Wagner hören - Darf man das?
In den langen Pausen, die das Programm zwischen den einzelnen Aufzügen der Opern im Bayreuther Festspielhaus vorsieht, ist viel Zeit. Zeit genug, um durch die Outdoor-Ausstellung „Verstummte Stimmen“ zu flanieren, die an verfolgte und ermordete jüdische Mitwirkende des Festivals erinnert. Die Vergangenheit ruht nicht am Grünen Hügel. Und viele Kapitel dieser Vergangenheit sind dunkel. Das Ringen um eine Gedenkveranstaltung zum 150. Festspieljubiläum zeigt: Man wird die Schatten nicht so einfach los.
Richard Wagner (1813-1883) äußerte sich wiederholt übelst antisemitisch. Ob er auch antisemitische Motive und Stereotype in seinen Werken bediente, ist Gegenstand der Forschung. Der Theater- und Musikwissenschaftler Anno Mungen etwa sagte dem BR, er sei überzeugt davon, dass sich Wagners Antisemitismus auch im Werk finden lasse, etwa im „Ring“.
Welche Antwort findet Michel Friedman?
Später wurde Bayreuth zu einem Zentrum des nationalistisch-völkischen Denkens, dann schließlich Adolf Hitler zum gerngesehenen Gast und Freund der Wagners. Die Festspiele und der Nationalsozialismus waren aufs Engste verwoben. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage: Darf man das - darf man in diesem Wissen ein Festspieljubiläum feiern, darf man unbedarft, verzückt und ergriffen Wagner hören?
Mit Spannung wird erwartet, welche Antwort der jüdische Publizist Michel Friedman findet, wenn er am 26. Juli im Festspielhaus eine Rede hält. Nun also doch. Denn zwischendurch war die Veranstaltung abgesagt worden, wegen Sicherheitsbedenken, wie es offiziell hieß. Nach........
