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Sinken jetzt die Spritpreise? Deutschland greift auf Ölreserve zurück

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13.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise in Deutschland in luftige Höhen. An vielen Tankstellen müssen Autofahrerinnen und Autofahrer derzeit tief in die Tasche greifen: Preise von über zwei Euro pro Liter für Benzin und Diesel sind keine Seltenheit mehr, berichtet der ADAC. Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet das: Fahrten werden genauer geplant, längere Strecken womöglich verschoben und der Weg zur Tankstelle häufiger hinausgezögert. Um den Druck auf die steigenden Spritpreise zu verringern, plant die Bundesregierung neue Maßnahmen. Doch können Benzin und Diesel dadurch tatsächlich wieder günstiger werden?

Steigende Spritpreise: Wie geht Deutschland dagegen vor?

Autofahrerinnen und Autofahrer erleben derzeit einen regelrechten Preisschock an der Tankstelle. Wie der ADAC am Donnerstag, dem 12. März 2026, mitteilte, stieg der Preis für einen Liter Diesel in einer Woche um 27,1 Cent; Benzin wurde etwa 14,8 Cent teurer. In manchen Bundesländern müssen Autofahrerinnen und Autofahrer deutlich mehr zahlen: Hessen und Brandenburg verzeichnen laut der ADAC-Auswertung die höchsten Tankpreise. Am günstigsten tankt man in Saarland oder Rheinland-Pfalz – doch selbst hier kostet Benzin inzwischen über 1,96 Euro pro Liter und Diesel rund zwei Euro.

Um die rasant steigenden Spritpreise abzufedern, will die Bundesregierung nun aktiv werden: Teile der strategischen Ölreserven sollen freigegeben werden. Das kündigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Mittwoch, dem 11. März 2026, in Berlin an. Insgesamt sollen laut einer Pressemitteilung der Internationalen Energieagentur (IEA) in den 32 Mitgliedsländern über 400 Millionen Barrel Rohöl aus Notfallreserven freigegeben werden – eine Menge, die laut dem IEA-Generaldirektor Fatih Birol bisher noch nie aus Reserven entnommen wurde. Deutschland selbst wird rund 19,5 Millionen Barrel bereitstellen. Mit dieser Maßnahme erhofft man sich, den Preisanstieg an den Tankstellen zu dämpfen und Autofahrerinnen und Autofahrer zu entlasten.

Können Ölreserven die Spritpreise wirklich senken?

Um die stark gestiegenen Spritpreise zu stabilisieren, sollen also fast 20 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven freigegeben werden. Ziel sei es laut der Bundeswirtschaftsministerin Reiche, den sogenannten Rakete-und-Feder-Effekt zu „durchbrechen“. Dieser beschreibe ein bekanntes Phänomen auf dem Kraftstoffmarkt: Steigen die Einkaufskosten für Öl, klettern die Preise für Benzin und Diesel an der Tankstelle rasant – wie eine Rakete eben. Fallen die Einkaufspreise jedoch wieder, sinken die Preise oft nur langsam – wie eine Feder.

Die von Deutschland geplante Freigabe von Ölreserven entspricht laut der IEA-Pressemitteilung ungefähr der Menge Rohöl, die im Jahr 2025 täglich durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Diese Meerenge ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Normalerweise wird dort dem WDR zufolge etwa ein Fünftel des global gehandelten Rohöls verschifft.

Ob die Freigabe tatsächlich zu spürbar niedrigeren Spritpreisen führt, bleibt abzuwarten. Laut Samina Sultan, Expertin für europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, sei die Maßnahme ein „probates Instrument“, das auch in Deutschland Wirkung zeigen könne, erklärte sie dem WDR. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) begrüßt, wie er dem NDR mitteilt, den Schritt der Bundesregierung. Die Freigabe sei ein „starkes Signal zur Stabilisierung der Märkte“ und könne dazu beitragen, den Ölpreis zu senken.

Benzin und Diesel senken: Wie lange reichen Deutschlands Ölreserven?

Das Zurückgreifen auf strategische Ölreserven soll die stark gestiegenen Spritpreise dämpfen. Doch wie lange könnte diese Maßnahme tatsächlich ausreichen? Laut des Statistikdienstes CEIC lag der tägliche Ölverbrauch in Deutschland im Jahr 2024 bei 2.051.450 Barrel. Rechnet man diesen Verbrauch auf die geplante Freigabe der Reserven hoch, würden diese lediglich etwa 9,5 Tage reichen. Die freigegebenen Notfallreserven könnten also kurzfristig für Entlastung sorgen – eine langfristige Lösung für hohe Benzin- und Dieselpreise sind sie jedoch wohl weniger.

Darauf weist auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne hin. Eine Entlastung für Autofahrerinnen und Autofahrer sowie für die Wirtschaft dürften die Ölreserven nur vorübergehend ermöglichen. Um langfristig stabile Preise zu erreichen, müsse Deutschland seine „Energieversorgung so breit wie möglich aufstellen und Abhängigkeiten reduzieren“, erklärte Tonne dem NDR.

Übrigens: Neben der Freigabe von Ölreserven wird noch eine weitere Maßnahme diskutiert: Spritpreise könnten künftig nur noch einmal täglich angepasst werden.

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