zuwachs bekommen?
HANSELMANN: Ja, alleine in den letzten zwei Wochen kamen zehn neue Mitglieder dazu. Das zeigt: Das Thema bleibt wichtig und muss ernstgenommen werden.
Wie alt sind die Mitglieder und woher kommen sie?
BEILHARZ: Von unter 18 bis knapp 80 Jahre ist alles dabei. Sie kommen vom kompletten Hochrhein – von Lörrach und Rheinfelden im Westen bis nach Jestetten und Stühlingen im Osten. Ein Mitglied hat solche Symptome schon seit 30 Jahren von einem anderen viralen Infekt und jetzt endlich eine Anlaufstelle.
Wie haben Sie beide selbst die Pandemie erlebt?
BEILHARZ: Ich hatte im Oktober 2020 einen positiven Corona-Test. Die Erkrankung selbst verlief ähnlich wie eine Grippe. Aber danach wurde ich aus dem Leben gepflückt: Ich hatte wochenlang Glieder- und Muskelschmerzen, das Gefühl ständig 40 Grad Fieber zu haben, konnte nicht einmal mehr ein Glas in der Hand halten. Zwei meiner Folgeerkrankungen sind Lähmungserscheinungen und eine Blutgerinnungsstörung, wodurch ich lebensbedrohliche Darmverschlüsse hatte und während der Pandemie notfallmäßig ins Spital musste. Die........
