Massive Schäden durch den Biber an Bäumen im Jestetter Wald
Der europäische Biber war bis ins 18. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa beheimatet. Durch extreme Bejagung wegen des Fells und seines wohlschmeckenden Fleisches wurden die Bestände stark dezimiert. Ende des 19. Jahrhunderts waren der Ober- und Hochrhein biberfrei Durch konsequenten Schutz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts konnten sich die Bestände wieder erholen. Lokal wurden dabei auch Biber eingesetzt.
Biber breitet sich massiv aus
Es waren die beiden Förster, Thomas Lexer und Willi Stroppel, die Ende der 1980er-Jahre Biberspuren am Rheinufer im Altenburger Wald entdeckten. Damals eine echte Sensation. Die Population wuchs im Laufe der 90er-Jahre und die Altenburger Biberfamilie machte sich daran, die Pappelallee zwischen Kläranlage und Viertem Bad zu eliminieren. Die Bäume kamen dabei im Rhein zu liegen, was das Kraftwerk Rheinau auf den Plan brachte. Mitarbeiter des Kraftwerks entfernten die Bäume, um zu verhindern, dass einerseits die Schifffahrt behindert und andererseits das Wehr und die Hilfswehre beschädigt werden. Doch kaum waren die Bäume entfernt, lagen bereits andere Bäume im Wasser.
Das Forstamt Jestetten beratschlagte zusammen mit dem Landratsamt und der damaligen Biberbeauftragten, Bettina Sättele, wie zu verfahren sei. Da die Biber Bäume hauptsächlich im Winter fällen, um die Rinde fressen zu können, beschloss man, die Bäume über den Winter, wenn ohnehin kein Schiffsverkehr unterwegs ist, liegenzulassen und erst nach dem Beginn der Vegetationszeit zu entfernen. Besonders markante Bäume wurden mit einem Drahtgitter geschützt.
Dieses Vorgehen funktionierte fast dreißig Jahre lang, doch inzwischen hat sich die Biberpopulation so sehr ausgedehnt, dass Biber in nahezu jedem Gewässer vorkommen. Und das führt gegenwärtig zu Interessenkonflikten. Im Februar entdeckten Jestetter Waldarbeiter auf einer abgelegenen Waldfläche im Altenburger Gaishaldenloch, dass Biber auf großer Fläche eine Eichendickung, also einen rund 25 Jahre alten Eichenwald, gefällt hatten. Diese Fläche war nach dem Orkan Lothar angelegt worden, mit Steuermitteln gefördert und hunderten Arbeitsstunden gegen die Brombeere und das Rehwild gesichert. Nun sollten die Eichen eigentlich die kommenden 250 Jahre wachsen können. Mit dem Biber hatte keiner gerechnet. Jedenfalls nicht damit, dass die Tiere sich eine Fläche in mehr als 100 Meter Entfernung vom Rhein aussuchen, um ihre „Fällarbeiten“ zu verrichten.
Baumschutz steht im Fokus
Dies rief schließlich den Biberbeauftragten des Landkreises Waldshut, Fabian Gebhardt, auf den Plan. Mit einer Gruppe von Mitarbeitern kam er in den Jestetter Zipfel, um zu beratschlagen, wie vorgegangen werden kann. Einen Biber zu entnehmen ist hier weder sinnvoll noch zielführend, denn eigentlich sind Gemeinde, Behörden und die Bevölkerung froh darüber, dass es den Biber hier gibt. Also steht der Schutz der verbleibenden Bäume im Fokus. Die sogenannten Zukunftsbäume, also diejenigen, die in vielen Jahrzehnten den Altbestand bilden sollen, wurden mit massivem Drahtzaun geschützt, die weiteren Bäume mit einem Mittel eingestrichen, das den Biber vertreiben soll.
Bleibt abzuwarten, wie sich die Maßnahme bewährt. Die abgelegene, ruhige Waldparzelle steht jetzt jedenfalls im Fokus des Försters.
Der europäische Biber (castor fiber) ist mit einer Gesamtlänge von rund einem Meter und einem Durchschnittsgewicht von rund 25 Kilogramm etwas kleiner als sein kanadischer Verwandter. Biber sind lebenslang monogam und leben in kleinen Familienverbänden. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen die Tage in ihrem Bau. Biber sind reine Pflanzenfresser, hauptsächlich Blätter, Gräser und krautige Pflanzen. Im Winter frisst der Biber vornehmlich Weichhölzer.
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